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Corona in Südamerika - Todesrate: Löst Argentinien Brasilien ab?

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Dramatische Infektionszahlen zwingen Argentinien zu neuen scharfen Maßnahmen. Die Kritik an Präsident Fernandez wächst.

Argentinien, Buenos Aires: Zwei Friedhofsmitarbeiter lassen den Sarg eines an Covid-19 verstorbenen ins Grab.
Die Infektionszahlen schnellen in die Höhe, die Todeszahlen steigen und die Wirtschaft bricht zusammen: Die Lage in Argentinien spitzt sich zu.
Quelle: ap

Während in Europa zu Beginn des Sommers die Corona-Zahlen stark rückläufig sind und die Impfkampagne zunehmend voran kommt, gibt es kurz vor Beginn des südamerikanischen Winters alarmierende Zahlen aus Argentinien.

In den vergangenen Tagen sind die Infektionszahlen so hoch wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Der Höchstwert datiert auf den 27. Mai mit 41.080 registrierten Neuinfektionen und das bei einer Einwohnerzahl von rund 45 Millionen Menschen. Bislang sind fast 80.000 Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben.

Vor allem junge Argentinier infiziert

"Wir erleben im Cono Sur eine ähnliche Entwicklung, wenngleich mit regionalen Unterschieden", sagt Dr. Sylvain Aldighieri von der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (PAHO) auf Anfrage von ZDFheute mit Blick auf den Süden des Kontinents.

Im Fall von Argentinien existiert eine größere Inzidenz in der Gruppe der jüngeren Erwachsenen zwischen 20 bis 59 Jahre, vor allem aber in der Gruppe der 30 bis 39-Jährigen.
Dr. Sylvain Aldighieri, Panamerikanische Gesundheitsorganisation

Das könnte auf eine sinkende Disziplin bei der Einhaltung der Hygiene-Maßnahmen zurückzuführen sein. Es falle den jüngeren Menschen zunehmend schwer, auf Treffen zu verzichten und dabei eine Maske zu tragen.

Das Virus ist außer Kontrolle. Hunderte Menschen sterben täglich in Argentinien - die Politik reagiert mit einem harten Lockdown.

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Schleppende Impfkampagne

Hinzu kommt Argentiniens schleppende Impfkampagne. Die Opposition wirft der Regierung von Präsident Alberto Fernandez vor, den Ankauf von Impfstoffen von Pfizer versäumt zu haben, obwohl dies möglich gewesen sei. Tatsächlich setzt Argentinien nach eigenen Angaben vor allem auf Sputnik V (Russland) zudem auf Covishield (Indien), Sinopharm (China) und Astrazeneca (Großbritannien/Schweden).

Vor allem bei Sputnik V kam es zuletzt zu Lieferschwierigkeiten, was die notwendige Kampagne für die zweite Impfdosis gefährdet. Gerade einmal gut sechs Prozent der Menschen haben bislang ihre zweite Impfdosis erhalten. Und viele davon drohen nun aus dem Zeitrahmen zu fallen, in dem es vorgeschrieben ist, die zweite Impfung zu erhalten.

Armutsrate in Argentinien in Pandemie gestiegen

Alberto Fernandez war angetreten, um die Armut und den Hunger in seinem Land zu bekämpfen. Doch während der Corona-Pandemie sind Hunger und Armut noch einmal spürbar angestiegen. Ende April meldete "El Economista" eine auf 42 Prozent gestiegene Armutsrate. Insgesamt sind damit 19 Millionen Menschen in Argentinien von Armut betroffen.

Es ist kein Zufall, dass ähnlich wie in Brasilien vor allem Bewohner aus den Armenvierteln mit wenig räumlichem Abstand von Corona betroffen sind. Dort kämpften noch vor der Pandemie Armenpriester dafür, dass endlich Ambulanzen vor Ort angeschafft werden, weil arme Familien bisweilen eine Stunde auf die Ankunft der Krankenwagen warten mussten. Die jahrelange Vernachlässigung des Gesundheitswesens quer durch alle politischen Lager hat auch in Argentinien ihre Folgen.

Eine schleppende Impfkampagne, ein Zusammenbruch der Wirtschaft: Die Kritik an Präsident Fernandez steigt.

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Präsident Fernandez in der Kritik

Kritiker werfen Fernandez vor, die harte Lockdown-Politik habe zudem zum Zusammenbruch der Wirtschaft geführt. Tatsächlich hat sich die Infektionswelle bei ausbleibendem Impferfolg und beginnendem Winter eigentlich nur aufgeschoben. Nun droht sie das Land zu überrollen.

Angesichts der hohen Infektionszahlen in den vergangenen Tagen ist zu befürchten, dass sich die ohnehin schon hohe Todesrate der vom besonders betroffenen Nachbarland Brasilien in Kürze annähern könnte. Laut Johns-Hopkins-Universität liegt sie in Argentinien bei 172 pro 100.000 Einwohner, in Brasilien bei 218. Zum Vergleich: In Deutschland liegt sie bei 106 Fällen.

Hinzu kommen schwere Pannen wie ein Skandal um bevorzugte Impfungen für Regierungsvertreter oder ihnen nahestehende Entscheidungsträger, der dem Fernandez-Lager einen Korruptionsvorwurf einbrachte. Die Konsequenz: Argentinien muss erneut das öffentliche Leben einschränken und zog seine Ausrichterrolle als Gastgeber der Fußball-Südamerikameisterschaft zwei Wochen vor Turnierbeginn zurück.

Mitarbeiter einer Fluggesellschaft warten am Flughafen Frankfurt. Archivbild

Verschärfte Reiseauflagen - Das sind derzeit Corona-Hochinzidenzgebiete 

Wegen hoher Corona-Zahlen hat die Regierung viele Länder als Hochinzidenzgebiete eingestuft. Auch für Virusvarianten-Gebiete gelten verschärfte Einreiseregeln.

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