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Corona in Südamerika - Chile: Hohe Impfrate - hohe Infektionszahlen

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In Chile steigen trotz schneller und erfolgreicher Impfkampagne die Infektionszahlen wieder an. Woran liegt das?

Menschen warten vor einem mobilen Impfzentrum, um eine Dosis des CoronaVac-Impfstoffs von Sinovac gegen die Coronavirus-Krankheit (COVID-19) in Santiago, Chile zu erhalten
Trotz hoher Impfquote steigen die Corona-Infektionszahlen in Chile. (Symbolbild)
Quelle: Reuters

Es sind Zahlen, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen: Mehr als 60 Prozent der chilenischen Bevölkerung sind bislang geimpft, fast die Hälfte hat sogar bereits den vollständigen Schutz durch zwei Impfdosen.

Trotzdem stieg die 7-Tage-Inzidenz zuletzt auf 236. Trotz einer der erfolgreichsten und schnellsten Impfkampagnen der Welt trifft die Corona-Pandemie Chile wieder mit voller Wucht. Am Freitag meldeten die Behörden 218 Tote. Umgerechnet auf die Bevölkerungszahl liegt das Land damit auf einem ähnlich hohen Niveau wie Brasilien.

Expertin: Todeszahlen in Chile gehen zurück

Trotzdem sei der Fall Chile durchaus ein positives Beispiel, sagt Carissa Etienne, Direktorin der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (OPS), auf Anfrage von ZDFheute. Die Einlieferungen und die Todeszahlen seien dort drastisch zurückgegangen, wo die Impfrate hoch sei. Das Beispiel Chile zeige, dass die schlimmsten Effekte einer Covid-Erkrankung verhindert werden könnten.

Tatsächlich starben während der ersten Corona-Welle deutlich mehr Menschen an einer Covid-Infektion als während der aktuellen Welle. Impfungen seien allerdings nur ein Mittel, um die Pandemie zu bekämpfen: "Die Menschen brauchen die Unterstützung der Behörden, um sich und den Infizierten zu schützen, andere anzustecken."

Mediziner: Impfkampagne in Chile führt zu Nachlässigkeit

In Chile habe die erfolgreiche Kampagne auch zu einem Effekt der Nachlässigkeit in der Bevölkerung geführt. Die erfolgreiche Impfkampagne habe den Eindruck vermittelt, dass die Pandemie schon im Griff sei, sagt der chilenische Mediziner Bernado Martorell von der Universität Andres Bello aus Santiago im Gespräch mit ZDFheute: "Es gibt einige Beispiele von Maßnahmen, die zur Verwirrung innerhalb der Bevölkerung geführt haben."

Urlaub im Sommer, der gemeinsame Kaffee, die Forderung der Wirtschaft, wieder zu öffnen, das Feiern der Impfkampagne - das alles habe dazu geführt, dass die Disziplin bei der Einhaltung der Hygienemaßnahmen nachgelassen habe, so Martorell.

In den meisten afrikanischen Ländern ist noch gar nicht geimpft worden, in Südamerika sind die ärmeren Länder ebenfalls die Verlierer, in Indien dagegen ist die Impfquote relativ hoch.

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Eine Einschätzung, die andere chilenische Experten teilen. Es habe in Chile keine klare Strategie mit eindeutigen Kriterien gegeben, wird Mediziner Joan Carles March von der "Escuela Andaluza de Salud Pública" in örtlichen Medien zitiert. Die Regierung habe sich für Flexibilisierungen ausgesprochen, ohne zu wissen, wohin die Reise gehe. Das alles habe zum Eindruck geführt, die Pandemie sei schon überwunden. Corona hatte eine Zeit lang seinen Schrecken verloren.

Chilenischer Winter ein Faktor

Chile liegt auf der Südhalbkugel. Die letzten Wochen des Herbstes waren bereits sehr kalt und der Winter beginnt erst jetzt. Bereits im vergangenen Jahr zur gleichen Zeit erreichte die Infektionswelle einen Höchststand. Traditionell nehmen zu dieser Jahreszeit ähnliche Erkrankungen zu. Zudem führt die Kälte dazu, dass sich die Menschen wieder vermehrt in geschlossenen Räumen aufhalten. Und dort ist die Infektionsgefahr bekanntlich deutlich höher als im Freien.

OPS-Direktorin Carissa Etienne rät deshalb weiterhin, alle Mittel einzusetzen:

Um diese Pandemie zu beenden, müssen wir die uns zur Verfügung stehenden Werkzeuge nutzen.
Carissa Etienne

"Der effizienteste Weg, um die Zahl der Fälle zu reduzieren und gleichzeitig über genügend Impfstoffe für alle zu verfügen, besteht darin, bei hoher Ansteckung strikte Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit anzuwenden."

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