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Biontech/Pfizer-Impfstoff : Impf-Nebenwirkungen: Was bislang bekannt ist

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In Deutschland haben die Corona-Impfungen mit dem Biontech/Pfizer-Mittel begonnen. Was ist über die Nebenwirkungen bekannt? Ein Überblick.

Der Impfstart in Deutschland weckt die Hoffnung, die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen. Zugleich haben viele Angst vor möglichen Nebenwirkungen. Eine Umfrage von YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa ergab Ende Dezember, dass eine deutliche Mehrheit von 57 Prozent Sorgen davor hat.

In den Tests des nun verwendeten Impfstoffs von Biontech/Pfizer gab es nur geringe Nebenwirkungen - allerdings fehlen wegen der kurzen Erprobungszeit noch längerfristige Daten zur Sicherheit des Präparats und Detailinformationen zu bestimmten Bevölkerungsgruppen, an denen der Impfstoff nicht getestet wurde - etwa Menschen über 85 Jahren.

Viele Impfexperten sehen jedoch keinen Anlass für größere Bedenken. Was bisher über die Nebenwirkungen mRNA-Impfstoffs von Biontech und Pfizer bekannt ist - wichtige Fragen und Antworten:

An wie vielen Menschen wurde der Impfstoff getestet?

Der Impfstoff von Biontech und Pfizer wurde von Ende Juli bis Mitte November in einer Studie mit insgesamt 44.820 Probanden untersucht. Die Ergebnisse wurden im "New England Journal of Medicine" veröffentlicht.

Etwa die Hälfte der Testpersonen bekam zweimal den Impfstoff verabreicht, die andere Hälfte stattdessen ein wirkungsloses Placebo. Die Teilnehmer waren mindestens 16 Jahre alt, rund 42 Prozent von ihnen waren älter als 55 Jahre.

Welche Nebenwirkungen traten bei Probanden auf?

Die Auswertung der Studie zum Biontech/Pfizer-Impfstoff zeigt, dass etwa vorübergehende Schmerzen an der Impfstelle, Kopfschmerzen oder Müdigkeit vorkommen können.

  • Schmerzen an der Einstichstelle: Je nach Altersgruppe und ob es sich um die erste oder zweite Dosis handelte berichteten 66 bis 83 Prozent der Probanden von solchen Schmerzen. Bei fünf bis sieben Prozent zeigten sich an der Einstichstelle Rötungen oder Schwellungen.
  • Müdigkeit (34 bis 59 Prozent)
  • Kopfschmerzen (25 bis 52 Prozent)
  • Schüttelfrost (6 bis 35 Prozent)
  • Durchfall (8 bis 12 Prozent)
  • Muskelschmerzen (14 bis 37 Prozent)
  • Gliederschmerzen (9 bis 22 Prozent)
  • Fieber: Dies trat besonders bei der zweiten Impfdosis auf (11 Prozent der Älteren und 16 Prozent der Jüngeren).

Die Nebenwirkungen waren der Studie zufolge im Allgemeinen schwach bis mäßig und klangen nach kurzer Zeit wieder ab.

Bei den Tests stellte sich heraus, dass Über-50-Jährige den Impfstoff als verträglicher empfanden und weniger Nebenwirkungen beklagten als jüngere Probanden. Grundsätzlich traten Begleiterscheinungen öfter bei der zweiten Impfdosis auf. 64 Geimpfte berichteten über geschwollene Lymphknoten.

Der Chef der Arzneimittel-Kommission, Wolf-Dieter Ludwig, zeigte sich im ZDF allerdings unzufrieden mit der Studienlage. Es gebe noch viele offene Fragen, etwa bei der Gruppe der Über-80-Jährigen:

Können schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten?

Der Studie zufolge traten unter den mehr als 20.000 Studienteilnehmern nur vereinzelt schwerwiegendere "unerwünschte Ereignisse" auf. Je eine Person meldete eine Schulterverletzung, Herzrhythmusstörungen sowie Taubheitsgefühle (Parästhesie) im Bein.

In Großbritannien, wo bereits mehr als 140.000 Menschen den Biontech/Pfizer-Impfstoff regulär erhielten, zeigten einige wenige Geimpfte größere allergische Reaktionen. Die Behörden riefen daraufhin Menschen mit einer "signifikanten" Allergiegeschichte auf, sich vorerst nicht impfen zu lassen. Auch in den USA geht die Arzneimittelbehörde FDA einigen Allergie-Verdachtsfällen nach.

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Leif Erik Sander, Infektiologe an der Berliner Charité, sagt, bei den Fällen in Großbritannien handele es sich um Personen mit einer Geschichte von schwersten, lebensbedrohlichen Allergien, die ständig ein Notfallset mit sich tragen. Solche Menschen hätten bei jeder Impfung ein starkes Risiko und hätten nicht an den Impfstofftests teilgenommen.

Wurden Allergiker und Menschen mit Vorerkrankungen einbezogen?

Beide Gruppen haben an der Zulassungsstudie teilgenommen. Bei Menschen mit Allergien seien die Nebenwirkungen nicht erhöht gewesen, sagt der Infektiologe Leif Erik Sander. "Ich glaube daher nicht, dass wir ein generelles Problem haben."

Auch bei den Probanden mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Rheuma, Herzinsuffizienz oder Nierenerkrankungen wurde nicht über andere oder stärkere Nebenwirkungen berichtet.

Allerdings weist Ulrike Haug vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie im ZDF darauf hin, dass die Studie, obwohl sie sehr groß war, für bestimmte Personengruppen, etwa Rheumatiker, zu klein war. Dennoch sieht sie zum jetzigen Zeitpunkt keinen Grund für größere Bedenken.

Wie sind die Nebenwirkungen zu bewerten?

Die aufgetretenen Nebenwirkungen seien bei Impfungen üblich, sagt Stefan Kaufmann, emeritierter Direktor am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie: "Ganz ohne geht es nicht." Eine vorübergehende Entzündungsreaktion sei erstmal nichts Negatives. Der Körper müsse schließlich irgendwie merken, wo er mit seiner Immunantwort hinsolle.

Im Vergleich zu vielen etablierten Impfstoffen sei der Biontech/Pfizer-Impfstoff allerdings "reaktogener", sagt der Christian Bogdan, Direktor des Instituts für Klinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene an der Uniklinik Erlangen. Die Nebenwirkungen treten also häufiger auf als etwa bei Grippe-, Tetanus- oder Diphtherieimpfungen. Impfexperten vergleichen die Reaktionen mit denen nach einer Gürtelrose-Impfung. Infektionsbiologe Kaufmann sieht aber keinen Grund für stärkere Bedenken.

Kann es längerfristige Nebenwirkungen geben?

Da es den Impfstoff noch nicht lange gibt, liegen auch noch keine Erkenntnisse darüber vor, ob und welche Nebenwirkungen möglicherweise nach einem längeren Zeitraum auftreten könnten.

Die Verträglichkeit wird aber auch nach der Zulassung weiter überprüft. In Deutschland sollen geimpfte Menschen unter anderem mögliche Nebenwirkungen per App melden können. Nach dem Impfstart sei es sehr wichtig, auftretende Nebenwirkungen und auch die Langzeitwirkungen zu registrieren und frühzeitig darüber zu informieren, sagte der Chef der Arzneimittelkommission, Ludwig, im ZDF.

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Wie lassen sich die Nebenwirkungen erklären?

Bei dem Präparat von Biontech/Pfizer handelt es sich - wie bei Moderna - um mRNA-Impfstoffe. Sie enthalten genetische Informationen des Erregers, aus denen Körperzellen ein Virusprotein herstellen. Ziel der Impfung ist es, den Körper zur Bildung von Antikörpern gegen dieses Protein anzuregen, um dann bei einer späteren Infektion die Viren frühzeitig bekämpfen zu können.

Damit die mRNA überhaupt erst ins Innere der Zellen gelangen kann, ist sie mit einer Hülle von Lipid-Nanopartikeln umgeben. Sie sind - grob gesagt - winzige Fettmoleküle, die als Fremdkörper in den zu großen Teilen aus Wasser bestehenden Körper kommen. Geimpfte bekommen das womöglich in Form einer zeitlich begrenzten Entzündungsreaktion zu spüren.

Teil der Hülle bei den Impfstoffen von Moderna und Pfizer/Biontech sind laut Olivia Merkel vom Fachbereich Pharmazeutische Technologie an der Universität München sogenannte Polyethylenglykole (PEG). Der Körper kann Antikörper dagegen bilden. Denkbar sei, dass die Immunantwort gegen die PEG zu allergischen Reaktionen nach der zweiten Impfdosis führe. Das könne sich etwa in einem vorübergehenden Ausschlag äußern. Sehr sensitive Patienten würden aber auch auf PEG in Kosmetika oder Lebensmitteln reagieren. Langfristige Folgen seien durch die PEG nicht zu erwarten.

Manche behaupten, der mRNA-Impfstoff verändere die Gene - stimmt das?

Das ist falsch. Das mRNA-Molekül wird von den Körperzellen komplett zerlegt. Die Impfung ist nicht in der Lage, in das menschliche Erbgut einzugreifen. "Eine Integration von RNA in DNA ist unter anderem aufgrund der unterschiedlichen chemischen Struktur nicht möglich", heißt es vom Paul-Ehrlich-Institut. Das Bundesgesundheitsministerium hat auch keinen Hinweis darauf, dass mRNA womöglich in DNA umgeschrieben wird.

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