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England als warnendes Beispiel : Drosten sieht Rennen mit der Delta-Variante

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Die Delta-Variante des Coronavirus macht dem Virologen Drosten große Sorgen. Ab Juli könnten die Infektionszahlen wieder stark steigen, glaubt er. Auch die Kanzlerin warnt.

Archiv: Christian Drosten während der Bundespressekonferenz zur Corona-Lage im Lockdown.
Warnt eindringlich davor, Delta nicht ernst zu nehmen: Virologe Christian Drosten
Quelle: imago

Nach Einschätzung des Charité-Virologen Christian Drosten muss Deutschland die Delta-Variante in der Pandemie ab sofort ernst nehmen.

Ich bin mittlerweile so weit, dass ich sage, wir sind hier jetzt im Rennen in Deutschland mit der Delta-Variante.
Christian Drosten, Virologe

"Wir müssen das ab jetzt wirklich ernst nehmen", sagte Drosten am Freitagabend auf dem Online-Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin.

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Auch Merkel warnt vor zu viel Sorglosigkeit

Da ist er auf einer Linie mit der Kanzlerin. Auch ihr bereitet die aggressive Delta-Variante Sorge - vor allem wegen der Fußball-EM. "Wenn ich vollkommen besetzte Stadien sehe in anderen Ländern Europas, dann bin ich ein bisschen skeptisch, ob das jetzt schon die richtige Antwort auf die augenblickliche Situation ist", sagte Angela Merkel vor einem gemeinsamen Abendessen mit Frankreichs Präsident Macron in Berlin.

Nach dem Abflauen der Corona-Pandemie war Macron der erste ausländische Gast der Kanzlerin in Berlin in diesem Jahr.

Merkel sagte, wegen sehr geringer Fallzahlen könnte man Corona-Ausbrüche in Deutschland derzeit "sehr viel besser verfolgen und mit der Delta-Variante gut umgehen".

Aber ich kann nur sagen: Wir können nicht so tun, als wäre Corona vorbei. Auch wenn an einem solchen Sommerabend das Gefühl ist, da ist nichts mehr.
Angela Merkel, Kanzlerin

Vorsicht sei weiter notwendig, damit "wir diesen Sommer doch viele Freiheiten haben, aber noch nicht alle Freiheiten".

RKI: Anteil der Delta-Variante hat sich verdoppelt

Nach einer Analyse des Robert Koch-Instituts für die erste Juniwoche hatte sich der Anteil der Delta-Variante in Deutschland innerhalb von nur einer Woche auf sechs Prozent fast verdoppelt. In den Wochen zuvor stagnierte diese Mutante bundesweit eher um die zwei Prozent.

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"Vom Gefühl her kann ich sagen, uns rufen immer mehr Leute an, die Ausbrüche beschreiben, immer mehr Labore", sagte Drosten. Gerade in Süd-Dänemark und Schleswig-Holstein gebe es gerade ein Ausbruchsgeschehen. "Das erinnert mich an den Beginn der B.1.1.7-Epidemie in Deutschland, wo es genauso war", sagte Drosten.

Deutschland jetzt mit England im Mai vergleichbar

Die ansteckendere Variante B.1.1.7., die 2020 in Großbritannien bekannt wurde, hatte Deutschland im Winter in die dritte Pandemiewelle getrieben. Eindämmungsmaßnahmen kamen zu spät oder waren zu inkonsequent. Die Situation jetzt in Deutschland sei mit der in England im Mai durchaus ein wenig vergleichbar, analysierte Drosten.

In Großbritannien hatte die ansteckende Delta-Variante innerhalb weniger Wochen trotz fortgeschrittener Impfquoten die Vorherrschaft übernommen. Die Inzidenzen stiegen wieder von 20 auf 70. Lockerungen wurden deshalb gestoppt. Angesteckt hätten sich dabei vor allem junge Erwachsene - zum Beispiel beim Feiern oder auch in der Gastronomie, sagte Drosten.

Drosten: Anfang Juli damit rechnen, dass Meldezahlen hochgehen

Die Infektionen hätten sich in England vorwiegend in den Impflücken abgespielt. "Wenn wir jetzt so rechnen würden, wie sich das in England entwickelt hat, also mit einer ungefähren Verdoppelung pro Woche, dann hätten wir dieses spekulative Szenario: Dann lägen wir in dieser Woche schon bei 20 Prozent", sagte Drosten.

Anfang Juli wäre die Delta-Variante dann auch in Deutschland im Bereich der Dominanz. "Und wir müssten damit rechnen, dass Anfang Juli in Deutschland auch die Meldezahlen wieder hochgehen", sagte der Wissenschaftler. Das sei aber noch reine Spekulation und eine Hypothese.

Deutschland habe noch Chancen, wenn es die Inzidenz in den nächsten Wochen weiter senken könne.

Was auch helfen könnte, sind die Schulferien. In England ging es in den Schulen los. Das ist ein deutlicher Unterschied.
Christian Drosten, Virologe

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