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Inzidenz von bis zu 5.400 : Werden Kinder und Jugendliche durchseucht?

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Die Inzidenzen der Kinder und Jugendlichen sind doppelt bis drei Mal so hoch wie die anderer Altersgruppen. Werden sie bewusst durchseucht? Und wenn ja, sind sie danach geschützt?

Augsburg, Deutschland, 11.01.2022
Kinder machen einen Lollitest in einer Kita in Augsburg.
Quelle: dpa

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat im ZDF heute journal davor gewarnt, natürliche Infektionen als dauerhaften Ausweg aus der Pandemie zu sehen.

Diese Durchseuchung, die ich falsch finde - bei Kindern wie bei Erwachsenen - bringt keine Immunisierung.
Karl Lauterbach, Bundesgesundheitsminister

"Derjenige, der glaubt, dass er mit der Omikron-Infektion wenigstens danach geschützt ist vor weiteren Ansteckungen, der hat mit Zitronen gehandelt. Das ist definitiv falsch. Daher müssen wir Kinder schützen", so Lauterbach weiter.

Für Gesundheitsminister Lauterbach ist die Impfpflicht als Schutz vor einer Herbst-Welle nötig. Die Verkürzung des Genesenenstatus auf drei Monate sei "wissenschaftlich richtig".

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Tatsächlich erwecken die aktuellen Inzidenzen unter Kindern und Jugendlichen jedoch den Eindruck, als würde genau diese Durchseuchung gerade geschehen. In der letzten Woche (KW 3) hat sich die Zahl der infizierten Schüler auf knapp 150.000 verdoppelt.

Kaum noch Quarantäneanordnungen - Testlabore überlastet

In Berliner Schulen müssen etwa die direkten Sitznachbarn von infizierten Mitschüler*innen nicht mehr in Quarantäne. Auch in Bayern schickt nicht die Schule Kontaktpersonen von positiv getesteten Kindern und Jugendlichen in Quarantäne, sondern das Gesundheitsamt. Und bis sich das meldet, besuchen die übrigen Schülerinnen und Schüler der Klasse weiter den Unterricht.

In Nordrhein-Westfalen kommt das sogenannte Lolli-Test-Verfahren an seine Grenzen: An Grund- und Förderschulen wurden Proben aller Schülerinnen und Schüler einer Klasse per PCR-Test ausgewertet. Doch da die Labore durch die Omikron-Welle überlastet sind, steht das Projekt vor dem Aus.

Die Maskenpflicht ist im Kampf gegen Corona nicht mehr weg zu denken. Forscher der Bochumer Uniklinik haben die Auswirkungen von Masken auf den Lernerfolg von Kindern untersucht.

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Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen am höchsten

Die Inzidenz steigt aktuell in allen Altersgruppen:

Die Zahlen gehen dramatisch hoch, aber sie gehen mit Abstand am stärksten hoch bei den Fünf- bis Vierzehnjährigen.
Reinhold Förster, Immunologe

In Deutschland liegen die Inzidenzen in dieser Altersgruppe weit über 2.000, erklärt Prof. Dr. Reinhold Förster vom Institut für Immunologie der Medizinischen Hochschule Hannover. Spitzenreiter in dieser Altersgruppe ist aktuell Hamburg mit einer Inzidenz von 5.464. In Bremen und Brandenburg liegt die Inzidenz über 4.000.

Wenn man eine Inzidenz von über 5.000 hat: Ja, das dauert nicht lang, bis sich diese Altersgruppe, ich sage mal 80 bis 85 Prozent infiziert hat.
Reinhold Förster, Immunologe

Da das ZDF in dieser Darstellung auf Daten des RKI zurückgreift, ist die Einteilung der Altersgruppen abweichend.

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Kinder und Jugendliche werden am häufigsten getestet

Um die Lage zu verstehen, müssen viele Faktoren berücksichtigt werden. Kinder und Jugendliche sind durch die regelmäßigen Tests in Schulen und teilweise auch in Kitas die am intensivsten überwachte Altersgruppe, erklärt der Kinderarzt Jakob Maske vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.

Wir testen Kinder sehr viel häufiger als Erwachsene. Man kann diese Zahlen daher nicht so richtig gut vergleichen. Die meisten Kinder sind auch nicht krank, wenn sie als infiziert entdeckt werden.
Jakob Maske, Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte

Maske gibt dabei zu bedenken, dass es sich um eine Infektionsinzidenz handelt, nicht um eine Erkrankungsinzidenz. Die meisten Kinder hätten durch Corona milde oder gar keine Symptome. Er widerspricht jedoch der Annahme, Kinder und Jugendliche würden aktuell bewusst "durchseucht".

Wir versuchen, Kinder und Jugendliche vor Infektionen zu schützen. Mit Impfungen und den Hygienemaßnahmen, aber das funktioniert mit Omikron nicht so gut.
Jakob Maske, Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte

Das Personal im Berliner Gesundheitsamt Treptow-Köpenick wurde seit Beginn der Pandemie mehrfach aufgestockt. Doch die Prioritäten haben sich verändert: die Kontakterfassung wurde eingestellt. Erreichbarkeit und Impfungen für die Bürger seien wichtiger.

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Für Maske ist es eine Abwägungsfrage: Man könne die hohen Infektionszahlen kaum verhindern, wenn man keinen Lockdown macht. Und ein Lockdown sei für die Kinder sehr viel schlimmer und führe zu mehr Krankheiten als durch die Infektion.

Es ist besser, die Kinder in der Schule oder Kita zu lassen, als die Sekundärkrankheiten in Kauf zu nehmen, wenn sie in Quarantäne sind.
Jakob Maske, Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte

Und wie ist es nun mit der Immunisierung nach einer Infektion?

Zu dieser Frage widerspricht der Kinderarzt dem Bundesgesundheitsminister: Natürlich sei man nach einer Infektion mit der Delta-Variante nicht ausreichend immunisiert, um sich überhaupt nicht mit Omikron anzustecken. Aber bei einer weiteren Infektion habe man in der Regel einen sehr viel milderen Verlauf und es bilden sich Antikörper und Gedächtniszellen im Körper. Irgendwann nehme zwar auch diese Immunität ab, aber das passiere auch bei der Impfung.

Immunologe Förster schließt sich dieser Einschätzung teilweise an. "Eine Infektion impliziert immer eine Schutzwirkung." Bei leichten Infektionen waren in Studien mit Erwachsenen die Antikörper jedoch relativ schnell wieder verschwunden. Hinzu komme, dass bei Kindern das Virus sehr schnell vom Immunsystem kontrolliert werde. Daher könne die Immunantwort des Körpers "flach ausfallen". Das, so Förster, sollte unbedingt in Studien mit Kindern untersucht werden.

Wie hoch ist das Infektionsrisiko? Eine Studie hat verschiedene Szenarien untersucht. Das dreigeteilte Bild zeigt drei davon: ein Fitnessstudio, ein Restaurant und einen Supermarkt.

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Corona-Infektionen können im Alltag an verschiedenen Orten passieren. Wo das Ansteckungsrisiko besonders hoch ist, zeigt diese interaktive Story. 

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