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Corona-Impfstoff - Warum Experten Astrazeneca vertrauen

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Dänemark und weitere Länder haben Impfungen mit Astrazeneca vorerst ausgesetzt, weil Geimpfte Blutgerinnsel gebildet hatten. Experten sehen aber keine erhöhte Gefahr für Thrombose.

Eine Spritze mit dem AstraZeneca-Impfstoff. Symbolbild
Eine Spritze mit dem Astrazeneca-Impfstoff. Symbolbild
Quelle: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Nach Dänemark und Norwegen haben weitere Länder die Impfungen mit einer bestimmten Astrazeneca-Charge vorsorglich ausgesetzt. Als Grund wurden Berichte über einen Todesfall und schwere Erkrankungen durch Blutgerinnsel nach der Impfung genannt.

[Lesen Sie hier mehr zum Impfstopp in Dänemark]

Das sind beunruhigende Berichte. Doch Forscherinnen und Forscher führender Einrichtungen entwarnen. Allen voran das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), die oberste Bundesbehörde für Impfstoffe:

Es gibt derzeit keinen Hinweis, dass die Impfung diese Erkrankungen verursacht hat.
Paul-Ehrlich-Institut, 11.03.2021

Der Nutzen der Impfung überwiege die bekannten Risiken, teilte das Institut am Donnerstagabend mit. Diese Einschätzung teilt auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), sowie die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Thrombose tritt in Bevölkerung relativ häufig auf

Wichtig ist bei der Bewertung von möglichen Nebenwirkungen vor allem der Blick auf die allgemeine Häufigkeit der Krankheit in der Bevölkerung - hier im Europäischen Wirtschaftsraum.

  • 30 Fälle von "thromboembolischen Ereignissen" sind der EMA bis 10. März im Zusammenhang mit einer Astrazeneca Impfung gemeldet worden.
  • Drei Millionen Menschen wurden inzwischen mit dem Vakzin geimpft.

Diese Anzahl sei nicht höher als die Zahl der thromboembolischen Ereignisse, die statistisch zufällig in der Bevölkerung auch ohne Impfung vorkommen würden, teilt das PEI mit. Dennoch werden sie weiterhin von PEI und EMA auf mögliche Ursachen hin "intensiv untersucht".

Zudem sollte beachtet werden, dass eine Impfung auch indirekt vor Thrombose schützen kann, da Blutgerinsel bei rund 15 Prozent der Sars-CoV-2-Infizierten als Folge der Erkrankung auftreten.

Keine vermehrten Thrombose-Fälle in Großbritannien

Die ergriffenen Entscheidungen der Länder, die Impfungen mit Astrazeneca auszusetzen, seien "als Vorsichtsmaßnahmen zu verstehen", sagt der Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung an der Charité, Leif-Erik Sander.

Er verweist auf die Millionen Impfdosen mit Astrazeneca in Großbritannien, wo keine Häufung von Blutgerinnungen unter Geimpften festgestellt wurden.

"Daher ist ein kausaler Zusammenhang zwischen Impfung und Thrombosen eher nicht zu erwarten", so Sander.

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"Mehr Zufall als Ursache"

Dass Menschen nach Impfungen erkranken, sei in gewisser Weise normal und könne nicht unbedingt auf die Vakzine zurückgeführt werden, sagt auch Ulrich Sachs vom Universitätsklinikum Gießen und Marburg, der sich auf Blutgerinnung spezialisiert hat.

Wenn ein Impfstoff in kurzer Zeit sehr oft gespritzt wird, kommt in zeitlich engem Zusammenhang alles vor, was auch im normalen Leben vorkommt: Schlaganfälle, Herzinfarkte usw.
Prof. Dr. med. Ulrich Sachs, Facharzt für Hämostaseologie

Ein Schaden sei dennoch entstanden. Nicht durch den Impfstoff, sondern durch die Aussetzung der Impfungen, findet der Blutspezialist und Chefarzt an der München Klinik Schwabing, Clemens Wendtner.

Bedauerlicherweise sei nun "eine weitere vermeintlich negative Nachricht in der Welt, die dem Image des Impfstoffes und der Impfkampagne insgesamt schadet."

Auch Wendtner verweist auf Großbritannien, das größtenteils mit Astrazeneca impft und bisher keine relevanten Sicherheitsbedenken geäußert hat. "Statt von einer Kausalität ist eher von einer Koinzidenz auszugehen, also mehr Zufall als Ursache."

[Hier finden Sie eine Übersicht der Nebenwirkungen bei Corona-Impfstoffen]

Betroffene Charge nicht in Deutschland

Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kritisierte am Freitag in Berlin die Aussetzung von Impfungen mit Astrazeneca. "Wir nehmen die Meldungen sehr, sehr ernst", versicherte Spahn. Gründe für eine Aussetzung der Impfungen mit Astrazeneca sieht er nicht.

Wichtig ist auch zu wissen, dass etwa Dänemark, Norwegen und Rumänien nicht grundsätzlich aufgehört haben, mit Astrazeneca zu impfen, sondern dass es hier um die entsprechende Charge geht, mit der die betroffenden Fälle aus Österreich und Dänemark geimpft wurden.

Der Münchner Infektiologe Wendtner merkt an, "dass das erwähnte Batch ABV5300 nicht nach Deutschland geliefert wurde und hier auch nicht verimpft wird."

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Beitragslänge:
34 min
Datum:

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise

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