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Familie in Corona-Zeiten - Pizzapicknick und Plätzchen nur mit Papa

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Autorin Vera Schroeder rät Erwachsenen, die Sorgenfreiheit der Kinder in Corona-Zeiten zu unterstützen. Und bevor es in der Familie rasselt, müssten Grüppchen gebildet werden.

Vater und Sohn greifen nach Pizzastücken
Familie: Menschen, mit denen man auch mal Quatsch machen kann
Quelle: imago

ZDFheute: In diesem Herbst und Winter sind viele Familien geplagt von Sorgen und Ängsten. Wie geht es Ihnen und Ihrem Partner mit vier Kindern?

Vera Schroeder: Wir haben Glück, uns geht es gut: Wir sind nicht einsam oder allein, und wir sind gesund. Wir arbeiten beide in Jobs, die im Moment nicht existenziell bedroht sind und haben eine gemütliche Wohnung. Sorgen sind natürlich trotzdem da: um Eltern, Freunde mit Kindern, die zur Risikogruppe gehören oder auch Freunde, die Künstler*innen sind oder in der Gastro arbeiten. Und um alle anderen, für die diese Krise richtig, richtig - Verzeihung - Scheiße ist.

ZDFheute: Beruflich beschäftigen Sie sich seit langem mit Kinder- und Familienthemen. Als Autorin wollen Sie Familien nun dazu anregen, "kleine Fluchten in ihren Alltag einzubauen - damit das Familienleben wieder lustiger wird". In einer Zeit voller Beschränkungen ein schwieriges Unterfangen, oder?

Schroeder: Ja und nein. Natürlich ist es für die meisten Familien gerade wenig lustig. Andererseits lohnt es sich gerade jetzt, danach zu suchen, was einen als Familie stärkt und auch Spaß macht.

Das ist ja ein großer Vorteil im Familienalltag: dass man meistens Menschen um sich hat, die man mag, mit denen man Quatsch machen kann und eigene Ideen entwickeln.

ZDFheute: Welche Ideen und Projekte sind Ihnen die liebsten?

Schroeder: Für Familien mit kleinen Kindern finde ich es wichtig, nicht zu viel zu planen. Lieber eine kleine Idee nehmen und ihr dann aber ohne Hetze, am besten im Kindertempo, ausgiebig nachgehen.

Am einem Sonntag sind wir als Familie einmal zur Tankstelle gelaufen, haben dort Eis am Stiel gekauft und die Kinder haben es dann zu Hause in der Badewanne gegessen. Mit anziehen, losgehen, hinwandern, Blume am Wegesrand angucken, Eiskarte suchen, Sorte aussuchen, zurückgehen, kurz noch im Hof einmal rutschen, Badeenten suchen und Wanne füllen hat dieser Plan insgesamt fast vier Stunden gedauert. Im Anschluss wurde es quasi direkt wieder dunkel.

ZDFheute: Die derzeitigen Sorgen der Erwachsenen um Arbeitsplatz, Einkommen und vieles, was daran hängt, wirken sich oft auch auf das Familienleben aus. Was raten Sie Menschen, die fürchten, dass ihnen alles über den Kopf wächst?

Schroeder: Um Hilfe bitten. Darüber sprechen. Schwer genug.

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ZDFheute: Wohl jedes Kind findet Corona zumindest "doof". Wie versuchen Sie, Ihre Kinder seelisch möglichst unbeschadet durch diese schwierige Zeit zu bringen?

Schroeder: Ich wage die These, dass Kinder, die in einigermaßen stabilen Umfeldern aufwachsen, besser mit "Corona" umgehen können als die meisten Erwachsenen.

Kinder sind einfach noch nicht so abhängig von Perspektiven und machen sich weniger Sorgen.

Dieses Sorgenfreie versuche ich zu unterstützen. Mit guter Laune, indem wir uns einen Schlafanzugtag oder ein Pizzapicknick am Spielplatz gönnen oder darüber sprechen, was alles schön war heute.

ZDFheute: In ihrer Freizeit sollen auch Kinder Kontakte vermeiden. Also gibt’s mehr Familienzeit, aber nicht unbedingt auch mehr empfundenes Familienglück. Was hilft, wenn sich Familienmitglieder gerade sehr auf die Nerven gehen?

Schroeder: Bei uns hilft es, einzelne Grüppchen zu machen. Ein Mittelkind backt nur mit Papa Plätzchen in Corona-Form oder ich guck zum Frühstück mit dem großen Kind "Modern Family" im Bett. Entzerren hilft - Einzelpremiumtreatment, wer es braucht. Auch mal für die Eltern.

ZDFheute: Sie sagen: "Kinder zu haben ist herausfordernd, es kostet Kraft, Zeit und Nerven." Wie schützen Sie sich in sehr stressigen Zeiten vor Erschöpfung?

Schroeder: Vielleicht könnte man in den ein bisschen weniger stressigen Zeiten vorbauen, um dann für die stressigen Zeiten besser gewappnet zu sein. Dazu empfehle ich, sich genau anzusehen, woher der Stress kommt. Gibt es Dinge, die ich leicht ändern kann? Was ist mit den anderen?

Oft hat familiärer Stress weniger mit uns selbst zu tun, sondern vor allem mit den Strukturen, in denen wir leben und gegen die wir uns nur begrenzt wehren können. Wenn man das erkannt hat, ist die Belastung zwar nicht weg, aber man kommt aus dem Teufelskreis raus, sich selbst für das Gestresstsein auch noch die Schuld zu geben. Das ist ein Anfang.

Das Interview führte Marcel Burkhardt.

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