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Ein Jahr Corona in Deutschland : Wie das Virus zu uns kam

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Ein Fischmarkt in China scheint weit weg. Doch als das bayerische Gesundheitsministerium am 24. Januar 2020 einen "Corona-Arbeitsstab" einrichtet, ist das Virus schon unterwegs.

Die Firma Webasto, ein Autozulieferer aus der Nähe von München, besitzt auch ein Werk in Wuhan. Am Morgen des 19. Januar reist eine chinesische Mitarbeiterin für einen Workshop zum Firmensitz ins bayerische Stockdorf.

Alle fühlen sich gut, mehrere Tage. Am Wochenende fliegt die Mitarbeiterin zurück nach China. Dort wird sie positiv getestet. Montags früh schickt sie eine E-Mail an die Zentrale: Der Chef informiert das Gesundheitsamt und alle Mitarbeiter. Einer davon fühlt sich unwohl und lässt sich, auch um seine schwangere Frau zu schützen, ebenfalls testen. Ergebnis: positiv. Die von ihm aufgesuchte Klinik in Pasing schickt ihn weiter zum Münchner Tropeninstitut, denn nur dort konnte man bereits auf Corona testen.

Um 21 Uhr am 27. Januar 2020 ist klar: Der 33-Jährige aus Kaufering ist der erste Covid-19-Patient in Deutschland. Ins Schwabinger Krankenhaus, das ihn aufgenommen hat, kommen bald noch weitere Kollegen.

Ich kam zum Frühdienst, und plötzlich brach hier das Chaos aus. Der Patient kam schon in der Nacht, gefühlt ganz München kam zu uns.
Sabine Müller, 43, Krankenschwester im Klinikum Schwabing

Die ersten Corona-Patienten zeigen kaum Symptome

Die ersten Patienten sind relativ jung, scheinen munter und leiden, wie Chefarzt Clemens Wendtner staunt, kaum an Symptomen. Aber Forscher sind alarmiert: Camilla Rothe vom Tropeninstitut München vermutet, dass auch symptomfreie Infizierte ansteckend sein können. Sie unterrichtet das Robert-Koch-Institut. Zu Anfang will ihr keiner glauben, auch nicht die WHO.

Erst Patient Nummer 11, ebenfalls ein Kollege von Webasto, entwickelt eine schwere Erkrankung der Lunge. Er hatte in der Kantine um den Salzstreuer gebeten. Allmählich ahnt auch die Öffentlichkeit, dass hier etwas Unheimliches vor sich geht.

Wir hatten uns auch mit Kollegen in Wuhan ausgetauscht, die ja viel mehr Patienten betreut hatten. Aber wir hatten nicht ein vollständiges Bild aus China vermittelt bekommen. Es war ein Puzzle, was wir auch im Laufe der nächsten Wochen selbst erarbeitet haben.
Prof. Dr. Clemens Wendter, Klinikum Schwabing

Mehr als 200 Kontaktpersonen müssen in den nächsten Wochen in Quarantäne. Die Mitarbeiter fühlen sich stigmatisiert und ausgegrenzt. So viel Isolation war nie. "Alle waren sehr ängstlich, verzweifelt, wussten nicht, ob sie ihre Familie noch mal wiedersehen oder nicht und wie es weitergeht, ob die Kinder, die sich infiziert haben, Schaden davontragen", sagt Krankenschwester Sabine Müller.

Der Corona-Ausbruch schien unter Kontrolle

Ringsum werden Laborkapazitäten ausgebaut, Kliniken vorbereitet. Telefon-Hotlines gestellt. Es ist Ende Januar. Die Krankheit hat noch keinen Namen. Den bekommt sie am 11. Februar.

Aus dem Umkreis von Webasto waren am Ende 16 Personen an "Covid-19" erkrankt. Am 27. Februar kann der letzte von ihnen das Klinikum verlassen. Damit scheint der Ausbruch kontrolliert und begrenzt. Ein Musterbeispiel. Doch es wird das einzige bleiben. Dies ist der letzte Tag, an dem man glauben konnte, das Geschehen würde sich beherrschen lassen.

Noch am Abend werden neue Fälle gemeldet. Seit knapp einer Woche sind in Bayern Faschingsferien. Sie sollten unlustig enden. Reiserückkehrer aus Italien dürfen kein Blut mehr spenden. Von allgemeiner Quarantäne ist aber noch keine Rede. Südtirol wird Risikogebiet.

Freising wird der erste Corona-Hotspot

Bald zeigt sich, dass der Karneval in Köln wie ein Schweifstern Infektionen über die Republik gestreut hat. Auch ein Bayer hat sich dort infiziert und viele angesteckt. Sein Landkreis Freising wird ein Corona-Hotspot in Bayern.

Die bayerische Staatsregierung richtet am 28. Februar einen Krisenstab ein. Gesundheitsministerin Melanie Huml glaubt sich am Anfang noch gut gerüstet, ein Jahr später ist sie nicht mehr im Amt.

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