Seit Mittwoch können Apotheken bundesweit keine neuen Corona-Impfzertifikate ausstellen. Hintergrund ist eine Medienrecherche zu möglichen Sicherheitslücken.
Deutsche Apotheken stellen derzeit keine digitalen Impfausweise mehr aus. Zwei IT-Experten hatten eine Sicherheitslücke im System entdeckt, in der sich Zertifikate fälschen ließen.
Apotheken in ganz Deutschland können derzeit keine neuen Impfzertifikate für Covid-19-Impfungen ausstellen. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) bestätigte in einer Pressemitteilung, dass die Ausstellung von Zertifikaten am Mittwoch gestoppt wurde. Dieser Schritt sei nach Rücksprache mit dem Bundesgesundheitsministerium erfolgt.
Zuvor hatten Medien bereits über den Ausfall der technischen Systeme in den Bundesländern Berlin und Brandenburg berichtet. Der RBB verwies auf ein technisches Problem bei einem Server des Robert-Koch-Instituts, der QR-Codes für die Zertifikate ausstellt. Anders als Apotheken sollen die Impfzentren laut RBB weiterhin Zertifikate ausstellen können.
Handelsblatt-Recherche soll Auslöser sein
Hintergrund des Stopps soll laut DAV eine Recherche des "Handelsblatts" sein. "Das Handelsblatt hat nun mithilfe von professionell gefälschten Dokumenten einen Gastzugang für einen nicht existierenden Apothekeninhaber erzeugt", schreibt der DAV. So seien zwei Impfzertifikate ausgestellt worden.
Bei einer anschließenden Überprüfung aller Gastzugänge sollen keine weiteren Hinweise auf weitere unberechtigte Zugriffe festgestellt worden sein. "Daher ist davon auszugehen, dass die über 25 Millionen Impfzertifikate, die bisher über Apotheken ausgestellt worden sind, alle von rechtmäßig registrierten Apotheken ausgestellt wurden", so der DAV.
Mit dem digitalen Impfzertifikat können vollständig Geimpfte ohne Quarantäne und ohne Testpflicht EU-weit reisen. Doch das Zertifikat ist kein Freifahrtschein in einen sorglosen Sommer.
Handelsblatt sieht "gravierende Sicherheitslücke" bei Apotheken-Portal
Gegenüber ZDFheute bestätigte eine Sprecherin der Handelsblatt Media Group, dass das "Handelsblatt eine gravierende Sicherheitslücke bei der Erstellung digitaler Impfnachweise aufgedeckt hat".
Nicht das "Handelsblatt" hätte sich Zugang zum System verschafft, sondern zwei IT-Sicherheitsspezialistien, so die Sprecherin. Damit hätten sie "demonstriert, dass es bei dem Portal deutliche Mängel gibt". Über Details werde das Medium in Kürze berichten.
Bei den digitalen Impfzertifikaten hatte es immer wieder technische Probleme gegeben - auch wegen der großen Nachfrage. Der Nachweis gilt EU-weit und soll etwa Urlaubsreisen vereinfachen.
- Spahn: Hartes Vorgehen gegen Fälschungen
Der Betrug bei Corona-Impfnachweisen boomt. Bald soll er mit strengeren Sanktionen geahndet werden. Das fordert Gesundheitsminister Jens Spahn.