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FAQ

Schutz gegen Corona-Infektion - Wie sinnvoll ist eine Antikörper-Messung?

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Der Schutz gegen eine Corona-Infektion lässt Monate nach der Impfung langsam nach. Das zeigen Studien. Kann ein Antikörpertest Aufschluss über den eigenen Impfschutz geben?

Nicole Schmidt wird beim DRK Blutspendedienst Oldenburg Blut abgenommen und daraus das Plasma zu entnehmen. Nach einer überstandenen Corona-Infektion anderen Erkrankten helfen: Das geht unter anderem mit einer Plasmaspende.
Die Bestimmung der Antikörper geben erste Anhaltspunkte, ob eine Impfung erfolgreich war.
Quelle: dpa

Es gibt Hinweise darauf, dass der Impfschutz gegen das Coronavirus bei vollständig Geimpften über die Zeit abnimmt. Hätte es daher Sinn, mit einem Antikörpertest die eigene Immunantwort zu messen? Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, beantwortet gegenüber ZDFheute diese und weitere Fragen:

Für wen ist ein Antikörpernachweis sinnvoll?

Bei gesunden, nicht besonders alten Menschen, sei es nicht notwendig, den Antikörperspiegel bestimmen zu lassen. Bei ihnen löse die Impfung sehr gute Antikörper- und T-Zellen-Antworten aus, so Falk. Und diese seien auch nach neun Monaten noch nachweisbar, wie viele Studien belegten. [Anm. d. Red.: T-Zellen sind weiße Blutkörperchen, die einen Teil des Immunsystems ausmachen.]

Risikogruppen mit bekannter Immunsuppression empfiehlt Falk jedoch, den Impferfolg anhand der Antikörper nachweisen zu lassen. Bei einer sogenannten Immunsuppression ist die Immunantwort des Körpers unterdrückt oder geschwächt, wie etwa nach einer Transplantation, Autoimmunerkrankung oder Krebsbehandlung. In diesen Gruppen könne nicht automatisch von einem lange anhaltenden Impferfolg ausgegangen werden. Eine dritte Impfung sei dort sinnvoll.

Vor allem für alte und vorerkrankte Menschen sei eine weitere sogenannte Booster-Impfung gegen Corona sinnvoll, sagt Immunologe Leif-Erik Sander von der Charité Berlin.

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Bei den Hochbetagten hingegen sei ein Nachweis über Antikörper logistisch nicht so einfach zu erbringen. Aus präventiven Gründen empfiehlt Falk auch hier, eine dritte Impfung in Erwägung zu ziehen. 

Was lässt sich von einem hohen Antikörperspiegel ableiten?

Es gibt inzwischen Arbeiten, die einen Zusammenhang zwischen hohen spezifischen Antikörperspiegeln gegen das Spike-Protein mit einem hohen Schutz vor Infektion und vor allem schweren Verläufen aufzeigen, bestätigt Falk. Denn im Idealfall verhindern die Antikörper, dass das Spike-Protein an die Wirtszelle andockt und die Zelle infizieren kann.

Welche Bedeutung hat ein niedriger Antikörperspiegel?

Ist der Antikörperspiegel jedoch niedrig, ist das nicht automatisch gleichbedeutend mit einem niedrigen Impfschutz. Denn auch bei einem niedrigeren Antikörperspiegel sei nachgewiesen worden, dass dennoch hohe spezifische T-Zellen-Antworten vorhanden sind.

Sie wirken sozusagen als zweite Abwehrlinie nach den Antikörpern, indem sie infizierte Zellen erkennen und auslöschen können. Diese T-Zellen-Antwort sei ebenfalls sehr wirksam in der Bekämpfung der Infektion, greift aber eben erst in einem zweiten Schritt.

Dadurch ließe sich auch erklären, dass in den ersten Tagen nach Symptombeginn Geimpfte ähnliche Virustiter [Anm. d. Red.: der Begriff Titer ist eine Maßangabe für die Menge bestimmter Antikörper im Blut] haben können wie Ungeimpfte. Das heißt, die Stärke ihrer Antikörperreaktion oder ihrer Immunität fällt bei manchen Geimpften zunächst ähnlich aus wie bei nicht Geimpften. Sobald jedoch die T-Zellen in den Nasen-Rachen-Raum rekrutiert würden, dämmten sie die Vervielfältigung der Viren ein und sorgten dafür, dass die Viruslast schnell absinke.

Insofern seien Antikörper alleine nicht ausreichend, um den Impfschutz zu bestimmen, da auch die T-Zellen und Zellen des angeborenen Immunsystems Teil der konzertierten Immunreaktion seien.

[Forscher und Forscherinnen vom King's College London kamen zu dem Ergebnis, dass der Schutz vor Ansteckung einige Monate nach der vollständigen Impfung etwas nachlässt. Lesen Sie hier, wie sich das auf die Schutzwirkung auswirkt.]  

Antikörperbestimmung statt Auffrischungsimpfung gegen Corona?

Die Impfantwort (nach zwei mRNA-Impfungen) hält nach aktuellen Studien über Monate an, so Falk. Und selbst, wenn die Antikörperspiegel langsam abfielen, bliebe das immunologische Gedächtnis erhalten. Bei anderen Erregern würde man sich vielleicht sogar auf die Erkenntnisse der Studien, die die immunologische Gedächtnisbildung zeigen, verlassen.

Bei Sars-CoV-2 und vor allem bei der Delta-Variante sollte man jedoch nicht darauf vertrauen, dass das immunologische Gedächtnis bei den Risikogruppen ausreichen wird, gibt Falk zu bedenken.

Zwar zeichne sich bei den so genannten Normalpersonen ab, dass der Schutz nur sehr langsam abnimmt. Dennoch ließe sich nicht ausschließen, dass man im Winter nochmal ganz genau analysieren müsse, ob der bestehende Impfschutz ausreiche.

Fazit: Ein niedriger Antikörperspiegel ist nicht unmittelbar gleichbedeutend mit einem niedrigen Impfschutz. Dafür beeinflussen zu viele andere Faktoren die Immunreaktion des Körpers. Gleichwohl empfiehlt Falk bestimmten Risikogruppen, einen Antikörpernachweis zu erheben, um dann gegebenenfalls mit einer Auffrischungsimpfung gegenzusteuern.

Auf der Illustratioin ist eine Person zu sehen, die ein Schutzschild hält. Das Schutzschild ist zum Teil gerisssen, Coronaviren dringen durch das Schild.

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Je mehr Menschen geimpft, desto mehr wird es auch zu Impfdurchbrüchen kommen. Hinzu kommen eine steigende Inzidenz und nachlassender Impfschutz.

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