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Nebenwirkungen bei Astrazeneca? - Was wir zum Impfstopp in Dänemark wissen

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Dänemark stoppt Impfungen mit dem Wirkstoff von Astrazeneca nachdem es Komplikationen durch Blutgerinnsel gab. Ein Zusammenhang mit der Impfung ist aber bisher nicht belegt.

Eine Mitarbeiterin eines Impfzentrums in Kopenhagen mot Impfstoff von Astrazeneca
Der Mitarbeiter eines Impfzentrums in Kopenhagen mit Impfstoff von Astrazeneca
Quelle: reuters

Dänemark stoppt vorübergehend Impfungen mit dem Mittel des britisch-schwedischen Pharmakonzerns Astrazeneca. Grund dafür seien die Berichte über Komplikationen durch Blutgerinnsel nach der Impfung, darunter ein Todesfall in Dänemark, teilte die dänische Gesundheitsbehörde mit.

"Wir befinden uns mitten im größten und wichtigsten Impf-Rollout der dänischen Geschichte. Wir benötigen sämtliche Impfstoffe, die wir bekommen können. Daher ist es keine leichte Entscheidung, einen der Impfstoffe zurückzuhalten", sagt Søren Brostrøm, Direktor der nationalen dänischen Gesundheitsbehörde. Gerade weil man so viel impfe, müsse man rechtzeitig reagieren, wenn Erkenntnis zu möglichen schwerwiegenden Nebenwirkungen aufkommen.

Wir brauchen eine Klärung, bevor wir den Impfstoff von Astrazeneca weiter verwenden können.
Søren Brostrøm, Dänische Gesundheitsbehörde

Vor diesem Hintergrund hat auch die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA eine Untersuchung des Astrazeneca-Impfstoffs eingeleitet. Norwegen gab am Mittag bekannt, die Impfungen ebenfalls erstmal auszusetzen.

Wichtig ist es den dänischen Behörden, zu betonen, dass der Astrazeneca-Impfstoff nicht ab jetzt grundsätzlich abgelehnt, sondern nur ausgesetzt wird.

Es gibt gute Beweise dafür, dass der Impfstoff sowohl sicher als auch wirksam ist.
Pressemeldung der nationalen dänischen Gesundheitsbehörde

Die Impfungen sollen nun für zwei Wochen pausieren. Bisher war das Ende der Impfungen für Mitte Juli geplant, nun wird es vermutlich eher Mitte August. Bisher haben in Dänemark etwa 142.000 Menschen die erste Impfdosis mit dem Astrazeneca-Stoff bekommen.

Prüffälle möglicher Nebenwirkungen auch in Österreich

Auch Österreich hatte nach einem Todes- und einem Krankheitsfall Impfungen mit einer Charge des Astrazeneca-Impfstoffs vorsichtshalber gestoppt. Eine 49-jährige Frau sei an den Folgen schwerer Gerinnungsstörungen gestorben, eine 35-jährige Frau habe eine Lungenembolie erlitten und befinde sich auf dem Weg der Besserung, teilte das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) am Sonntag mit. Bei den beiden Frauen handelt es sich Medienberichten zufolge um Krankenschwestern der Klinik Zwettl. 

Aktuell gibt es noch keinen Hinweis auf einen kausalen Zusammenhang mit der Impfung.
Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG)

Vier andere EU-Länder - Estland, Litauen, Lettland und Luxemburg - stoppten die Impfungen mit dieser Charge, die insgesamt rund eine Million Impfdosen umfasste und an 17 europäische Länder verschickt worden war.

Die EMA hat nach eigenen Angaben bislang keine Hinweise dafür, dass der Todes- sowie der Krankheitsfall in Österreich auf Impfungen mit dem Vakzin zurückzuführen sind.

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Paul-Ehrlich-Institut prüft Sachlage in Deutschland

In Deutschland ist das Paul-Ehrlich-Institut für die Überwachung der auftretenden Nebenwirkungen bei Impfungen zuständig: Dort steht man mit der dänischen Arzneimittelbehörde und der EMA in Kontakt und untersuche auch die Sachlage in Deutschland, teilte eine Sprecherin auf Anfrage von ZDFheute mit.

Die EMA habe bereits eine Analyse der bisher gemeldeten Fälle durchgeführt - und dabei festgestellt, dass die Anzahl solcher Ereignisse niedriger war, als bei der großen Zahl von Impfungen eigentlich zu erwarten wäre.

Das Bundesgesundheitsministerium sieht nach der Impfpause in Dänemark bisher keinen Anlass für einen ähnlichen Schritt in Deutschland. Auch hier heißt es: "Nach jetzigem Stand gibt es noch keine Hinweise darauf, dass der Todesfall in Dänemark mit einer Corona-Impfung ursächlich in Verbindung steht", erklärte ein Ministeriumssprecher.

An wie vielen Menschen wurde der Impfstoff getestet?

Die Bewertung zur Sicherheit des Impfstoffs von Astrazeneca durch das Paul-Ehrlich-Institut basiert auf vier klinischen Studien, die im Vereinigten Königreich, in Brasilien und in Südafrika durchgeführt wurden.

23.745 Teilnehmer über 18 Jahren erhielten entweder die Impfung oder eine Kontrollsubstanz als Placebomittel.

Welche Nebenwirkungen traten bei Probanden auf?

Bislang sind Blutgerinnungsstörungen nicht als Nebenwirkung des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca identifiziert worden. Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen waren:

  • Druckempfindlichkeit an der Injektionsstelle (63,7 Prozent)
  • Schmerzen an der Injektionsstelle (54,2 Prozent)
  • Ermüdung (53,1 Prozent)
  • Kopfschmerzen (52,6 Prozent)
  • Muskelschmerz (44,0 Prozent)
  • Unwohlsein (44,2 Prozent)
  • Fieber (einschließlich Fiebrigkeit (33,6 Prozent) und Fieber über 38°C (7,9 Prozent))
  • Schüttelfrost (31,9 Prozent)
  • Gelenkschmerzen (26,4 Prozent)
  • Übelkeit (21,9 Prozent).

Die Mehrzahl der Nebenwirkungen war von leichtem bis moderatem Schweregrad und ging üblicherweise binnen weniger Tage nach der Impfung wieder vollständig zurück. Im Vergleich zur ersten Dosis waren die nach der zweiten Dosis berichteten Nebenwirkungen milder und wurden weniger häufig berichtet.

Bei älteren Erwachsenen über 65 Jahren waren die Impfreaktionen generell milder und traten weniger häufig auf.

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