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Corona-Risiko im Freien - Wie Delta die Ansteckungsgefahr verändert

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Die Delta-Variante ist deutlich ansteckender als vorherige Corona-Varianten. Die US-Gesundheitsbehörde vergleicht Delta mit Windpocken. Was bedeutet das für die Ansteckungsgefahr?

Menschen gehen durch eine Fußgängerzone in der Innenstadt von Lüneburg am 26.07.2021
Wie ansteckend ist die Delta-Variante des Coronavirus?
Quelle: dpa

Draußen und im Sommer kann man sich kaum mit Corona anstecken, lautet ein vermutlich verbreiteter Glaubenssatz in der Pandemie. Die Maske oder der Abstand geraten da manchmal in Vergessenheit.

Mit der auch in Deutschland vorherrschenden Delta-Variante könnte es je nach Situation allerdings eher passieren, dass das Virus auch im Freien überspringt. "Delta ist generell ansteckender - das gilt auch, wenn man an der frischen Luft ist", sagte der Präsident der Gesellschaft für Virologie, Ralf Bartenschlager, der Deutschen Presse-Agentur.

Man konnte sich zwar auch mit früheren Varianten schon im Freien anstecken, allerdings steigt mit Delta die Wahrscheinlichkeit, dass es passiert.
Ralf Bartenschlager

Erhöhte Viruslast bei Delta-Variante

Delta-Infizierte hätten im Vergleich zur Vorgängervariante Alpha (B.1.1.7) eine vermutlich um den Faktor fünf erhöhte Viruslast. Ob es zu einer Ansteckung komme, hänge aber immer auch von vielen weiteren Faktoren ab - draußen zum Beispiel, wie eng man zusammensteht. "Es lässt sich nicht pauschal sagen, wie schnell eine Infektion geschehen kann - das kann vielleicht eine Minute dauern oder auch eine Stunde", erklärt Bartenschlager.

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Erst Mitte Juli war zum Beispiel bekannt geworden, dass sich bei einem Musikfestival in Utrecht in den Niederlanden mindestens rund 1.000 Besucher mit dem Coronavirus infiziert haben. Etwa 20.000 Menschen hatten das zweitägige Open-Air-Festival Anfang des Monats besucht. Die Organisatoren reagierten geschockt.

US-Gesundheitsbehörde hält Delta für so ansteckend wie Windpocken

Die Virusmenge in Infizierten sei bei Delta deutlich höher als bei der ursprünglichen Variante und eine Ansteckung könne leichter weitergegeben werden, heißt es auch in einer internen Präsentation der US-Gesundheitsbehörde CDC, die von der "Washington Post" veröffentlicht wurde. Die CDC hält die Delta-Variante für so ansteckend wie Windpocken.

Die Erkenntnisse der Behörde stellen dabei allerdings nicht die Wirksamkeit der Impfstoffe in Frage: Diese schützten auch bei Delta weiterhin mit hoher Wahrscheinlichkeit vor schweren Verläufen oder dem Tod. Der Schutz vor Ansteckung besteht zwar auch, scheint aber schwächer.

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Zudem kommt die CDC zu dem Schluss, dass Delta wohl gefährlicher ist als das ursprüngliche Virus und Erkrankte eher schwere Verläufe erfahren. Es müsse "anerkannt werden, dass sich der Krieg verändert hat", hieß es auf einer der Folien.

Corona: Ansteckungsgefahr in Innenräumen weiterhin größer

Der Aerosol-Experte Gerhard Scheuch geht weiterhin davon aus, dass sich Menschen insbesondere in Innenräumen anstecken. Sollte tatsächlich die Infektionsgefahr im Freien ansteigen, hieße das, dass dies für Innenräume noch stärker zutreffe.

Gerade bei Fußballspielen und auf Festivals teilten sich zudem viele Menschen bestimmte Räume, etwa auf der Anfahrt, bei der Übernachtung oder die Toiletten. So könne man durchaus annehmen, dass viele der Infektionen, die im Zusammenhang mit Open-Air-Veranstaltungen erfasst wurden, eben doch in Räumen stattgefunden haben könnten.

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Bei solchen Ausbrüchen ist also immer auch die Frage, ob die Menschen Abstände einhielten, ob sie Masken trugen und ob es zum Beispiel an bestimmten Orten zu engeren Kontakten kam, etwa beim Warten vor den Toiletten oder an anderen Stellen.

RKI ändert Einschätzung zur Ansteckungsgefahr nicht

Der US-Epidemiologe Eric Feigl-Ding zeigte sich dagegen bei Twitter zuletzt besorgt über die seiner Meinung nach vielen Hinweise auf Übertragungen im Freien. Er verwies auch auf die mutmaßlichen Ansteckungen in Indien bei religiösen Veranstaltungen, die größtenteils im Freien stattgefunden hätten.

Er warnt zudem schon länger davor, dass Delta bei flüchtigen Begegnungen übertragen werden könne. Das Robert-Koch-Institut (RKI) teilte mit, keine geänderte Einschätzung zu haben: Auf der Webseite des Instituts heißt es, Übertragungen kämen im Außenbereich insgesamt selten vor und hätten einen geringen Anteil am gesamten Geschehen.

Werde der Mindestabstand gewahrt, sei die Wahrscheinlichkeit der Übertragung im Außenbereich wegen der Luftbewegung "sehr gering". Das Einhalten des Abstands und das Vermeiden größerer Menschenansammlungen empfiehlt das RKI aber auch im Freien, damit man weniger Tröpfchen und Aerosole direkt abbekommt.

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