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Simulation von Szenarien - Intensivmediziner für Shutdown bis April

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Vor dem Bund-Länder-Treffen dringen die Intensivmediziner auf einen längeren Shutdown, um Zeit für Impfungen zu gewinnen. Richtschnur für Lockerungen müsse der R-Wert sein.

Aus Sorge vor einer dritten Corona-Welle fordern Intensivmediziner einen Lockdown bis April. Ihren Berechnungen zufolge könnten durch die Ausbreitung der Mutanten die Zahl der Corona-Intensivpatienten bis Mitte Mai auf bis zu 25.000 hochschnellen.

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Am kommenden Mittwoch beraten Bund und Länder wieder über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise. Sorge bereiten derzeit vor allem die ansteckenderen Virus-Mutationen, die sich auch in Deutschland immer rascher ausbreiten.

Die Lage auf den Intensivstationen ist mit weniger als 3.000 Covid-Patienten derzeit unter Kontrolle, der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert liegt laut RKI bei 0,98 (Stand Mittwochabend) - das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 98 weitere Menschen anstecken, das Infektionsgeschehen flaut also etwas ab. Aber wie lange bleibt das so, wann können wir uns Öffnungen erlauben?

DIVI dringt auf längeren Shutdown

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv-und Notfallmedizin (DIVI) dringt auf eine Ausdehnung des Shutdowns auf den 1. April. Andernfalls werde die zu erwartende dritte Welle kaum oder gar nicht zu beherrschen sein, warnte DIVI-Präsident Gernot Marx.

DIVI-Experten haben verschiedene Szenarien für die Auslastung der Intensivstationen durch Covid-Patienten durchgespielt. Das Rechenmodell des Aachener Biomediziners Andreas Schuppert erlaubt einen Blick in die Zukunft und bezieht zwei Faktoren mit ein: die Infektionsdynamik, die sich im R-Wert ausdrückt, und wie rasch geimpft wird. Im schlimmsten Fall könnte die Zahl der Intensivpatienten auf bis zu 25.000 in die Höhe schnellen.

Szenarien zur Entwicklung der Covid-Intensivpatienten

Die DIVI-Simulationen zeigen folgendes:

  • Gelingt es, den R-Wert auf 1 (1,35 für die britische Mutante B1.1.7) zu halten, und würde man ab dem 7. März die Corona-Beschränkungen lockern - in Kombination mit im Schnitt 230.000 Impfungen am Tag - würde die Zahl der Covid-Patienten auf etwa 4.000 steigen. Laut DIVI wäre das noch "machbar".
  • Bei einem R-Wert von 1,2 (1,55 für die Mutante B1.1.7) und Lockerungen ab dem 7. März allerdings würde die Lage auf den Intensivstationen außer Kontrolle geraten - in kürzester Zeit wären bis zu 25.000 Covid-Patienten auf den Stationen, so die Prognose. Auch wenn die Impfungen auf 350.000 pro Tag erhöht würden, wären es immer noch etwa 12.000.
  • Eine spätere Lockerung der Corona-Maßnahmen - statt ab 7. März ab April - ginge mit einem vergleichsweise leichten Anstieg von Intensivpatienten einher - die Experten rechnen selbst im ungünstigsten Szenario mit bis zu 6.000 Corona-Patienten auf den Intensivstationen.
  • Eine deutlich beschleunigte Impfstrategie - statt der im Modell angenommenen 230.000 etwa 350.000 Impfungen am Tag - würde die Intensivstationen in jedem Fall weiter entlasten.

Die Corona-Maßnahmen gelten zunächst bis zum 7. März. Die Politik stellt vorsichtige Schritte Richtung Lockerungen in Aussicht, andere warnen vor den Folgen vorschnellen Öffnens.

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DIVI: R-Wert-gesteuerte Öffnungsstrategie

Auf der Basis der Prognose-Modelle schlägt DIVI-Präsident Gernot Marx eine "R-Wert-gesteuerte Öffnungsstrategie" vor. Sehr wichtig hierbei sei, dass der R-Wert - bezogen auf das nicht-mutierte Virus - nicht über 1,2 steigt. Um dies zu ermöglichen, müssten die derzeitigen Beschränkungen bis zum 1. April verlängert werden, so Marx.

Es gehe darum, Zeit zu gewinnen, um alle Risikogruppen, bei denen schwere Corona-Verläufe zu erwarten sind, zu impfen. Ab dem 1. April könnte die Pandemie mit einer geeigneten Impfstrategie erfolgreich eingedämmt werden. Dafür müssten sich 80 Prozent impfen lassen. Mit allen verfügbaren Impfstoffen - also auch mit Astrazeneca, ergänzte Marx in Anspielung auf die Akzeptanzprobleme des Präparats in Deutschland.

Intensivmediziner: Durchhalten lohnt sich

"Wir müssen mit der Impfwelle vor die Infektionswelle kommen", betonte der DIVI-Experte Christian Karagiannidis. "Mit Disziplin bis Ende März können wir extrem viel erreichen." Auch der Intensivmediziner Uwe Janssens hält die Impfungen für den "Rettungsanker", der helfe, aus der Pandemie endlich herauszukommen. Durchhalten lohne sich, am Ende können wir "in einen Sommer, einen Herbst reinkommen, der dann eine zuverlässige Lockerung verspricht".

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