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"Corona-Ferien" - Heimunterricht: Wenn Eltern Lehrer sein sollen

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Die Schüler sind in "Corona-Ferien" und Eltern sind als Vermittler des Schulstoffes gefragt. Die fünf wichtigsten Fragen und Antworten.

Archiv: Gymnasiast Julius löst in seinem Kinderzimmer Aufgaben, die ihm Lehrer über den Schulserver geschickt haben.
Archiv: Ein Gymnasiast löst in seinem Kinderzimmer Aufgaben.
Quelle: DPA

Für einen erfolgreichen Heimunterricht muss es festgelegte Zeiten geben. Stimmt das?

Routinen festzulegen ist für einen erfolgreichen Unterricht zu Hause das A und O. Der Kinder- und Jugendpsychiater Johannes Wilkes rät, gemeinsam mit den Kindern einen eigenen Stundenplan festzulegen.

Als Faustregel sollte gelten: Die leichten Aufgaben zum Warmlaufen an den Anfang setzen, die schwierigen ans Ende der Lerneinheit, um Frust vorzubeugen. Die einzelnen Lerneinheiten sollten dabei so strukturiert sein, dass sich schriftliche und mündliche Arbeit genauso abwechseln, wie die einzelnen Fächer selbst.

Simone Fleischmann
Simone Fleischmann hat lange als Mittelschullehrerin, Schulleiterin und Schulpsychologin gearbeitet.
Quelle: BLLV

Simone Fleischmann ist Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). Sie empfiehlt individuell auf das jeweilige Alter zugeschnittene Lernhäppchen. Bei Erst- und Zweitklässlern sind 20 bis 30 Minuten am Stück nach Ansicht der Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) ausreichend:

Die Zeiten für den Heimunterricht würde ich daran festmachen, wie es für die jeweilige Familie am besten passt.
Simone Fleischmann, Präsidentin Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband

Zusätzlichen Stress in der ohnehin schon schwierigen Bewährungsprobe für das Zusammenleben gelte es zu vermeiden. Eine gute Lernumgebung ist wichtig.

Wie schafft man eine Gute Lernumgebung zu Hause?

Für Simone Fleischmann und Johannes Wilkes gehört diese Frage zu den größten Herausforderungen des Heimunterrichts. Wilkes empfiehlt: "Als Klassenraum zu Hause eignet sich gerade bei den Kleinen am besten der Küchentisch. Anders als im eigenen Zimmer werden die Kinder dort nicht von Konsolenspielen oder allerhand blinkendem Spielzeug abgelenkt."

Dr. Johannes Wilkes
Dr. Johannes Wilkes ist Kinder- und Jugendpsychater.
Quelle: privat

Zu einer guten Lernumgebung gehört für den erfahrenen Kinder- und Jugendpsychiater auch, den Kindern den nötigen Freiraum zu geben, nicht ständig neben ihnen zu sitzen und sie so zur selbstständigen Arbeit anzuregen.

Simone Fleischmann rät außerdem:

Man sollte sein Kind schlichtweg fragen, wo es am liebsten lernt. Denn dort ist man erfahrungsgemäß am produktivsten.
Simone Fleischmann, Präsidentin Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband

Wie wichtig sind (Lern-) Pausen?

Die Pädagogin und der Kinder- und Jugendpsychiater sind sich einig: Es ist gut, die Kinder zu motivieren zwischendurch aufzustehen und auch mal den Raum zu wechseln, sofern das möglich ist. Auch eine längere Unterbrechung für einen Spaziergang an der frischen Luft oder eine Runde mit dem Rad ist sinnvoll.

Wie kompliziert ist es für Schüler, in Corona-Zeiten zu lernen?

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6 min
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Es gehe dabei auch darum, der räumlichen Enge zu Hause entkommen zu können.

Grafik: Notebook statt Schulbuch
Grafik: Notebook statt Schulbuch

Morgens Lehrerin, nachmittags Mama - wie kann das funktionieren?

Simone Fleischmann rät dringend vom Versuch ab, als Eltern die Rolle des Lehrers zu übernehmen. Sie betont: "Eltern sollten gerade in dieser Situation Begleiter sein, Wertschätzung zeigen, ihren Kindern Ängste und Sorgen nehmen und ihnen mit viel Liebe, Zuneigung und auch Nachsicht begegnen."

Wichtiger, als den bloßen Schulstoff zu vermitteln, sei es den Kindern auch Lebenskompetenzen mitzugeben - wenn es etwa um die Themen Ernährung und Hygiene geht.

Johannes Wilkes empfiehlt zudem, öfter mal einen Rollentausch vorzunehmen: "Wenn das Kind den Eltern eine Aufgabe stellt, macht das Spaß. Außerdem hat es einen großen Lerneffekt, denn nur wer die Lösung kennt, kann sich auch wirklich eine gute Frage ausdenken."

Überhaupt sollte nach Ansicht des Kinder- und Jugendpsychiaters der Humor nicht zu kurz kommen. Warum nicht anstelle einer langweiligen Mathematikaufgabe mit einer Runde Kniffel das Verständnis für den Umgang mit Zahlen fördern?

Sollten Eltern Strafarbeiten verteilen?

"Konsequenzen müssen sein, wenn gegen die vereinbarten Regeln verstoßen wird", ist Simone Fleischmann überzeugt. Sie plädiert für Nacharbeit. Wichtiger als Strafen auszusprechen ist aus Sicht von ihr und Johannes Wilkes jedoch eine Verstärkung der Motivation durch Lob. In der jetzigen Ausnahmesituation sei jeder zusätzliche Konflikt eine Gratwanderung für das Zusammenleben, die es zu vermeiden gelte.

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