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Nebenwirkungen bei Astrazeneca - Forscher: Thrombosen nach Impfen therapierbar

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Hirnvenenthrombosen, Lungenembolien: Der Impfstoff von Astrazeneca ist in Verruf geraten. Forscher aus Hannover geben nun Hoffnung - die Thrombosen seien therapierbar, sagen sie.

In Zusammenhang mit dem Impfstoff von Astrazeneca wurden in Deutschland über 60 Fälle von Hirnvenenthrombosen gezählt. Die seien therapierbar, erklärt der Forscher Arnold Ganser.

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Eine Patientin wird in die Notaufnahme eingeliefert, elf Tage, nachdem sie mit dem Impfstoff von Astrazeneca geimpft worden war. Die Frau leidet unter schwersten Kopfschmerzen und Bewusstseinsstörungen. Eine Sinusvenenthrombose wird diagnostiziert. Dabei verklumpt das Blut in den Hirnvenen.

Einer von fünf Fällen der seltenen Impfreaktion, der an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) erforscht wurde. Die MHH hat jetzt als erste Klinik in Deutschland ihre Erfahrungen bei der Diagnose und Therapie von Hirnvenenthrombosen nach einer Corona-Impfung mit dem Vakzin Vaxzevria des Herstellers Astrazeneca veröffentlicht.

Thrombosen: Frauen häufiger betroffen

In Deutschland wurden dem Paul-Ehrlich-Institut bis zum 20. April 63 Fälle solcher Thrombosen im Zusammenhang mit einer Astrazeneca-Impfung gemeldet. Frauen waren dreimal häufiger betroffen als Männer, die meisten von ihnen unter 60 Jahre.

Insgesamt wurden in Deutschland - laut Robert-Koch-Institut - 6,3 Millionen Astrazeneca-Dosen geimpft. Auch der Hersteller Johnson & Johnson weist mittlerweile schriftlich darauf hin, dass nach der Impfung mit seinem Vakzin in seltenen Fällen Thrombosen in Kombination mit einem Mangel an Blutplättchen auftreten können.

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Nach bisherigem Forschungsstand kommt es zu den Hirnvenenthrombosen in Zusammenhang mit einer Corona-Impfung durch eine Art Autoimmun-Reaktion des Körpers: Er bildet spezielle Antikörper gegen ein Protein der Blutplättchen. Bei einer offenen Wunde sollen Blutplättchen miteinander verkleben und die verletzte Stelle verschließen.

Ohne Wunde bilden sich im Körper allerdings Klümpchen, Gerinnsel. Sie verstopfen Gefäße, verhindern den Blutfluss, Thrombosen entstehen. Laut MHH können diese Komplikationen nach einer Impfung nicht nur an Hirnvenen, sondern auch an Venen der Bauchorgane sowie in Arterien im Gehirn und in den Beinen auftreten.

Potenziell tödlich

"Eine Sinusvenenthrombose oder auch eine Lungenembolie ist potenziell natürlich eine tödliche Erkrankung", erklärt Professor Arnold Ganser, MHH-Klinikdirektor für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation. Trotzdem machen die Forschungsergebnisse zu Sinusvenenthrombosen Hoffnung:

Wenn sie früh erkannt wird und man entsprechende Maßnahmen ergreift, dann geht die Patientin nach kurzer Zeit gesund nach Hause.
Professor Arnold Ganser

Je nach Schweregrad wurden die Erkrankten an der MHH unterschiedlich behandelt – mit blutverdünnenden Medikamenten, aber auch mit entzündungshemmenden Kortisonpräparaten und anderen Arzneimitteln. Die Therapie sei bei allen Patienten erfolgreich verlaufen. Entscheidend für eine Heilung seien eine frühe Diagnose und Behandlung.

Bei Kopf- und Gliederschmerzen zum Artzt

Wichtig zu wissen für Patienten: Treten an Tag vier bis 15 nach einer Impfung mit dem Astrazeneca-Vakzin noch Symptome wie starke Kopf- oder Gliederschmerzen auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden, rät Professor Andreas Tiede, Erstautor der MHH-Studie.

Ein Blutbild könne erste Aufschlüsse über eine Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) geben. Sei dies der Fall, müsse man sofort die Notaufnahme eines Krankenhauses aufsuchen.

Bund und Länder haben die Priorisierung bei der Impfung mit dem Vakzin von Astrazeneca aufgehoben. Dies teilte Gesundheitsminister Spahn nach Beratungen mit seinen Länderkollegen mit.

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Trotz aller Verunsicherung sei Astrazeneca aber besser als sein Ruf, sagen die Forscher an der MHH. "Wir halten Astrazeneca für einen exzellenten Wirkstoff, einen exzellenten Impfstoff, sodass wir bei uns auch damit weiter impfen“, erläutert Prof. Ganser.

Kommende Woche soll eine Million Dosen des AstraZeneca-Impfstoffs an Arztpraxen geliefert werden, kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an. Für den Impfstoff ist nach einem Beschluss von Bund und Ländern die Priorisierung mit einer festen Reihenfolge aufgehoben.

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