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Behandlung von Covid-19 - Asthma-Spray als "Game-Changer" gegen Corona?

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Ein Asthma-Spray könnte den Durchbruch bei der Behandlung von Covid-19 bedeuten. Das lässt eine britische Studie vermuten. Experten sehen die Ergebnisse aber kritisch.

Mediziner versuchen, mit Medikamenten schwere Covid-19 Verläufen zu reduzieren. Eine Studie aus England sorgt nun für Aufsehen: Asthmasprays haben einen positiven Effekt gezeigt.

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Wenn man dem SPD-Gesundheitsexperten und Mediziner Karl Lauterbach glaubt, könnte es ein "Game Changer" in der Behandlung von Covid-19 sein: das Asthma-Mittel Budesonid. Auf Twitter teilte Lauterbach eine Studie, die Forschende der britischen Universität Oxford gerade in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht haben - und die sich wie ein Durchbruch bei der Behandlung von Covid-Patient*innen liest.

Denn sollten sich die Annahmen der Studie bewahrheiten, stünde mit Budesonid eine "einfache, sichere, gut untersuchte, kostengünstige und weithin verfügbare Behandlung" gegen die durch das Coronavirus verursachte Erkrankung zur Verfügung.

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Was haben die Forschenden aus Oxford untersucht?

Die Studie geht einer Beobachtung nach, die unter anderem in China, Italien und den USA gemacht wurde: Unter Patient*innen, die wegen Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden, befanden sich nur selten Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen. Dies führt zur Annahme, dass der in dieser Gruppe verbreitete Einsatz von sogenannten "inhalativen Glukokortikoiden" - etwa in Form von Asthma-Sprays - verantwortlich für den Befund war. Die britischen Forschenden haben untersucht, ob die Verabreichung eines Budesonid-Sprays Covid-19-Erkrankten mit milden Symptomen in einem frühen Krankheitsstadium helfen kann.

In Deutschland habe man sich zu stark nur auf die Impfstoffentwicklung fokussiert. Aber auch die Medikamentenentwicklung gegen Corona müsse Chefsache werden, fordern Experten.

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Was ist Budesonid?

Budesonid ist ein Arzneistoff, der zur Wirkstoffgruppe der sogenannten Glukokortikoide gehört - auch als Kortikoide oder Kortison bezeichnet. "Es wird Patienten mit Lungenerkrankungen, zum Beispiel Asthma und COPD, und auch bei Rhinitis verabreicht", erklärt Stefan Kluge, Intensivmediziner und Pneumologe am Uni-Klinikum Hamburg-Eppendorf ZDFheute.

Was bewirkt Budesonid bei der Behandlung von Covid-19?

Bei Covid-19-Patient*innen, die im Schnitt sieben Tage lang mit Budesonid behandelt wurden, beobachtete die Uni Oxford Folgendes:

  • Bei ihnen verkürzte sich die Dauer der Behandlung im Vergleich zu jenen Covid-19-Erkrankten mit der üblichen Behandlung ohne Budesonid.
  • Sie litten im Schnitt weniger Tage unter Fieber als die Vergleichsgruppe.
  • Sie hatten nach zwei Wochen seltener anhaltende Symptome als die Vergleichsgruppe.
  • Sie waren für eine kürzere Zeit auf fiebersenkende Medikamente angewiesen.                

Das Fazit der Forschenden: Der frühzeitige Einsatz eines Budesonid-Inhalators könnte die Wahrscheinlichkeit verringern, dass eine dringende medizinische Versorgung erforderlich ist, und die Zeit bis zur Genesung verkürzen.

Wir haben gezeigt, dass das inhalative Glukokortikoid Budesonid, das für eine kurze Dauer gegeben wird, eine wirksame Behandlung in einem frühen Stadium von Covid-19 bei Erwachsenen sein könnte.
Oxford-Studie zu Budesonid

Die Infektionszahlen steigen kontinuierlich. Das macht sich auch in den Kliniken bemerkbar. Mediziner warnen von einer Überlastung der Intensivstationen.

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Welche Nebenwirkungen hat Budesonid?

Nur sieben Prozent der damit behandelten Covid-19-Erkrankten hätten der Oxford-Studie zufolge über unerwünschte Nebenwirkungen geklagt. Auch Kluge erklärt, dass es eigentlich kaum Covid-Patient*innen gebe, denen man das Mittel nicht verschreiben könnte - mit Ausnahme von Menschen mit schweren Entzündungen im Mund-Rachenraum.

Da das Cortisonpräparat nur inhalativ und wenige Tage angewendet wird, sind die Nebenwirkungen überschaubar.
Stefan Kluge, Intensivmediziner und Pneumologe

Welche Bedeutung könnte Budesonid für Long Covid haben?

Die Forschenden beobachteten, dass diejenigen, denen das Mittel verabreicht wurde, seltener an langwierigen Symptomen litten als Erkrankte, die konventionell behandelt wurden. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Behandlung mit einem inhalativen Glukokortikoid die Rate der hartnäckigen Langzeitsymptome bei Covid-19 (Long Covid) beeinflussen könnte", heißt es in der Studie. Hier wünschen sich die Forschenden noch mehr Untersuchungen.

Sie befindet sich im Dauereinsatz gegen Covid-19 und hat schon 900 Patienten behandelt.

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Wie ist die Studie zu bewerten?

Stefan Kluge bezeichnet die Studienergebnisse zwar als interessant, "insbesondere da wir wissen, dass Kortison bei den Patienten mit schwerem Lungenversagen die Sterblichkeit senkt." Allerdings sei die Studie zu klein angelegt.

Insofern müssen größere Studien durchgeführt werden, um diese Ergebnisse zu bestätigen, bevor man diese inhalative Kortison-Therapie empfehlen kann.
Stefan Kluge, Intensivmediziner und Pneumologe

Auch Klaus Friedrich Rabe, Leiter der LungenClinic in Großhansdorf, sieht die Studie kritisch. Ein Problem sei vor allem, dass es keine Vergleichsgruppe gegeben habe, die ein Placebo bekommen hätte. Zudem sei die Tatsache, dass die Studie von Astrazeneca gesponsort wurde, "zumindest erwähnenswert". So stammte der verwendete Budesonid-Inhalator von dem schwedisch-britischen Pharmaunternehmen.

"Dieser Artikel schreit nach einem größeren Studien-Design und kann eigentlich nur als Startpunkt für weitere Studien gelesen werden", sagt Rabe ZDFheute. Das Ergebnis der Wissenschaftler sei so vage formuliert, dass es sich "um die kleinst mögliche Währung" handele.

Sein Fazit: Solche Studien hätten es in Zeiten vor Corona wohl nicht in so ein renommiertes Journal wie "The Lancet" geschafft.

Man sieht in der aktuellen Situation einfach, dass das Bedürfnis nach positiven Nachrichten so hoch ist, dass solche Studien es einfacher in Top-Journals schaffen.
Klaus Friedrich Rabe, Pneumologe

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