Sie sind hier:

Haben Fälscher leichtes Spiel? : Das Geschäft mit den falschen Impfnachweisen

Datum:

Der Handel mit gefälschten Impfnachweisen nimmt zu. Das gilt sowohl für falsche Impfbücher als auch für den digitalen Nachweis. Betrüger haben offenbar leichtes Spiel.

Geschäfte mit manipulierten Corona-Zertifikaten

Beitragslänge:
15 min
Datum:

Nach der Einführung von immer mehr Beschränkungen für Ungeimpfte, kommen zunehmend gefälschte Corona-Impfnachweise in Umlauf. Diese sind oft nicht mal von Experten zu erkennen.

Zweifel an der Echtheit von Dokumenten

Die Apothekerin Anke Rüdinger hat vor ein paar Tagen vermutlich zum ersten Mal einen gefälschten Impfnachweis in der Hand gehabt: Ein Kunde wollte die Covid-Impfung aus seinem gelben Impfbuch in einen digitalen Impfnachweis umwandeln lassen. Doch die Apothekerin hatte Zweifel an der Echtheit des Dokuments.

"Es war ein Ausweis aus einem Impfzentrum, da sind wir immer besonders aufmerksam", sagt Rüdinger, "die Art der Arzt-Unterschrift war auch sehr ähnlich."

Das fand die Apothekerin verdächtig, denn es ist äußerst unwahrscheinlich in einem großen Impfzentrum zweimal vom selben Arzt geimpft zu werden. Sie stellte dem Kunden kein digitales Impfzertifikat aus.

Strafbarkeit von falschen Impfnachweisen

Oft sind es Apotheken, die der Polizei Verdachtsfälle melden. Inzwischen häufen sich dort die Fälle: Geschätzte 6.000 Ermittlungsverfahren gab es Anfang Dezember bundesweit.

Auf das zunehmende Problem gefälschter Impfnachweise hat auch der Gesetzgeber im Rahmen einer Änderung des Infektionsschutzgesetzes reagiert: Seit Ende November gilt eine neue gesetzliche Regelung, die klarstellt, dass das Herstellen und Gebrauchen von gefälschten Impfnachweisen strafbar ist.

Der Handel mit gefälschten Impfnachweisen ist auf dem Schwarzmarkt zu einem einträglichen Geschäft geworden. Jetzt soll verschärft dagegen vorgegangen werden.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Hohe Dunkelziffer bei gefälschten Impfnachweisen

Dennoch steigen die Fallzahlen weiter. Zudem wird eine hohe Dunkelziffer vermutet, da viele Fälschungen gar nicht erkannt werden. Thomas Thieme vom LKA Berlin findet, dass Betrüger zu leichtes Spiel haben:

Der Ausweis selber, also der Rohling selber, ist überall im Handel erhältlich und enthält keinerlei Fälschungssicherheitsmerkmale.

Der Handel mit gefälschten Impfnachweisen floriert auf einschlägigen Darknet-Plattformen und beim Messengerdienst Telegram. Ein Darknet-Händler erklärt, wie einfach es ist, ein Impfbuch zu fälschen: "Die Unterschriften und Stempel findet man auf Google – es gibt trotz Warnungen genug Idioten, die ihre Impfausweise auf Social Media posten."

ZDF WISO Crime forscht nach

WISO Crime will wissen, ob eine solche Fälschung erkannt wird. Wir besitzen zwar schon einen echten gültigen Impfnachweis, über einen Recherche-Kontakt aus dem Darknet kommen wir aber auch an einen gefälschten Impfpass.

Von einem Berliner Restaurant wird der problemlos akzeptiert. Auch beim Digitalisieren in Apotheken fällt das gefälschte Impfbuch nicht auf, obwohl die darin genannten Impfchargen nach Auskunft des angeblich besuchten Impfzentrums dort nie verimpft wurden. Die betroffene Apotheke erklärt dazu, dass man "keine Informationen darüber (habe), welche Chargen an bestimmte Impfzentren geliefert wurden".

Gabriele Overwiening von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände nimmt ihre Kollegen in Schutz:

Wenn es sehr gut gefälscht ist, dann wird man es nicht erkennen können.
Gabriele Overwiening

Recherche-Kontakt zu Telegram Händler

WISO Crime trifft auch einen Telegram-Händler, der gefälschte Impfbücher für 200 Euro auf der Straße verkauft. Er empfiehlt eine bestimmte Apotheke, denn dort klappe das Digitalisieren immer. Tatsächlich wird das Impfbuch dort ohne Beanstandung digitalisiert, obwohl es ganz offensichtlich eine Fälschung ist.

Darauf angesprochen zeigen sich die Apothekenmitarbeiter entsetzt:

Wir haben hier mehr als 100 Kunden jeden Tag, die ihren Impfausweis digitalisieren lassen wollen, da haben wir gar keine Zeit alles genau zu überprüfen.

Die Apotheke bestreitet zudem, etwas mit dem Telegram-Händler zu tun zu haben.

Die falschen Impfbücher haben wir nach Abschluss dieser Recherche vernichtet, ebenso wie die zugehörigen digitalen Impfnachweise.

Falsche digitale Nachweise aus dem Netz

Falsche digitale Impfnachweise stammen aber nicht nur aus Apotheken – sie werden auch im Darknet gehandelt. Offenbar muss bei einer solchen Fälschung nicht einmal der Name des Geimpften plausibel sein: Im Netz kursieren gültige digitale Impfnachweise, die auf den Namen Mickey Mouse oder Adolf Hitler laufen – ausgestellt von polnischen oder französischen Gesundheitsbehörden.

Smartphone mit digitalem europäischem Impfpass

Covid-19-Impfkampagne - Wie sicher ist der digitale Impfausweis? 

Der digitale Impfausweis kann leicht gefälscht werden. Doch EU-Kommission und Bundesregierung ignorieren die meisten massiven Sicherheitsbedenken.

von Peter Welchering

Der IT-Journalist Hanno Böck vermutet, dass die IT-Systeme dieser Behörden, die – wie das RKI – digitale Impfzertifikate erstellen, nicht passwortgeschützt waren.

Dann konnten Kriminelle dort Daten eingeben und diese Zertifikate erstellen.
Hanno Böck, IT-Journalist

Zugänge zusätzlich durch Hardwareschlüssel gesichert

Das Bundesgesundheitsministerium hält das deutsche IT-System für sicher, da die Zugänge zusätzlich durch einen Hardwareschlüssel gesichert seien.

Warum dennoch immer wieder auch gefälschte Impfzertifikate kursieren, die das RKI ausgestellt hat, will das Ministerium nicht erklären.

Der IT-Experte Thomas Uhlemann, hält Sicherheitslücken in Arztpraxen oder Apotheken für wahrscheinlich: Dort könnte es Unberechtigten gelungen sein, eben diese Hardwareschlüssel zu entwenden.

Immer mehr Bundesländer registrieren ein wachsendes Problem. Seit dem Ende der kostenlosen Corona-Tests kommt es vermehrt zu Betrug und Handel mit gefälschten Impfnachweisen.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise

Gesundheitsminister Karl Lauterbach zu Gast in der Sendung von Markus Lanz.

Lauterbach bei "Lanz" - Affenpocken: "Wird keine Pandemie geben" 

  • Untertitel

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sagt, dass durch die Affenpocken keine Pandemie drohe. Dennoch bestehe die Gefahr weiterer ähnlicher Erreger in naher Zukunft.

von Felix Rappsilber
Videolänge
Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Zur Altersprüfung

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad/Script/CSS/Cookiebanner-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert. Falls du die Webseite ohne Einschränkungen nutzen möchtest, prüfe, ob ein Plugin oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.