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Virologe Drosten zur Corona-Lage - Wer sich nicht impfen lässt, infiziert sich

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Der Virologe Christian Drosten glaubt an einen "ganz" guten Sommer. Doch er sagt auch: Wer sich aktiv gegen eine Corona-Impfung entscheidet, der werde sich unweigerlich infizieren.

Christian Drosten von der Charité Berlin, aufgenommen am 22.01.2021
Christian Drosten glaubt an eine immune Bevölkerung.(Archivfoto)
Quelle: Michael Kappeler/dpa

Der Virologe Christian Drosten schätzt, dass die Bevölkerung in Deutschland ungefähr in den kommenden eineinhalb Jahren immun gegen das Coronavirus wird. Dies werde durch die Impfung oder durch natürliche Infektion geschehen, sagte der Wissenschaftler der Charité Berlin im Podcast "Coronavirus-Update" (NDR-Info).

Dieses Virus wird endemisch werden, das wird nicht weggehen. Und wer sich jetzt beispielsweise aktiv dagegen entscheidet, sich impfen zu lassen, der wird sich unweigerlich infizieren.
Christian Drosten

Virus wird Ungeimpfte treffen

Dagegen könne man nichts tun, da die Maßnahmen mit der Zeit immer weiter zurückgefahren würden.

Danach zirkuliere das Virus in der Bevölkerung, zum Beispiel unbemerkt im Rachen von Geimpften und bei kleineren Kindern, die noch nicht geimpft werden können.

Das Virus wird unerkannterweise unter einer Decke des Immunschutzes sich weiter verbreiten. Und dann trifft es immer auch auf Leute, die nicht immunisiert sind durch eine Impfung, die voll empfänglich sind.
Christian Drosten

Entscheidung gegen Impfung = Entscheidung für Infektion

Auch im kommenden Winter wird es daher nach Einschätzung des Virologen noch Covid-19-Fälle auf Intensivstationen geben. Er glaube, "diejenigen, die sich aktiv gegen die Impfung entscheiden, die müssen wissen, dass sie sich damit auch aktiv für die natürliche Infektion entscheiden. Ohne jede Wertung", sagte Drosten. Es sei eine freie Entscheidung.

Der Leiter der Charité-Virologie hatte bereits vor einigen Tagen im ZDF gesagt, er sei für die Zeit ab Juni zuversichtlich, denn ab dem Monat würden sich erstmals die Impfungen spürbar auswirken. "Der Sommer kann ganz gut werden in Deutschland."

"Der Sommer kann ganz gut werden", so Virologe Christian Drosten im Gespräch mit Marietta Slomka. "Aber wir müssen ein bisschen aufpassen, dass wir nicht zu früh in totale Euphorie verfallen. Wir sind noch nicht so weit mit unserem Impf-Fortschritt."

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Am Dienstag sagte er, dass sich die Situation stark konsolidieren werde, wenn auch die jungen, sehr mobilen Menschen geimpft seien. Diese hätten besondere Funktionen im Übertragungsnetzwerk des Virus. Reisen von frisch Geimpften steht der Virologe recht gelassen gegenüber: Er sehe bei ihnen derzeit keine Veranlassung für Quarantäne nach der Rückkehr.

Erneute Impfung in Kombination mit Grippeschutz

Die Möglichkeit, sich die zwei Astrazeneca-Impfdosen in Absprache mit dem Arzt in einem Abstand von vier Wochen verabreichen zu lassen und dann in den Urlaub zu fahren, hält der Virologe für nicht verwerflich, wie er sagte. Im Vergleich zu den von der Ständigen Impfkommission empfohlenen zwölf Wochen seien dann zwar Durchschlagskraft und Nachhaltigkeit der zweiten Dosis nicht so stark. Aber es sei immer noch besser, als nur eine Dosis zu haben.

Man könne sich auch in einigen Monaten erneut impfen lassen. Drosten bekräftigte, er gehe ohnehin davon aus, dass im Herbst bestimmte Gruppen in Abhängigkeit von Alter und Risiko großzügig gegen Covid-19 nachgeimpft werden sollten. Ihm schwebe vor, dies auch mit der Immunisierung gegen Grippe zu verbinden.

Jemand, der ein Risiko hat für Influenza, der hat auch dieses Risiko für Covid.
Christian Drosten

Verbreitung neuer Varianten möglich

Es sei zu befürchten, dass die nächste Grippe-Welle schwer ausfalle, wenn man nicht mit Impfungen gegensteuere, sagte Drosten. Hintergrund ist, dass die Influenza-Welle im zurückliegenden Herbst und Winter in Deutschland, aber auch in anderen Ländern ausgefallen ist - auch wegen der Maßnahmen gegen die Pandemie.

Die indische Corona-Variante, die von Großbritannien und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mittlerweile als besorgniserregend eingestuft wird, hat derzeit in Deutschland aus Drostens Sicht noch keinen besonderen Verbreitungsvorteil. Die Bevölkerung hier sei noch nicht so stark immunisiert wie in Großbritannien. Die Mutante sei etwas weniger beeinträchtigt durch Impfung und Immunität.

Die indische Mutation B.1.617 wurde bislang nur vereinzelt nachgewiesen. Die Variante ruft aber deshalb Aufmerksamkeit hervor, da sie doppelt mutiert ist. Wie gefährlich ist sie tatsächlich?

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Die Voraussetzungen für die Verbreitung solcher Varianten dürften sich laut dem Virologen aber auch in Deutschland mit dem Impffortschritt zum Herbst hin ändern. Welche Variante dann vorherrsche oder noch neu auftauche, lasse sich nicht vorhersagen.

Die Mutanten bescherten dann auch keine neue Pandemie mehr, "sondern wir werden auch gegen diese Viren in der Symptomatik geschützt sein", sagte Drosten. Es werde auch Auffrischungsimpfstoffe geben.

Das Virus hat ein bisschen mehr Fitness, aber das bedeutet jetzt überhaupt nicht, dass das eine Riesengefahr für uns unmittelbar darstellt.
Christian Drosten über indische Corona-Variante

Das sagte Drosten über die Variante aus Indien. "Wir können dagegen animpfen. Wir sind nicht mehr so wehrlos wie letztes Jahr um diese Zeit."

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