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Coronavirus : Chinesisches Neujahr als Superspread-Event?

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Zum ersten Mal seit der Corona-Pandemie reisen Millionen Menschen in China zu ihren Verwandten. Nach den Ausbrüchen in den Städten befürchten Mediziner weitere Infektionswellen.

In diesem Jahr fällt das chinesische Neujahr auf den 22. Januar. Hauptreisezeit im Reich der Mitte – auch für das Corona-Virus, nach dem Ende von Pekings Null-Covid-Politik.

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Lidan Wang hat einen großen Koffer gepackt und umkurvt die vielen anderen Reisenden, die am Pekinger Südbahnhof zu ihren Zügen eilen. "Es ist das erste Mal seit drei Jahren, dass ich heim zu meiner Familie fahren kann", erzählt die Friseurin strahlend. Sie macht sich auf den Weg in die Provinz Heilongjiang im Nordosten Chinas. Nach unzähligen Corona-Quarantänen sei sie jetzt "entspannt". Sie habe keine Angst vor einer erneuten Infektion.

Ähnlich sieht es der 30-jährige Wanderarbeiter Zhiguang Jiang: "Früher habe ich mir Sorgen gemacht", erzählt er. "Aber jetzt ist es nicht mehr so schlimm, wenn man sich ansteckt. Man ist dann nur ein, zwei Tage krank."

Nach fast drei Jahren hat China die Grenzen wieder geöffnet, für Einreisende gibt es keine Quarantänepflicht mehr. Viele Familien sehen sich nach Monaten der Trennung wieder.

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Staatsmedien sprechen von "Corona-Erkältung"

Es sind die Worte der chinesischen Propaganda: In den staatlichen Medien wird in diesen Tagen nur noch von einer "Corona-Erkältung" gesprochen. Die Nationale Gesundheitskommission verkündete unlängst, sie gehe nicht davon aus, dass es rund um das chinesische Neujahr zu einer größeren Infektionswelle kommen werde. Der Höhepunkt der Ansteckungen mit dem Coronavirus sei in den großen Städten bereits im Dezember gewesen.

Internationale Experten kommen zu einer anderen Einschätzung. Prof. Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie der Universitätsmedizin Essen und langjähriger Co-Direktor des Labors in Wuhan, befürchtet, dass die Millionen Reisenden in China die Viruswelle von den großen Städten in die ländlichen Regionen tragen werden.

Getrübte Festtagsstimmung in China

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Schlechte Gesundheitsversorgung auf dem Land

Traditionell fahren mehrere Hundert Millionen Menschen zum Neujahrsfest (22.01.) und den anschließenden landesweiten Feiertagen zu ihren Verwandten. Für viele hatte dieser familiäre Höhepunkt des Jahres seit 2020 wegen Lockdowns und Quarantänen ausfallen müssen.

Hauptproblem auf dem Land: Die Gesundheitsversorgung ist sehr schlecht. Hausarztpraxen wie in Deutschland gibt es in China nicht. Covid-Tests finden praktisch gar nicht statt und in den Kliniken steht für schwere medizinische Verläufe kaum bis gar keine ausreichende intensivmedizinische Versorgung zur Verfügung. "Wir werden sicherlich viele dramatische Verläufe sehen", prognostiziert Dittmer.

Wir werden sehr viele Todesfälle zu Hause erleben, wo Menschen in ihren vier Wänden, ohne versorgt zu werden, sterben.
Ulf Dittmer, Virologe

Das Problem mit Chinas Impfstrategie

Anders als in Deutschland hat China erst die junge, fitte Bevölkerung geimpft. Bis heute sind laut Staatsmedien 25 Millionen Menschen überhaupt nicht geimpft, ein Viertel der Über-60-Jährigen nur einmal. Bei den Über-80-Jährigen sind es fast zwei Drittel, die nicht geboostert sind.

Hinzu komme, erläutert Prof. Dittmer, dass die verabreichten chinesischen Impfstoffe gerade einmal zu 40 bis 60 Prozent vor einer schweren Erkrankung schützten. Westliche Vakzine haben dagegen einen Wirkungsgrad von 80 bis 90 Prozent. Bei vielen Chinesinnen und Chinesen liegt die Impfung außerdem lange zurück.

Das Virus trifft nun auf eine weitgehend ungeschützte Bevölkerung. Die vorherrschende Omikron-Variante ist in ihrer Verbreitung auch noch radikaler als bisherige Virusmutationen: Mehrere Studien zeigen, dass diese Variante, wenn sie auf Ungeimpfte trifft, schwere Verläufe verursachen kann und eine ganz schlechte Immunität vermittelt, erläutert Dittmer. "Das heißt, man ist dann kaum geschützt gegen weitere Infektionen, gegen eine zweite oder sogar dritte Infektion."

Millionen Chinesen freuen sich darauf, endlich wieder Urlaub zu machen. Besonders die thailändische Tourismusbranche ist nach Corona auf die zahlreichen Reisenden angewiesen.

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Sorge reist in China mit

Während auch in Peking überall auf den Straßen rote Lampions aufgehängt werden, unzählige Hasen-Statuen und -Figuren auf den letzten Drücker blitzeblank poliert werden, bleibt bei vielen internationalen Beobachtern die Befürchtung, dass das Virus zu den Familienfeiern mitreist.

In der Nacht zum Sonntag wird nach dem traditionellen Mondkalender in China dann das "Jahr des Hasen" begrüßt. Chinesische Wahrsager erwarten ein Jahr mit "Harmonie und Konfliktlösung". Viele hoffen, dass die Pandemie trotz Rekord-Viruswelle irgendwie überwunden werden kann.

Elisabeth Schmidt ist ZDF-Ostasienkorrespondentin im Studio Peking.

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise

Corona-Test und Neuinfektionskurve in Deutschland
Grafiken

Wichtige Zahlen zum Coronavirus - Wie viele sich infizieren und sterben 

Wie viele Neuinfektionen gibt es in Deutschland? Wie hoch ist die Inzidenz? Wie ist die Lage auf den Intensivstationen? Die aktuellen Corona-Zahlen und Grafiken.

von R. Meyer, M. Zajonz
Eine Frau ohne Maske steigt hinter einem Aufkleber mit der Aufschrift «Maskenpflicht» aus einem Bus aus.

Nachrichten | heute - Das Ende der Maskenpflicht im ÖPNV 

Mit dem heutigen Tag endet die Maskenpflicht im Fern- oder Nahverkehr. Lediglich in medizinischen Einrichtungen und Pflegeheimen ist das Tragen einer Maske weiterhin verpflichtend.

02.02.2023
von Susana Santina
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