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RS-Viren auf dem Vormarsch - Atemwegserkrankung füllt Kinderkliniken

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Husten und Atemnot: Vor allem Kleinkinder und Säuglinge sind vom RS-Virus betroffen. In diesem Jahr häufen sich die Erkrankungen, mit zum Teil schweren Verläufen.

Baden-Württemberg, Stuttgart: Ein Arzt untersucht ein Kind mit einem Stethoskop.
Baden-Württemberg, Stuttgart: Ein Arzt untersucht ein Kind mit einem Stethoskop.
Quelle: dpa

Oberärztin Anja Hagen ist auf dem Weg zu Klara. Bevor sie das Zimmer mit dem Aufkleber "Isolation" betritt, streift sie Handschuhe über und bindet sich einen weiteren Kittel um. "RS-Viren sind sehr ansteckend. Zunächst einmal über die Atemwege, aber es sind auch Schmierinfektionen bekannt", erklärt sie die Vorsichtsmaßnahmen. [Warum sich Kinder gerade stark erkälten: Immunabwehr fehlt Training.]

Was sind RS-Viren? Wie erkennt man RSV?

Seit einer Woche ist Klara nun schon auf der Kinderstation der Universitätsklinik in Leipzig. Klara ist vier Monate alt. Als ihr Husten sich verschlimmerte, sie nichts mehr essen wollte und apathisch wurde, brachten ihre Eltern sie in die Klinik. Der Test ergab eine Infektion mit RSV - die Abkürzung für Respiratorisches Synzytial-Virus.

Es nistet sich in den obersten Zellschichten des Schleimhautgewebes der Atemwege ein und vermehrt sich dort. Von dort kann es weitere Schäden an Bronchien und der Lunge verursachen. Infektionen treten vor allem in den Wintermonaten und im Frühjahr - und gerade verstärkt während der Corona-Pandemie - auf.

Durch die Pandemie konnten Kinder keinen eigenen Immunschutz aufbauen. Nun steigt die Zahl an RSV-Infektionen, eine schwere Atemwegserkrankung.

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Grundsätzlich können sich Menschen jeden Alters mit dem Virus anstecken, meistens sind aber Säuglinge und Kleinkinder betroffen. In einzelnen Fällen kommt es auch zu schweren Verläufen, die Atemnot und Atemstillstand auslösen.

Was hilft gegen RSV?

Wieland Kiess, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Leipzig, möchte besorgte Eltern aber beruhigen. Denn die meisten Kinder, die rechtzeitig im Krankenhaus behandelt werden, haben die Infektion schon nach wenigen Tagen überstanden.

"Die gute Botschaft ist, man kann das in aller Ruhe, mit Überwachung, mit Sauerstoffgaben überbrücken, weil das Kind sich dann selber hilft und dieses Virus bekämpft", sagt Kiess.

Die schlechte Nachricht ist, es gibt kein Medikament dagegen.
Wieland Kiess

Wie bei vielen Viren gibt es laut Kiess keine virustötenden Medikamente, "sodass man es einfach aushalten muss".

Warum sich RS-Viren gerade stark verbreiten

RS-Viren sind den Medizinern bekannt. Auch in der Vergangenheit gab es Jahre, in denen sich mehr Menschen ansteckten, die Verläufe schwerer waren. In diesem Jahr, so Kiess, kommen mehrere Faktoren zusammen:

  • Das erste und banalste ist die Jahreszeit: RS-Viren mögen kalte Luft - und auch, wenn es feucht ist.
  • Zweiter Punkt: Es kommt in Wellen. In der Tat sind Kinder dann immun. Die letzten Jahre gab es, auch wegen Corona, keine RS-Welle - und das holen die Kinder jetzt nach.
  • Dritter Punkt: Die Kinder gehen jetzt wieder in die Kitas, in die Schulen. Das heißt, die Ansteckungen erfolgen viel leichter, als wenn die Schulen geschlossen bleiben. "Trotzdem appelliere ich an alle, die Verantwortung tragen, die Schulen offen zu lassen", sagt der Mediziner.

Kinderkliniken voll ausgelastet - Pflegepersonal fehlt

Das RS-Virus trägt aktuell dazu bei, dass die Station in Leipzig komplett ausgelastet ist, eine weitere zu mehr als 80 Prozent. Andere Kinderkliniken melden ebenfalls volle Auslastung - auch das Personal fehle.

Einen Umstand, den Kiess bestätigt und für den er auch die Politik mitverantwortlich macht: "Wir tun gerade so, als wäre es ungewöhnlich, dass Kinder krank werden - aber wir können alle krank werden und wir brauchen Daseinsvorsorge. Wir müssen uns darum kümmern, dass wir genügend Polizisten haben, genügend Feuerwehren, genügend Schulen und genügend Krankenhäuser - sogar Kinderkrankenhäuser."

Ich höre von vielen Kollegen in Deutschland, aber auch in ganz Europa, dass die Kinderkliniken im Moment sehr voll sind.
Wieland Kiess

Klara kann ihr Bettchen für den nächsten Patienten frei machen. Sie hat die Infektion überstanden - und darf nach fünf Tagen im Krankenhaus endlich wieder nach Hause.

Der Mediziner Christoph Spinner erklärt, warum unser Immunsystem keinen vollen Schutz gegen Atemwegserkrankungen bilden kann und warum nach einer schwachen Grippewelle meist eine starke im nächsten Jahr droht - im Video:

Dr. Christoph Spinner erklärt, warum gerade nach einer schwachen Grippewelle die Gefahr einer starken im folgenden Jahr besonders groß ist.

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