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Auffrischungsimpfungen - Ärzte warnen vor Booster-Verteilungskampf

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Hausärzte und Patientenschützer warnen vor einem Verteilungskampf bei den Booster-Impfungen und fordern eine Vorrangprüfung. Die Bundesärztekammer will einen klaren Impf-Fahrplan.

Eine Warteschlange hat sich vor einer Impfstelle in Bremen gebildet.
Hausärzte befürchten einen "Impfansturm" auf Praxen.
Quelle: Sina Schuldt/dpa

Die Deutschen Hausärzte warnen vor einem Verteilungskampf bei den Auffrischungsimpfungen. Beim Wunsch nach einer raschen Auffrischung sei zu berücksichtigen, "dass dies möglicherweise zu Lasten von vulnerablen Patienten erfolgen würde", sagt der Vorsitzende des Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, den Funke Medien.

Bei weniger gefährdeten jüngeren, gesunden Menschen ist es nach den bisherigen medizinischen Erkenntnissen nicht erforderlich, (...) nach sechs Monaten eine Booster-Impfung durchzuführen.
Ulrich Weigeldt, Hausärzteverband

Der Schutz insbesondere vor schweren Verläufen bestehe auch darüber hinaus. Zudem hätten viel zu viele Menschen noch nicht einmal die Erstimpfung erhalten.

Spahn: 6 Monate nicht tagesgenau einhalten

Unterdessen empfiehlt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Hausärzten, Booster-Impfungen für alle Erwachsenen rasch durchzuführen.

In einem Brief von Spahn und dem Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, heißt es an alle Vetragsärzte in Deutschland gerichtet:

Der gemäß Zulassung vorgesehene Abstand von sechs Monaten zur vollständigen Immunisierung bei Personen ab 18 Jahren ist als zeitliche Richtschnur zu verstehen, der natürlich nicht tagesgenau einzuhalten ist.

Die Ärzte könnten daher "jede Patientin und jeden Patienten ab 18 Jahren, auch wenn sie nicht zu den Risikogruppen gemäß der aktuellen Stiko-Empfehlung wie ältere Personen, Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen sowie medizinisches und pflegerisches Personal gehören, zeitnah und auch vor Ablauf der sechs Monate im eigenen Ermessen impfen", heißt es in dem Schreiben, das ZDFheute vorliegt.

Außerdem habe das Bundesministerium dafür Sorge zu tragen, "dass ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, um allen ein Impfangebot machen zu können, die sich eine Auffrischimpfung entsprechend dieser Leitlinie wünschen".

Weigeldt: Keine effektive Planung

Weigeldt übte scharfe Kritik an der Vorbereitung der Auffrischungsimpfungen. Der Start der Booster-Impfungen für alle Altersgruppen sei verkündet worden, ohne dass klar sei, wie die Auffrischungsimpfungen effektiv organisiert werden könnten. "Das müssen die Hausarztpraxen jetzt ausbaden", so Weigeldt.

Mit Auffrisch-Impfungen die vierte Welle brechen? Während die Politik über die Umsetzung der Booster-Impfung noch streitet, hat der Ansturm auf die Hausarztpraxen bereits begonnen.

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Patientenschützer: Vorrangprüfung

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, forderte bei den Booster-Impfungen eine Vorrangprüfung für bestimmte Bevölkerungsgruppen wie Hochbetagte und Menschen mit Vorerkrankung ähnlich wie zu Beginn der Impfkampagne.

Eine Priorisierung nach Alter, Krankheit sowie Berufsgruppe muss erneut in Betracht gezogen werden. Den Funke-Zeitungen sagte er:

Eine Priorisierung nach Alter, Krankheit sowie Berufsgruppe muss erneut in Betracht gezogen werden.
Eugen Brysch, Stiftung Patientenschutz

Brysch: "Naivität" der Gesundheitsminister

Brysch warf der Politik Versagen im Pandemie-Management vor. "Die vierte Welle treibt die Regierungschefs vor sich her. Er betonte, "die Naivität aller Gesundheitsminister" zeige sich darin, dass noch im Juni "mit dem Erreichen der Herdenimmunität bis Ende September gerechnet wurde".

Brysch kritisierte, derzeit würden Impfzentren nicht hochgefahren, Arztpraxen könnten den "Impfansturm" nicht bewältigten, zudem funktionierten kurzfristige Impfstofflieferungen oftmals nicht. Es sei nun "Auftrag" der Ministerpräsidentenkonferenz, für ein geordnetes Booster-Verfahren zu sorgen.

Ärztekammer: Imfangebote schaffen

Die Bundesärztekammer dringt bei Bund und Ländern auf einen klaren Fahrplan für Millionen Erst-, Zweit- und Drittimpfungen in diesem Herbst und Winter.

Vor der Ministerpräsidentenkonferenz fordert Ärztepräsident Reinhardt zur Entlastung der in der Grippesaison stark beanspruchten Praxen zusätzliche Impfangebote "durch Reaktivierung vorhandener Impfzentren, durch Schaffung von Popup-Impfstellen etwa in Wohngebieten und in Einrichtungen des öffentlichen Lebens".

Reinhardt: Zentrale Terminvergabe für Booster-Impfungen

Weitere Möglichkeiten seien Impfstellen an ausgewählten Krankenhausstandorten sowie durch Impfmobile insbesondere für den ländlichen Raum. Die Kommunen sollten zudem zentrale Terminvergabestellen für Auffrischimpfungen einrichten und insbesondere vulnerable Gruppen per Brief zur Booster-Impfung einladen.

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