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Delta-Variante und Kinder : "Werden geimpft oder infizieren sich"

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Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich in Deutschland weiter aus. Wie gefährlich ist die Mutation für ungeimpfte Kinder und Jugendliche? Wissenschaftler antworten.

Über Monate gab es am Gymnasium Himmelsthür in Hildesheim keinen einzigen positiven Antigen-Schnelltest. Und dann im Juni: 13 Fälle in einer Klasse, zwei weitere in anderen Klassen. "Das kann kein Fehler sein", dachte sich Schulleiter Andreas Kruse. Das Gesundheitsamt griff durch: drei Jahrgänge in Quarantäne, Maskenpflicht in den Klassenzimmern und auf dem Schulhof, drei statt zwei wöchentliche Schnelltests, noch öfter lüften.

Natürlich ist das für eine Schule erstmal ein Schock und wir wussten am Anfang auch nicht, dass es sich um die Delta-Variante handelt.
Andreas Kruse, Schulleiter

Bei 14 Kindern ist diese Mutation des Coronavirus inzwischen bestätigt. Wie sie in die Schule kam? Unklar. Möglicherweise hatte ein Familienvater im Flieger neben einem unerkannt Infizierten gesessen, sagte eine Sprecherin der niedersächsischen Landesregierung.

Delta-Variante in Hessen und Bayern bereits verbreitet

Die Delta-Mutation wird zur dominierenden Variante in Deutschland werden, davon geht das Robert-Koch-Institut (RKI) aus. Laut RKI lag der Anteil der Delta-Variante an den Neuinfektionen Anfang Juni bei 6,2 Prozent. Inzwischen hat er sich mehr als verdoppelt und liegt bei 15,1 Prozent (Bericht vom 23. Juni 2021, bezogen auf den Zeitraum 7.-13.6.). Betrug der Anteil an den Neuinfektionen Anfang Juni noch 6,2 Prozent, meldet Hessens Gesundheitsminister bereits 20 Prozent. Und in Bayern betrage der Anteil in einigen Laboren bereits ein Viertel, so die Landesregierung (Stand 22. Juni 2021).

Prof. Dirk Brockmann, Epidemiologe an der Humboldt-Universität zu Berlin und am Robert-Koch-Institut, mahnt, in der aktuellen Diskussion Kinder und Jugendliche nicht zu vergessen:

Man muss einfach erkennen: Entweder werden sie geimpft oder sie infizieren sich.
Prof. Dirk Brockmann, Epidemiologe

Die Delta-Variante breite sich bevorzugt in den Bevölkerungsschichten aus, in denen noch nicht so viele geimpft seien, nämlich auch bei Kindern und Jugendlichen. Natürlich seien die Verläufe einer Covid-Erkrankung in dieser Altersgruppe in der Regel weniger schlimm. "Dennoch zeigen immer mehr Studien, zum Beispiel aus Großbritannien, dass ein Prozent der Kinder hospitalisiert wird, das ist keine Trivialität", erläutert Brockmann. Auch bei Kindern und Jugendlichen seien schwere Verläufe möglich. Brockmann sagt:

Ich würde meinen Kindern auf jeden Fall die Impfung nahelegen.
Prof. Dirk Brockmann, Epidemiologe

Ansteckungsrisiko in Klassenzimmern ohne Maske

Die Ständige Impfkommission empfiehlt dies derzeit allerdings nicht, da nicht ausreichend Studiendaten zu Impfungen von Kindern und Jugendlichen vorliegen. Was also tun? Aerosol-Forscher des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen haben berechnet, wie hoch die Ansteckungswahrscheinlichkeit ist, wenn sich ein mit Delta Infizierter und ein Gesunder im Abstand von anderthalb Metern ohne Mund-Nase-Bedeckung gegenübersitzen. Ein durchaus nicht unübliches Szenario im Klassenzimmer.

Ergebnis: Nach nur drei bis vier Minuten steckt sich das Gegenüber mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit an. Haben laut Forschern beide Gesprächspartner vorher einen verlässlichen Antigen-Schnelltest gemacht, liege die Ansteckungswahrscheinlichkeit nur noch bei einem Viertel Prozent.

Verlässliche Schnelltests filtern diejenigen heraus, die eine hohe Viruslast in sich tragen. Ein Restrisiko, Infizierte durch die Tests nicht zu detektieren, bleibt dennoch bestehen. Eine dritte Versuchsanordnung werteten die Göttinger Forscher aus: Beide Gesprächspartner tragen eine gut sitzende FFP2-Maske. Die Ansteckungswahrscheinlichkeit lag nur noch bei einem Tausendstel.

Präsenzunterricht bei eingehaltenen Corona-Regeln möglich

"Impfungen helfen, gegen die Delta-Variante anzukommen. Wir sollten aber auch weiterhin testen und wir sollten versuchen, Masken zu tragen, so weit es möglich ist," rät Prof. Eberhard Bodenschatz vom Max-Planck-Institut in Göttingen.

Wenn wir Glück haben, könnten wir aus meiner Sicht bei der nächsten Welle vielleicht sogar Restaurants offen lassen, wenn wir testen.
Prof. Eberhard Bodenschatz, Max-Planck-Institut

Hoffnung für Präsenzunterricht bestünde demnach auch - sofern weiter auf Corona-Maßnahmen geachtet werde. Stoff für Diskussionen, angesichts der Aufhebung der Maskenpflicht für Schulen in zahlreichen Bundesländern.

Am Hildesheimer Gymnasium haben die meisten infizierten Schülerinnen und Schüler inzwischen ihre Quarantäne absolviert. Weitere Fälle kamen nicht dazu. "Aus unserer Erfahrung mit der Delta-Variante kann ich nur bestätigen, dass die Corona-Maßnahmen, die ohnehin gelten, ihre Sinnhaftigkeit bewiesen haben," sagt Schulleiter Kruse und meint: regelmäßige Schnelltests, lüften und Maske tragen.

Maskenpflicht, wie hier in Hamburg, wirkt auch gegen Grippeviren.

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