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Corona-Jahr der Nachbarländer - Berg und Tal in Benelux

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Vom Hotspot zum Vorbild - und zurück: Wie Belgien, die Niederlande und Luxemburg bisher durch die Pandemie gekommen sind und warum Skifans nun stark sein müssen.

Ein Passant mit Schutzmaske am 17.11.2020 in Brüssel
Wie sind die Benelux-Staaten bisher durch die Pandemie gekommen?
Quelle: picture alliance / AA

Wo Alleingänge in der Corona-Pandemie an Grenzen stoßen, da liegt Baarle. Plattes Land, 9.000 Einwohner - in der Summe. Denn Baarle ist eigentlich zwei Dörfer: Baarle-Hertog und Baarle-Nassau. Das eine ist belgisch, das andere niederländisch. Die Grenze läuft im Zickzack, mitten durch Häuser. Ein skurriles Relikt des Mittelalters, das kaum der Rede wert wäre, im Europa ohne Grenzen.

Baarle ist Europas Miniatur

In der Pandemie aber kehren Grenzen zurück. Regeln weichen ab, je nach Inzidenz - und Politik. Im Frühjahr strömten Belgier im Shutdown zu den Nachbarn. Gingen shoppen und essen, auch in Baarle. Gerade ist es umgekehrt, zum ersten Mal. Ein Modegeschäft meldet seinen Umzug, die Straße runter nach Belgien, wo die Zahlen gerade besser und die Läden offen sind.

Baarle ist Europa in Miniatur. Die EU-Mitgliedstaaten haben das ganze Jahr gezögert, gemeinsam zu handeln. Und damit - so die Hoffnung von Wissenschaftlern - dauerhaft die Zahlen nach unten zu drücken.

Belgien: Schattenseiten als Europas Drehkreuz

Für die Belgier kam im Frühjahr das Virus nicht nur aus Wuhan, sondern auch aus Bergamo, Ischgl, Heinsberg. Europas Drehkreuz zu sein, hat auch Schattenseiten: hohe Bevölkerungsdichte, hohe Mobilität. Die Folge war eine diffuse Verbreitung.

Die Kontaktverfolgung floppte, eine App hielt die Gesundheitsministerin nicht für nötig. Es war dieselbe Gesundheitsministerin, die zuvor einen Vorrat an Schutzkleidung einstampfen ließ.

In Relation zur Einwohnerzahl hatte Belgien die meisten Corona-Fälle in Europa. Extrem scharfe Maßnahmen zeigen Wirkung - mit Sorge schauen die Belgier auf die Regeln in Deutschland.

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Konfliktscheue Parteien auf Regierungssuche: Strenge Maßnahmen kommen zu spät

Im April wollte Donald Trump zeigen, wie gut er durch die Pandemie führe. Er nahm die Übersterblichkeit in Belgien zum Vergleich. Der Vergleich war schief - und schmerzhaft: Belgien ganz oben, die USA ganz unten. Auch wenn die Behörden jeden Verdacht zählten: In Belgien starben von Januar bis Dezember deutlich mehr Menschen als sonst: 13.657.

In der Zahl stecken auch die Opfer der zweiten Welle. Die schoss nach oben, während Belgiens Parteien eine Regierung suchten - und Streit mit den regelmüden Wählern mieden. Die alte Regierung lockerte Regeln, als die Corona-Zahlen schon stiegen. Der Kurs der neuen Regierung kam zu spät: Lüttich war das neue Bergamo - erst dann wirkte auch hier der Shutdown.

Massentests in Luxemburg

Luxemburg sah sich als Vorbild, leistete sich eine teure Teststrategie, bat die ganze Bevölkerung alle fünf Wochen zum Abstrich. Sogar im Klärwasser spürte man dem Virus nach. Das Resultat war Big Data, ein Schatz für die Forschung.

Das erste Ergebnis war: Wer viel testet, sieht viel. Eine Spätsommer-Welle konnte das Land schnell erkennen und stoppen. "Das war ein Erfolg", muss Christophe Hansen, EU-Abgeordneter aus Luxemburg, zugeben.

Seitdem seien die Maßnahmen von Luxemburgs Premier Xavier Bettel aber widersprüchlich gewesen: Treibjagden an frischer Luft verboten, der Blackfriday mit vollen Einkaufszentren erlaubt. Bettel drehte erst kurz vor Weihnachten bei: Er ließ die Geschäfte schließen und zog die Ausgangssperre vor.

Unsere Korrespondenten berichten aus Polen, Luxemburg und den USA, wie sich die Lage des Landes in der Corona-Krise entwickelt hat.

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Niederlande: Selbstbestimmung statt Maskenpflicht, dann der Shutdown

Maßnahmen und Mentalität müssen passen, das zeigen die Niederlande. Das Selbstverständnis hier: Mündige Bürger passen auf sich und andere auf, brauchen keine Maskenpflicht. Von außen betrachtet wirkte dieser "intelligente Shutdown" ziemlich entspannt. Auch wenn schon in der ersten Welle Patienten aus den Niederlanden nach Deutschland verlegt werden mussten.

Die Grenzen des Konzepts zeigt dagegen ein kurzes Interview, das im Oktober im Netz stand: Da sagte ein Mann, offensichtlich kein Freund der "Mondkapjes", wie die Niederländer den Mund-Nasen-Schutz nennen:

"Ich finde es gut, dass wir in den Niederlanden selbst entscheiden können, was wir machen. Wissen Sie, wir sind clevere Leute." Und auf den Einwand, man habe aber eine der höchsten Infektionsraten, murmelte er: "Ich weiß, ich weiß."

Aber das ist Geschichte. Ministerpräsident Mark Rutte ist doppelt Getriebener, musste nachziehen nach dem deutschen Shutdown - bloß keine Einkaufstouristen. Zugleich stehen Wahlen an. Und allmählich kippte die Stimmung im Land: Mehr Niederländer wollten härtere Maßnahmen. Seit einer guten Woche gilt ein Shutdown. Bis 18. Januar müssen alle Geschäfte geschlossen bleiben - außer die für den täglichen Bedarf.

Europa bekommt die Corona-Pandemie noch immer nicht in den Griff. Dafür gibt es mehrere Gründe, beispielsweise die hohe Bevölkerungsdichte und das hohe Durchschnittsalter.

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Skiverbot in Belgien

In Baarle lässt sich das leicht umgehen - mit einem Gang über die Straße dorthin, wo die Geschäfte noch offen sind. Viel mehr ist aber auch in Belgien nicht möglich, nicht mal Skifahren. Weil es die Alpen-Länder zur Schließung aufforderte, ist Belgien konsequent. Skigebiete dürfen auch über Neujahr nicht öffnen. Es trifft einen Wirtschaftszweig mit einer Gesamt-Pistenlänge von fünf Kilometern.

Eine neue und zu 70 Prozent ansteckendere Variante des Corona-Virus ist Grund für die seit heute in mehreren EU-Staaten geltenden Landeverbote für Flüge aus Großbritannien. Dies gilt zunächst bis zum 31. Dezember.

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Aktuelles zur Coronavirus-Krise

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