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Wen Corona besonders trifft - Armutsdebatte oder Migrationsdebatte?

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Sind Menschen mit Migrationshintergrund von Corona besonders betroffen? Es sei keine Migrationsdebatte, sondern eine Armutsdebatte, sagt die Aktivistin und Künstlerin Amani.

Kann Menschen mit Migrationshintergrund und/oder wenig Geld die Pandemie schwerer treffen? ZDFheute live diskutiert mit Enissa Amani, Bettina Dickes und Musa Deli.

Beitragslänge:
50 min
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Die deutsch-iranische Menschenrechtsaktivistin und Künstlerin Enissa Amani hat bei ZDFheute live Äußerungen unter anderem von Gesundheitsminister Jens Spahn kritisiert - der CDU-Politiker hatte die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, und das Infektionsrisiko mit der Herkunft von Menschen in Zusammenhang gebracht. Es sei keine Migrationsdebatte, sondern eine Armutsdebatte, sagt Amani.

Spahn hatte in einer Videokonferenz der CDU-Spitze laut Teilnehmern gesagt, es sei eine große Herausforderung, "bei Migranten für die Impfungen zu werben". Das Problem bereite auch deshalb Sorge, weil Menschen mit Migrationshintergrund häufig in sozial und wirtschaftlich schwierigen Situationen lebten, wodurch sie einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt seien.

Amani: "Wir ignorieren Armut"

"Es gibt Armut in Deutschland - mit und ohne Migrationshintergrund - und die ist nicht wenig", sagte Enissa Amani. Die von Armut betroffenen Menschen würden als "sozial schwach" dargestellt, aber es seien "oft Menschen, die gerade das soziale Leben am Laufen halten – Pflegeberufe oder die Leute, die am Fließband stehen oder die Busse fahren".

Menschen mit Migrationshintergrund, oft leben sie in engeren Wohnverhältnissen und arbeiten im Dienstleistungssektor, finden weniger Aufklärung in ihrer Sprache. Auch der Zugang zum Gesundheitssystem ist schlechter. Faktoren für ein erhöhtes …

Beitragslänge:
2 min
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Weniger privilegierte Menschen seien gleichzeitig auch diejenigen, denen weniger Mittel zur Verfügung stünden, um sich in der Corona-Pandemie zu schützen:

Die sitzen nicht in einer Acht-Zimmer-Altbauwohnung beim Homeoffice mit einem Cappuccino, sondern die sind zu fünft oder zu dritt in einer Ein-Zimmerwohnung.
Enissa Amani, Menschenrechtsaktivistin

Studie zu Infektionslage in Köln - Corona trifft arme Stadtteile härter 

Wo gibt es mehr Corona-Infektionen? Forscher haben Kölner Stadtteile nach Einkommen, Bildung und Ausländeranteil untersucht. Sie fordern zielgerichtete Maßnahmen für Gefährdete.

Videolänge
2 min
von Nils Metzger

Es sei sehr offensichtlich, dass die Interessen der Industrie gerade stark gewahrt würden. Industrie-Beschäftigte müssten weiterhin arbeiten, litten aber gleichzeitig unter den Ausgangsbeschränkungen: "Leute dürfen nachts nicht spazierengehen, müssen dann aber am Fließband stehen und müssen dann noch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln dahinfahren."

Dadurch, dass von Armut gefährdete Personengruppen meistens in Randbezirken oder in ghettoisierten Stadtteilen leben, rückten sie aus dem Bewusstsein der restlichen Gesellschaft, so Amani.

Wir ignorieren Armut oft in Deutschland, weil die geografisch weiter weg sind oder weil es uns egal ist.
Enissa Amani

Deli: Niederschwellige Informationsangebote

Musa Deli vom Gesundheitszentrum für Migrantinnen und Migranten sieht ein weiteres Problem in der Kommunikation: Die Politik gehe davon aus, dass sich alle Einwohnerinnen und Einwohner primär über Zeitungen, Radio und Fernsehen informieren, sagt Deli bei ZDFheute live. Dies sei aber nicht der Fall. Es fehle an niederschwelligen Informationsangeboten, barrierefrei und in mehreren Sprachen:

Menschen bekommen eher die Verbote mit, und die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen kommt bei ihnen leider nicht an.
Musa Deli, Gesundheitszentrum für Migranten

Deswegen fühlten sich auch Migrantinnen und Migranten auf vielen Informationskanälen nicht abgeholt.

Die Landrätin von Bad Kreuznach, Bettina Dickes, hält dagegen: "Das ganz Grobe versteht jeder und auch nur das ist wirklich wichtig. Man muss nicht jedes Detail bei einer Regel kennen. Abstand, Maske, Kontaktreduktion - ich glaube, das hat jeder verstanden." Es liege eher an der mangelnden Bereitschaft der Menschen, sich an die Regeln zu halten.

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