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Kritik an Schnelltests : Drosten: Infektiöse Tage werden übersehen

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Schnelltests machten vielerorts wieder Öffnungen möglich. Virologe Drosten weist nun darauf hin: Die Tests haben Lücken - und könnten viele Corona-Infizierte übersehen.

Archiv: Christian Drosten, Direktor Institut für Virologie, Charité Berlin nimmt an einer Pressekonferenz teil, aufgenommen am 22.01.2021
Christian Drosten macht klar: Schnelltests haben Lücken bei der Erkennung von Corona-Infizierten.
Quelle: dpa

In vielen Regionen Deutschlands sind Antigen-Schnelltests wichtige Säulen der Öffnungsstrategie. Virologe Christian Drosten erinnert in diesem Zusammenhang aber daran, dass man sich nach einem negativen Schnelltestergebnis nicht in falscher Sicherheit wiegen dürfe.

"Der frühe Gewinn in der Diagnostik ist durch die Antigen-Tests nicht so groß", sagte der Berliner Virologe am Dienstag im Coronavirus-Podcast des NDR. Denn das Problem sei: Wenn man sich bei Symptombeginn teste, gebe es bei den Schnelltests eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass der Text noch nicht positiv ist. Das würden Fachleute in der Praxis immer wieder feststellen.

Drosten: Schnelltests in Schulen und Betrieben sinnvoll

"Fünf von acht infektiösen Tagen verhindere ich mit dem Antigen-Test - drei von acht infektiösen Tagen werde ich übersehen", erklärte Drosten.

Es ist nicht alles so simpel, wie das zum Teil in der Politik auch argumentativ verarbeitet wird. So nach dem Motto: Jetzt kann ja alles öffnen, weil wir haben ja jetzt Schnelltests.
Christian Drosten, Virologe

Den Einsatz von Schnelltests bei Menschen mit Symptomen und die regelmäßige Anwendung zum Beispiel in Schulklassen und am Arbeitsplatz hält Drosten dennoch für gerechtfertigt und sinnvoll.

Zwar könne eine frische Infektion dann in einzelnen Fällen übersehen werden. Wenige Tage später falle sie aber auf - und mache eine Nachverfolgung in diesem festen Cluster möglich.

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Drosten: Gefährlich, denn Infizierte können durchrutschen

"Nur eine Sache ist eben etwas gefährlich", sagte er: Die Vorstellung, nicht ansteckend zu sein, wenn man etwa an der Kasse zu einem Veranstaltungssaal oder an der Pförtnerloge zu einem Behördengebäude den Test mache. Infizierte könnten dann durchrutschen und andere Menschen anstecken.

Notbremse wohl nicht ausreichend

Gleichzeitig machte Drosten klar, dass zusätzlich zur geplanten bundesweiten Corona-Notbremse weitere Maßnahmen nötig sein werden.

"Ich denke, dass man anhand der sich jetzt einstellenden Situation in den Krankenhäusern auch noch mal anders reagieren muss", sagte der Corona-Experte. Dies müsse sicherlich in "allernächster Zeit" geschehen.

Ich erwarte jetzt nicht ohne weiteres, dass man damit die Situation in der Intensivmedizin kontrollieren kann.
Christian Drosten, Virologe

Realistische Meldezahlen wohl erst Ende der Woche

Über die eingeschränkte Aussagekraft der Corona-Meldezahlen nach Ostern sagte Drosten: "Wir müssen wahrscheinlich bis Ende dieser Woche warten, um wieder realistische Zahlen zu sehen."

Er befürchte, dass man dann wieder in einem Bereich zwischen 20.000 und 30.000 täglich gemeldeten Neuinfektionen landen werde. Durch die Osterferien sieht der Virologe allerdings für die Schulen zunächst einen "nachhaltigen Entschleunigungseffekt", wie er sagte.

Kritik an "wählerischem" Verhalten bei Impfstoffen

Als "ganz schlechte Entwicklung" bezeichnete Drosten wählerisches Verhalten von über 60-Jährigen in Bundesländern, in denen man sich den Corona-Impfstoff aussuchen kann. Manche dieser älteren Menschen wollten nun nicht mit Astrazeneca geimpft werden und warteten lieber ab, bis sie das Präparat von Biontech/Pfizer bekommen könnten.

"Da muss man wirklich sagen, dann nimmt man im Juni einem Jüngeren die Impfung weg. Und das ist wirklich nicht in Ordnung", sagte der Virologe.

Ich finde es nicht gut, wenn Ältere jetzt an dieser Stelle wählerisch sind.
Christian Drosten

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt Astrazeneca mittlerweile für Menschen ab 60. Hintergrund sind seltene Fälle von Blutgerinnseln in Hirnvenen jüngerer Menschen.

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