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Antikörper-Medikamente bei Covid - "Eine Dosis und man ist sofort geschützt"

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Prof. Stefan Dübel forscht in Braunschweig zu Antikörper-Medikamenten gegen das Coronavirus. Bei ZDFheute live erklärt er, warum sie eine wichtige Option gegen die Pandemie sind.

Zwei Medikamente sollen Covid-19-Patienten helfen. Biotechnologe Prof. Dübel erklärt bei ZDFheute live, wie die Mittel wirken - und welche Perspektive sie Risikopatienten bieten.

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Welche neuen Behandlungsoptionen ergeben sich durch die neuen Corona-Medikamente auf Antikörper-Basis, von denen die Bundesregierung am Wochenende 200.000 Dosen eingekauft hat? In den USA war auch Ex-Präsident Donald Trump mit einem solchen Medikament nach seiner Covid-19-Erkrankung behandelt worden.

Prof. Stefan Dübel, Biotechnologe an der Universität Braunschweig, forscht selbst an Antikörper-Medikamenten gegen Covid-19. Bei ZDFheute live bezeichnete er Medikamente mit Corona-Antikörpern als "wichtigen zusätzlicher Pfeil in unserem Köcher gegen die Pandemie." Es seien die ersten Medikamente, die von Anfang an gegen dieses Coronavirus entwickelt wurden.

Mit einem Antikörper kann man einen Menschen einen bis drei Monate schützen.
Prof. Stefan Dübel, Universität Braunschweig

Sie seien eine Alternative für Menschen, die nicht geimpft werden könnten und auch für Menschen die bereits erkrankt seien. Verabreicht werden solle es Patienten mit milden oder moderaten Symptomen, die Risikofaktoren für einen schweren Verlauf haben.

Neue Medikamente, altes Wirkprinzip

Offiziell zugelassen sind die Medikamente in Deutschland noch nicht, das zuständige Paul-Ehrlich-Institut erlaubt die Nutzung jedoch nach einer Prüfung von möglichen Nutzen und Risiken. "Wo der Stempel von denen drauf ist, würde ich mir bedenkenlos selbst in den Arm spritzen", betonte Dübel. In den USA würden diese Medikamente der Firmen Eli Lilly und Regeneron schon an mehr als 4.200 Kliniken eingesetzt.

Die Technologie hinter den neuen Medikamenten ist weit weniger revolutionär als etwa bei den neuen mRNA-Impfstoffen:

Das Wirkprinzip von Antikörper-Behandlungen ist seit 120 Jahren bekannt.
Prof. Stefan Dübel, Universität Braunschweig

Man könne sich mit Antikörpern auch prophylaktisch, also vorbeugend, schützen, erklärt Dübel. Das könnte etwa für medizinisches Personal eine Option sein. "Man braucht eine Dosis und ist sofort geschützt", sagt Dübel.

Es ist ein Rückschlag für Impflieferungen nach Europa. Nach dem Pharmakonzern Pfizer hat auch der Hersteller AstraZeneca angekündigt, weniger Impfstoff als geplant liefern zu können. Und das obwohl schon mehrere Millionen Euro vorab bezahlt wurden.

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Preis von 2.000 Euro je Dosis

Mit 2.000 Euro pro Dosis ist der Preis einer Behandlung hoch. Das liege daran, dass pro Dosis eine relativ große Menge benötigt werde, erklärt Dübel. Wie auch bei den Impfstoffen sei die Produktion sei anfänglich begrenzt.

Weil wir nur die Hochrisiko-Fälle behandeln müssen, wird man mit diesen Mengen schon sehr viel Gutes tun können.
Prof. Stefan Dübel, Universität Braunschweig

Verglichen mit den aus den USA eingekauften Mitteln hat Dübels Forschungsprojekt deutlich weniger staatliche Finanzierung erhalten. "Die Bundespolitik hat sich nicht um die Entwicklung gekümmert und hat sie mehr oder weniger ignoriert und hat sehr stark auf Impfstoffe gesetzt."

Die neue Förderinitiative von Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) über 50 Millionen Euro für Corona-Medikamente kritisierte Dübel als spät: "Förderbeginn ist erst im Mai, da hoffen wir, dass wir die ersten Patienten schon geheilt haben mit unserem Medikament."

Mutanten auch für Antigen-Medikamente eine Herausforderung

Wie auch bei den Impfstoffen gibt es auch bei Antikörper-Behandlungen noch viele offene Fragen: "In bestimmten Fällen kann ein Antikörper eine Virusinfektion verstärken", sagt Dübel. Da müsse man aber nicht total alarmiert sein. Wie das ausgeschlossen werden könne, müsse erforscht werden, so Dübel.

Die in Braunschweig entwickelte Antikörper-Variante habe etwa bestimmte Eigenschaften, die das Überschießen des menschlichen Immunsystems verhindern solle, so Dübel. "Ob dieses Konzept besser ist, das wissen wir erst nach der klinischen Studie."

Auch die verschiedenen Mutanten des Coronavirus können eine Herausforderung für Antikörper-Medikamente sein. Es ist oft noch unklar, welche Antikörper gegen welche Mutanten wirksam sind. "Es ist wichtig, dass wir nicht nur auf ein Pferd setzen", sagte Dübel.

Lesen Sie hier, was andere Experten zu den neuen Antikörper-Medikamenten sagen:

Labor der US-Firma Regeneron; New York, USA; 17.12.2020

Spahn ordert 200.000 Dosen - Antikörper-Medikamente: Das sagen Experten 

Die Bundesregierung hat für Deutschland zwei neue Corona-Medikamente auf Antikörper-Basis gekauft, darunter das, mit dem Ex-US-Präsident Trump behandelt wurde. Was bringen sie?

von Lukas Wilhelm

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