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Dunkelziffer bei Infektionen : Wie hoch die Corona-Zahlen eigentlich sind

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Die Corona-Dunkelziffer könnte bis zu dreimal so hoch sein wie die offiziellen Infektionszahlen, schätzt ein Covid-19-Experte. Warum das ein Problem ist.

Die Medizintechnische Assistentin Denise Dittmar bereitet Abstrichproben aus Corona-Testzentren für die Untersuchung in den Automat im PCR-Labor in der Universitätsmedizin vor, aufgenommen am 01.02.2022
PCR-Labor der Unimedizin Greifswald
Quelle: dpa

Als Adam* von einer Konferenz zurückkommt, fühlt er sich krank. Der erste Test des 25-Jährigen ist noch negativ. Kurze Zeit später - andere Teilnehmende haben ihm da schon von Corona-Infektionen geschrieben - ist auch er positiv. Getestet hat er sich zu Hause mit einem Selbsttest. Er begibt sich in Isolation, bis er wieder negativ ist. Einen PCR-Test hat er nicht gemacht. "Ich habe nicht darüber nachgedacht, um ehrlich zu sein. Ich sah dafür gar keinen Grund."

So wie Adam dürften es derzeit Tausende machen. Er ist Teil der Corona-Dunkelziffer. Wer keinen PCR-Test macht, taucht in den offiziellen Statistiken nicht auf. Wie groß ist diese unsichtbare Corona-Welle?

ZDFheute Infografik

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Dunkelziffer könnte dreimal so hoch sein wie offizielle Statistik

Wie hoch die Dunkelziffer ist - das ist per definitionem unklar. Gesundheitsminister Karls Lauterbach (SPD) schätzt sie auf 50 Prozent, also auf doppelt so viele Fälle wie offiziell erfasst. Das komme schon hin, schätzt Thorsten Lehr. Der Professor für Pharmazie hat den Covid-Simulator entwickelt, der Wahrscheinlichkeiten für das weitere Infektionsgeschehen berechnet. ZDFheute sagt er:

Bei der Dunkelziffer halte ich mindestens Faktor 2 bis maximal Faktor 3 für möglich.
Thorsten Lehr, Professor für Pharmazie Universität des Saarlandes

Das Robert-Koch-Institut meldete am Dienstag 147.489 Neuinfektionen. Mit einer Verdreifachung läge man bei 442.467 Neuinfektionen. Für Lehr ist die Situation unbefriedigend - denn man brauche Evidenz, keine Mutmaßungen.

Wir brauchen Querschnittstudien, für die regelmäßig große Stichproben getestet werden, um zu schauen, wo wir stehen. In anderen Ländern ist das Standard.
Thorsten Lehr, Professor für Pharmazie Universität des Saarlandes

Corona-Sommerwelle - Personalausfälle machen Kliniken zu schaffen 

Durch die Corona-Sommerwelle kommt es zu Personalausfällen in Kliniken, Notaufnahmen und Intensivstationen haben große Probleme. Experten blicken besorgt auf den kommenden Herbst.

Videolänge

Dunkelziffer liegt im Dunkeln - doch es gibt Hinweise

In den erfassten Zahlen lassen sich Hinweise auf die Dunkelziffer finden. Schaut man die vom RKI veröffentlichten Testzahlen und die Testpositivraten an, fällt auf: Die Testpositivraten steigen weiter an, die Zahl der Tests aber nur leicht. Von den durchgeführten PCR-Tests sind also anteilig immer mehr positiv.

"Damit ist es wahrscheinlich, dass auch gerade die Dunkelziffer deutlich größer ist als zum Beispiel während der BA.2-Welle im Frühjahr", schreibt das Science Media Center dazu.

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Was ist das Problem an einer hohen Dunkelziffer?

Eine hohe Dunkelziffer ist aus mehreren Gründen problematisch:

  • Die Politik hat keine die Realität abbildende Entscheidungsbasis.
  • Auch Individuen verhalten sich dadurch eventuell unvorsichtiger.
  • Bei einer hohen Dunkelziffer bleiben viele Infektionen unerkannt - wer unwissend infiziert ist, kann das Virus an Vulnerable weitergeben.
  • Die Genesenen haben keinen Nachweis - Spätfolgen oder andere Erkrankungen lassen sich damit gegebenenfalls schlechter behandeln.
  • Genesene könnten für Arbeitgeber oder für Versicherungen einen Nachweis benötigen.

Kostenlose Bürgertests für alle gestrichen

Die Bundesregierung hat kürzlich das Ende der kostenlosen Bürgertests verkündet. Eine Milliarde Euro pro Monat, das war zu viel für die Ampel. Deshalb sind diese nur noch für Vulnerable kostenlos, alle anderen müssen mindestens drei Euro pro Test, in vielen Fällen sogar den vollen Testpreis bezahlen. "Ich will keinen Hehl daraus machen, ich hätte die kostenlosen Bürgertests für alle gern weitergeführt", hatte Lauterbach bei der Verkündung Ende Juni gesagt.

Für Thorsten Lehr ist klar: "Aus wissenschaftlicher Sicht macht es Sinn, viel zu testen." Doch er sehe auch die wirtschaftliche Seite und dass zu viele anlasslose Tests ein Problem sind. Doch er sagt auch: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Test-Konzept im Herbst funktionieren wird."

Wir haben derzeit perfektes Sommerwetter und trotzdem stecken sich die Menschen an. Das wird im Herbst noch heftiger werden. Da muss man nachsteuern.
Thorsten Lehr, Professor für Pharmazie Universität des Saarlandes

Der Sachverständigenrat präsentierte seinen Abschlussbericht zu den Coronamaßnahmen. Klare Handlungsanweisungen für die Politik gab es jedoch nicht.

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Maskenpflicht im Herbst? Möglich wäre das

Welche Maßnahmen im Herbst gelten, das regelt das Infektionsschutzgesetz. Es gilt in dieser Form nur noch bis zum 23. September. Die Ampel arbeitet unter Justizminister Marco Buschmann (FDP) und Gesundheitsminister Lauterbach derzeit an einer Nachfolgeregelung.

Die Länder verlangen das schon seit Wochen, vor allem die FDP wollte aber das Sachverständigen-Gutachten abwarten. Das ergab: Eine Evaluation der Einzelmaßnahmen ist kaum möglich, weil die Datenlage schlecht sei. Ein eindeutig positives Signal gab der Bericht lediglich den Masken in Innenräumen - wenn diese denn richtig getragen werden. Wann ein erster Gesetzesentwurf steht, ist noch unklar.

Adam, der genesen ist und keinen PCR-Test gemacht hat, bereut das im Nachhinein. "So bin ich Teil der Dunkelziffer geworden."

Ein Mitarbeiter eines Bremer Corona-Testzentrums wertet Schnelltests aus.
FAQ

Erhöhtes Ansteckungsrisiko - Variante BA.5: Wer ist wie gut geschützt? 

Laut RKI könnte der Infektionsdruck durch die Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 im Sommer deutlich zunehmen. Wie hoch das Ansteckungsrisiko ist - und wer wie gut geschützt ist.

von Laura Marie Mertes

*vollständiger Name ist der Redaktion bekannt

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise

Pfleger im Krankenhaus wird geimpft

Neue Überprüfung ab Oktober - Impfpflicht schrumpft zur Nullnummer 

Sie war das Aushängeschild für alle Impfpflicht-Befürworter: Wenigstens das Pflegepersonal sollte gegen Corona geimpft sein. Doch jetzt wird diese Impfpflicht zur Nullnummer.

von Kristina Hofmann
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