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Corona-Regeln und Einzelhandel : Verkäufer zu 2G und Co: "Müde vom Erklären"

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3G, 2G, 2G+ - was ist mit Geboosterten? Nicht einfach für den Einzelhandel. Doch Corona-Regeln seien nicht das größte Problem, sondern Reaktionen der Kundschaft, so Beschäftigte.

Verkäuferin steht am Kleidungstisch
Wie erleben Verkäufer*innen den Umgang mit ihrer Kundschaft?

Impfnachweis, Maske, Zertfikat - Verkäufer*innen im Einzelhandel haben keinen einfachen Job - vor allem, seitdem die Umsetzung von Corona-Regeln zu ihren Aufgaben gehört. Führt das zu Unmut oder Verständnis bei den Kund*innen? ZDFheute hat mit fünf Betroffenen gesprochen.

"Wir dringen in die Privatsphäre der Kunden ein"

Direkt am Eingang des Haushaltswarenladens steht ein großes Schild: "Zutritt nur für 2G+". Gleich dahinter ist eine Mitarbeiterin mit einem iPad und der App zum Scannen der Impfzertifikate ausgestattet und emfängt die Kundschaft. So wollen es die Corona-Regeln. So will es aber eigentlich nicht der Filialleiter: "Das ist schon anstrengend, sehr anstrengend. Wir sind Verkäufer, kein Ordnungsamt oder die Polizei und sind nicht dafür ausgebildet." Es ginge ihm aber nicht primär um den Aufwand:

Das wurde von der Politik zwar einfach so gesagt: 'Macht mal 2G'. Aber das bedeutet für uns, dass wir in die Privatsphäre der Kunden eindringen, und das möchte ich nicht. Ich sehe Daten, die ich nicht sehen sollte. Ich glaube, das ist für uns noch unangenehmer als für die Kunden.
Filialleiter

Kund*innen schreien sich gegenseitig an

Die einen sind fürs Impfen, die anderen sind skeptisch. Die einen wünschen sich strengere Maßnahmen, die anderen wollen die bestehenden nicht einhalten, erzählt eine Verkäuferin in einem Modegeschäft: "Es sind viele gespalten hier und schreien sich auch im Laden gegenseitig an."

Selbst nach zwei Jahren Pandemie müsse man immer noch absurde Diskussionen führen: "Die fangen wirklich an zu diskutieren, wie ich mich von der Regierung manipulieren lasse und so einen Blödsinn."

Als wäre das unsere Entscheidung gewesen zu sagen: 'Ne, dich lassen wir jetzt nicht rein.' Im Endeffekt spreche ich für jeden einzelnen Händler, wenn ich sage: Wir wollen Umsatz machen. Und unser Ziel ist es sicher nicht, potenzielle Kunden auszuschließen.
Verkäuferin

Dass sie nach wie vor wirtschaftlich kämpfen, scheinen einige Kund*innen zu vergessen und führt in Teilen zu Zynismus: "Aus Trotzverhalten dann zu sagen: 'Ich brauche nicht hier im Laden, sondern kann auch im Onlineshop einkaufen, dann schließt ihr hier alle - und du verlierst deinen Job ...' - cool. Dankeschön. Wir versuchen gerade alle, irgendwie das Beste daraus zu machen, aber danke - top Aussage!"

Der Einzelhandel schlägt Alarm - kein Weihnachtsgeschäft mit 2G. ZDF-Reporterin Lisa Jandi macht sich selbst ein Bild in einem Berliner Spielwarengeschäft.

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Es gebe aber auch diejenigen, die Mitgefühl äußern und ihre Arbeit wertschätzen. Für die Verkäuferin steht fest: Eingeschränktes Geschäft ist besser als kein Geschäft: "Der Lockdown im letzten Winter war echt hart. Ich finde es schlimmer, zu Hause zu sein und nichts machen zu können als dieser Situation ausgesetzt zu sein."

Ich würde mir eher wünschen, dass die Kunden einfach ein bisschen entspannter wären.
Verkäuferin im Modegeschäft

Verständnis seit Anfang Corona nicht unbedingt gestiegen

Die Filialleiterin einer großen Lebensmittelkette erzählt, wie wichtig es gerade jetzt sei, als Belegschaft zusammenzustehen. Jeden Morgen nehmen sie sich eine halbe Stunde Zeit, um über die aktuelle Lage zu reden - wie sie privat betroffen sind und was sie im Berufsalltag erleben.

"Eine Besserung innerhalb der letzten zwei Jahre sehe ich nicht wirklich. Kunden weigern sich auch jetzt noch, an den Backwaren Handschuhe anzuziehen oder eine Zange zu benutzen. Als wir einen Mann darauf aufmerksam gemacht haben, sagte er ruppig: 'Wieso? Ich habe dieses Corona nicht'."

Im baden-württembergischen Rottenacker gibt es einige Corona-Gegner. Die Unruhe unter den Bürgern ist spürbar. Der örtliche Metzger hat bereits Kundschaft verloren, weil er sich den Corona-Regeln widersetzt.

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Doch auch schon vor Corona gab es schwierige Kundschaft:

Wenn wir einem Betrunkenen erklären müssen, warum wir ihm keinen Alkohol verkaufen, kann das ähnlich schwierig sein wie jemanden erklären zu müssen, warum er eine Maske zu tragen hat.
Filialleiterin

Ihr Kollege im Getränkemarkt teilt diesen Eindruck und ist erschöpft von den ständigen Konfrontationen: "Irgendwie versucht man, es wegzustecken. Aber die Kunden, die uns kennen, merken auch, dass wir öfter schlechter Laune haben. Wir sind müde vom ständigen Erklären. Klar mache ich weiter, weil ich hoffe, dass es irgendwann einfach wieder mein Job ist, den ich gerne mache unter normalen Arbeitsbedingungen."

Kund*innen reden sich den Frust von der Seele

Die Gereiztheit der Menschen würde sich auch manchmal ganz anders äußern: Betroffenheit, Traurigkeit anstatt Aggressivität. So erlebt es ein Verkäufer in einem Gesundheitsladen: "Man hört viele Geschichten, wie schwer Menschen mit der Pandemie zu kämpfen haben, was einen persönlich echt mitnimmt. Menschen, die gerne mal einen Kaffee trinken gehen oder bummeln und durch Corona ziemlich vereinsamt sind. Sie kommen rein, reden sich alles von der Seele und sind froh, dass wir das ein bisschen auffangen."

Mehrere Bundesländer haben heute schon das eingeführt, was bald deutschlandweit gelten soll: 2G im Einzelhandel. Ralph Zimmermann von Siefarth zeigt, welche Ausnahmen gelten.

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Was er allerdings auch beobachtet: Das Geschäft könnte viel besser sein, auch mit 2G+. "Man könnte ja rausgehen - getestet, genesen, zumindest die Geimpften. Aber das machen viele ja auch nicht. Und das merken wir als Laden." Seine Befürchtung: Das Netz wird mehr und mehr zum Einkaufsladen: "Onlineshopping wird dieses Jahr noch mehr explodieren als letztes Jahr, was auch sehr traurig für den Planeten ist. Man geht dann doch lieber den 'einfacheren' Weg, weil die Leute einfach unsicher sind."

Was sich alle Befragten wünschen: gegenseitiges Verständnis und einen respektvollen Umgang miteinander.

Auf der Illustration ist eine Frau zu sehen, die beide Arme zur Schulter zieht. Über der linken Hand schwebt ein Symbol mit Daumen runter, über der rechten Hand schwebt ein Symbol mit Daumen hoch.

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