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Verbände: Ein-Freund-Appell "kinderfeindlich"

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Corona-Maßnahmen - Verbände: Ein-Freund-Appell "kinderfeindlich"

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Kein Beschluss, aber ein Appell: Auch Kinder sollten nur noch einen Freund treffen, so der Rat nach dem jüngsten Corona-Gipfel. Kinderschützer finden das "unverhältnismäßig".

Zwei Kinder schaukeln auf dem Spielplatz
Spielen nur noch zu zweit: Bund und Länder appellieren, vorerst nur noch einen festen Freund zu treffen.
Quelle: AP

Beschlüsse gab es nicht auf der jüngsten Bund-Länder-Runde zur Corona-Krise - wohl aber Appelle. Darunter der, dass auch Kinder nur noch einen Freund aus einem anderen Hausstand treffen sollen. Kinderschutzverbände und Experten kritisieren das scharf.

"Soziale Interaktion ist sehr wichtig, gerade für Jugendliche ist sie das zentrale Entwicklungsmoment", sagte der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks, Holger Hofmann, der Funke Mediengruppe. Es sei "völlig unverhältnismäßig und kinderfeindlich", dies auf einen Kontakt zu beschränken.

Kinderschutzbund "verärgert"

Auch der Deutsche Kinderschutzbund sieht den Vorstoß mit Sorge. "Es ist furchtbar für das Kind, das sich zwischen seinen Freunden entscheiden soll und es ist furchtbar für jenes Kind, das im Zuge einer solchen Entscheidung vielleicht abgewiesen werden musste", sagte Präsident Heinz Hilgers. Es ärgere ihn, dass in den jüngsten Vorschlägen für Kontaktbeschränkungen vor allem Kinder und Jugendliche im Zentrum stünden. Denn:

Gleichzeitig läuft in den Bürohäusern deutscher Innenstädte ein völlig ungeregelter Präsenzbetrieb weiter.
Heinz Hilgers, Präsident Deutscher Kinderschutzbund

Michael Kölch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, mahnte, darauf zu achten, dass keiner "übrig bleibt" bei der Wahl des festen Kontakts. "Nach denen, die sonst wenige Kontakte haben, muss man jetzt schauen, damit die nicht völlig vereinsamen", sagte er. Kölch zeigte sich aber auch optimistisch, dass Kinder und Jugendliche mit altersgerechten Erklärungen gut mit der Situation umgehen könnten.

Der Verzicht von Bund und Ländern auf weitere konkrete Beschlüsse zur Eindämmung der Corona-Pandemie löst ein geteiltes Echo aus. Kritiker warnen davor, dass die Zeit drängt.

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Psychologin: Kontaktbeschränkung trifft Jugendliche härter

Es gebe verschiedene Studien, dass "generell jüngere Menschen mehr mitgenommen sind durch die Kontaktbeschränkungen", sagte die Diplom-Psychologin und Autorin Ulrike Scheuermann. Und insbesondere treffe es Jugendliche. "Für jüngere Kinder ist es möglicherweise noch leichter." Später sei die beeinflussende Clique entscheidend. "Bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen da ist eigentlich ja gerade diese 'Peergroup' das Zentrale, was auch zur Identitätsentwicklung beiträgt."

Kritik kommt auch aus den Reihen der Koalition: "Bei Kindern und Familie muss das auch immer was zu tun haben mit der Lebenswirklichkeit. Die Menschen müssen verstehen, was wir von ihnen wollen", sagte Unionsfraktionsvize Thorsten Frei der "Bild"-Zeitung.

Giffey: Maßnahme nicht beschlossen

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey dagegen verteidigte die vorgeschlagene Regel: "Die Maßnahme ist bisher nicht beschlossen worden", sagte die SPD-Politikerin dem Berliner "Tagesspiegel".

Wenn, dann ginge es ja nur um die Freizeit und die Kinder hätten trotzdem weiterhin Kontakte in Kita und Schule - oft sind das die wichtigsten Freundinnen und Freunde.
Bundesfamilienministerin Giffey im "Tagesspiegel"

Außerdem begegneten sich viele Grundschulkinder und Jugendliche über digitale Möglichkeiten, um miteinander zum Beispiel Hausaufgaben zu machen oder Spiele zu spielen.

Berlin: Ein Plakat informiert Passanten über Verhaltensregeln während der Pandemie.

Corona-Appelle statt Anordnungen -
Worauf sich Bund und Länder einigen konnten
 

Weniger Kontakte und ein Verzicht auf Feiern - das ist ein Teil der Ergebnisse des Bund-Länder-Gipfels. Die heutigen Beschlüsse im Überblick.

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