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Eltern in der Pandemie - #coronaeltern: "Eine totale Grenzerfahrung"

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Wegen Schul- und Kitaschließungen steht die Welt vieler Eltern seit Monaten Kopf. Fünf Mütter und Väter über durchgearbeitete Nächte, Unterricht auf dem iPad und stürmische Küsse.

Ein zweijähriges Kind spielt im Wohnzimmer, während seine Mutter Zuhause im Homeoffice an einem Laptop arbeitet.
Viele Familien sind in der Corona-Pandemie komplett auf sich alleine gestellt.
Quelle: dpa

Carolin, 34 Jahre, aus Berlin

Die Pandemie zieht sich wie Kaugummi und ist eine totale Grenzerfahrung. Ich denke immer, wenn das noch eine Woche weiter geht, breche ich zusammen. Komischerweise passiert das nicht, obwohl ich immer wieder mit Depressionen und Burn-out zu kämpfen hatte. Für meine Kinder muss ich funktionieren. Irgendwie geht es immer weiter.

Ich habe im Dezember 2019 Zwillinge bekommen und bin seitdem völlig abgekapselt von der Außenwelt. Im März 2020 wäre ich langsam bereit gewesen, unter Leute zu gehen. Dann kam der erste Shutdown. Es gibt viele Menschen in meinem Umfeld, die die Kinder noch gar nicht kennen, obwohl sie schon 13 Monate alt sind.

Die Zwillinge sind recht scheu, weil sie kaum soziale Kontakte haben. Auf dem Spielplatz oder in Geschäften sind sie schnell überfordert und reizüberflutet.
Carolin

Unser siebenjähriger Sohn ist wahnsinnig unausgeglichen. An manchen Tagen steckt er alles ganz gut weg, dann platzt der Frust aus ihm heraus. Er wirkt resigniert und abgeklärt und sagt oft, er glaube, dass wir für immer Masken tragen müssen.

Die größte Herausforderung ist, alles ohne Unterstützung zu managen, auch finanziell. Mein Freund ist selbstständig und kann höchstens vier Stunden am Tag arbeiten. Ich studiere berufsbegleitend und fange im April wieder an, aus dem Homeoffice zu arbeiten. Wir denken darüber nach, die Stadt zu verlassen, nicht nur, weil es kaum bezahlbaren Wohnraum gibt. Gerade fallen alle kulturellen Angebote weg, die wir an Berlin geschätzt haben. Es gibt kaum noch Gründe, in der Stadt zu bleiben.

Die Kitas sind zu und auch viele Schulkinder sind nach wie vor zu Hause. Für Eltern oft eine große Belastung. Im Internet machen sie sich Luft.

Beitragslänge:
2 min
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Naemi, 30 Jahre, aus München

Ich habe die erste Corona-Welle im Frühling als sehr entspannt erlebt. Ich war noch in Elternzeit und habe alles genossen, weil ich dachte, so viel Zeit werde ich nie wieder mit den Kindern zuhause haben. Wir haben einen Sechsjährigen, der im September in die Schule und einen Zweijährigen, der frisch in die Kita gekommen ist. Seit Oktober arbeite ich wieder - aus dem Homeoffice.

Es gibt bessere und schlechtere Phasen. Die Schulschließung trifft uns am meisten. Mein Mann ist Zeitsoldat bei der Bundeswehr und kann nicht von zuhause arbeiten. Ich bin im Alltag auf mich alleine gestellt und versuche, alles unter einen Hut zu bekommen. Eine Sache kommt immer zu kurz, sei es Arbeit, Schule, oder die Betreuung des Kleinen.

Manchmal muss ich ihn vor das iPad setzen, weil ich eine dringende Telefonkonferenz habe. Er ist zu klein, um sich länger selbst zu beschäftigen.
Naemi

Der Große kann mit der Situation ganz gut umgehen. Hände waschen und Abstand halten ist total normal für ihn. Er fragt oft: "Mama, wann können endlich alle geimpft werden?" Aber natürlich ist auch er manchmal frustriert und will dringend in den Dino-Park zu seinem Geburtstag im März. Schon seine letzte Geburtstagsfeier ist wegen Corona ausgefallen.

Alemannenschule, Wutöschingen

Wie Schule digital gelingen kann -
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Was für viele Schulen im Shutdown eine Herausforderung ist, wird an der Alemannen-Schule schon lange praktiziert. Wie Fernunterricht gelingt, erklärt Direktor Stefan Ruppaner.

Im Dezember hatte ich das Virus, meine Familie hat sich zum Glück nicht angesteckt. Ich bin immer noch nicht so fit wie vorher. Mir ging es 14 Tage lang sehr schlecht, obwohl ich jung und gesund bin. Das war eine beängstigende Erfahrung, deshalb halte ich strenge Maßnahmen für gerechtfertigt.

Matthias, 36 Jahre, aus Leipzig

Ich muss mir die Zeit zum Arbeiten erkämpfen, weil die Kitas geschlossen sind. Ich stehe oft um 4:30 Uhr auf und arbeite bis 6:30 Uhr. Danach betreue ich unsere zwei kleinen Kinder. Mittags bin ich dann total gerädert und fühle mich, als hätte ich am Abend zuvor Party gemacht. Ich bin Autor, in zwei Monaten kommt mein neuer Roman raus. Es sind aktuell nur wenige Lesungen geplant, dadurch verliere ich Tausende Euro. Zum Glück sind meine Kinder in einem Alter (1,5 und 3,5 Jahre), in dem sie miteinander spielen können. Mein Ältester weiß, dass es Corona gibt und wir deshalb viele Dinge aktuell nicht machen "dürfen", er versteht aber nicht, dass durch das Virus so viele Menschen sterben.

Langeweile vermisse ich am meisten. Das Gefühl, alles abgearbeitet zu haben, die Kinder in der Kita gut versorgt zu wissen - dazu kommt es im Moment nicht.
Matthias

Sobald die Kinder schlafen, mittags oder abends, arbeite ich. Die Tage sind überstrukturiert. Meine Frau studiert, sie arbeitet vor allem abends und nachts, wenn die Kinder schlafen. Sie erzählt immer wieder von Kommilitoninnen, die weinend anrufen, weil sie zum Beispiel alleinerziehend sind, drei Kinder haben und Vollzeit studieren. [Mehr zu den psychischen Folgen des Shutdowns lesen Sie hier.]

Eine Familie mit zwei Kindern vergnügt sich beim Schlittenfahren an der Wasserkuppe am 16.01.2021
Die Freizeitangebote für Kinder sind in der Pandemie begrenzt.
Quelle: dpa

Yalda, 39 Jahre, aus Köln

Meine Tochter (1,5 Jahre) ist nicht besonders Corona-tauglich: Sie knutscht alles ab, was nicht bei drei auf dem Baum ist. In der U-Bahn versucht sie oft, mir meine Maske abzuziehen und sie sich aufzusetzen, das kommt bei vielen Leuten natürlich nicht gut an. Vor Corona war in unserem Haushalt immer viel los, wir hatten ständig Leute zu Besuch, sie hatte immer jemanden zum Spielen - das ist jetzt anders, was ich sehr schade finde.

Nach dem ersten Shutdown habe ich wieder angefangen zu arbeiten, als Führungskraft und in Vollzeit, seitdem ist es viel schwieriger geworden. Das mutierte Virus aus Großbritannien bereitet mir Sorgen, weil es potentiell gefährlicher für Kleinkinder ist. Die Gefahr für meine Tochter habe ich bisher als überschaubar wahrgenommen. [Einen Überblick über die Corona-Mutationen lesen Sie hier.]

Für mich ist es ein Dilemma: Ich habe ein schlechtes Gewissen gegenüber der Tagesmutter in der Kita, gleichzeitig sind wir auf die Notbetreuung angewiesen.
Yalda

Wer weiß, wie lange dieses System noch funktioniert. Am Wochenende treffe ich mich auch mal mit anderen Eltern auf dem Spielplatz, wir trinken einen Kaffee und lassen die Kinder spielen - mit Maske und Abstand. Darauf zu verzichten geht nicht mit einem kleinen Kind. Sie brauchen Auslauf.

Archiv, Sachsen-Anhalt, Gardelegen: Stühle stehen in einem leeren Klassenzimmer der Sekundarschule Karl Marx auf einem Tisch.

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Bernd, 37 Jahre, aus Berlin

Für meinen dreijährigen Sohn ist alles anders: Er ist begeisterter Fahrer des öffentlichen Nahverkehrs. Er kann nicht verstehen, warum wir Bus und Bahn gerade vermeiden müssen, er seine Großeltern nicht sehen und keine Tagesausflüge ins Museum oder in den Freizeitpark machen kann. Er freut sich immer, wenn er in die Kita-Notbetreuung darf. Für ihn ist es gerade normal, dass die Erwachsenen auf der Straße Maske tragen und Papa Angst hat, wenn er am S-Bahn-Fenster leckt. Ich glaube, er wird alles umso mehr zu schätzen wissen, wenn die Pandemie vorbei ist.

Für mich ist die größte Herausforderung die Koordination unseres Alltags: Ich bin nicht mehr mit der Mutter meines Sohnes zusammen, wir leben in getrennten Haushalten. Wir arbeiten beide als Lehrer*innen in einem Förderzentrum und müssen auch im Shutdown in der Schule präsent sein. Das bedeutet nicht nur, dass wir selbst viele Außerhauskontakte haben müssen, sondern auch unseren Sohn diesen aussetzen. Wir schauen jeden Tag aufs Neue, dass es unserem Kind gut geht.

Kann und muss er heute in die Kita gehen? Ab welcher Uhrzeit bieten sie die Notbetreuung an? Muss meine Ex-Partnerin arbeiten? Muss ich arbeiten? Bei wem übernachtet er?
Bernd

Dazu kommen ständig neue Verordnungen aus der Schule, in der ich arbeite. Für ihn bleibt es im besten Fall aufregend, weil kein Tag wie der andere ist, aber für mich ist es unfassbar anstrengend, zumal ich während der Zeit mit ihm zu Hause auch noch Homeschooling anbiete. Der Ausgleich, den ich sonst in meiner "Erwachsenenzeit" durch Konzerte, Partys oder Freund*innen hatte, ist seit fast einem Jahr weg. Ich lebe im Moment nur noch für mein Kind und den Beruf.

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