Sie sind hier:

Nächster magerer Festival-Sommer - "Nicht so relevant wie Baumarkt-Schrauben"

Datum:

Trotz niedriger Inzidenzen und EM-Spielen vor 14.000 Zuschauern dürfen Konzerte und Festivals nur in sehr kleinem Rahmen stattfinden. Das sorgt für Wut und Unverständnis.

Archiv: Festivalbesucher hören sich auf dem Hurricane Festival das Konzert des deutschen Sängers Axel Bosse am 21.06.2019 an.
Zahlreiche große Open-Air-Festivals fallen auch in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie aus.
Quelle: dpa

Sommer, laute Musik, gemeinsames Feiern, Zeltstädte, Schweiß, Sorgenfreiheit: Ein richtig gutes Festival kann jeden Urlaub übertreffen. Doch daraus wird im zweiten Jahr in Folge nichts. Wer gehofft hatte, nach den abgesagten Festivals im Sommer 2020 in diesem Jahr wieder nach Wacken, an den Hockenheimring oder Gräfenhainichen zu fahren, wird wieder enttäuscht. Corona ist das stärkste Gegenmittel gegen Spaß, leider auch in 2021.

Frust wegen abgesagter Konzerte

Bookingagenturen, Musiker und Eventagenturen kämpfen auch in diesem Sommer zum Teil um ihre Existenzen. Als Alternative zu den großen Festivals dürfen zumindest kleinere Konzerte mit Hygienekonzepten stattfinden. Doch auch in kleinem Rahmen gibt es Absagen durch die Behörden in den Bundesländern. Das führt zu Frust. Der Liedermacher und Podcaster Olli Schulz machte diesem Frust vor wenigen Wochen Luft.

In seinem erfolgreichen Podcast "Fest und Flauschig", den er seit Jahren mit dem Satiriker Jan Böhmermann veröffentlicht, platzte Schulz der Kragen. Schulz berichtete, dass sein Konzert in Trier mit 500 Gästen und Hygienekonzept im Juli abgesagt worden sei. 500 Gäste seien zu viel, so begründete das Land Rheinland-Pfalz die Absage.

Wutrede von Musiker Olli Schulz

"Jeder W****** kann in seinem Biergarten wieder seine Weißwurst essen, aber 500 Leute dürfen nicht auf einer Wiese sitzen und ein Konzert sehen, mein Gott!", wütet Schulz. Den Frust, der sich bei ihm Bahn bricht, dürften jedoch viele aus der Kulturbranche teilen.

Olli Schulz und Jan Böhmermann
Musiker und Podcaster Olli Schulz (l.) und Jan Böhmermann
Quelle: ZDF

Ein erfolgreiches Konzept in der Pandemie hat unter anderem Johanna Orth entwickelt. Sie organisiert mit ihrem Veranstaltungsunternehmen "Landstreicher" seit dem vergangenen Sommer sogenannte Picknick-Konzerte. Dabei werden Konzerttickets für festgelegte Picknick-Plätze verkauft. So können Abstände eingehalten werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat der Kulturbranche weitere Corona-Hilfen des Bundes im Herbst in Aussicht gestellt. Das sagte sie in einem Bürgerdialog mit Kulturschaffenden.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Probleme auch nach der Pandemie

Nach dem Start in vier Städten in 2020 planen Orth und ihr Team in diesem Jahr Konzerte mit bis zu 2.000 Besuchern in 14 verschiedenen Städten. "Die Hoffnung ist zurückgekehrt, aber sie ist noch etwas gedämpft", erzählt sie im Interview mit ZDFheute.

Ich glaube, der Neustart in der Branche wird nicht leicht werden.
Johanna Orth, Geschäftsführerin Landstreicher Konzerte GmbH

"Viel Personal hat sich in der Pandemie anders orientiert, viele haben sich andere Jobs gesucht", so Orth. Für die Eventbranche sei es deshalb eine Herausforderung, genügend Mitarbeitende für Veranstaltungen zu finden. Der Mangel sei jedoch nicht das einzige Problem. "Wenn der Punkt kommt, an dem Veranstaltungen regulär stattfinden können, dann werden wir ein riesiges Überangebot haben", sagt Orth.

Dann werden alle Künstler wieder auf die Bühne wollen. Und kein Mensch kann sich 20 Konzertkarten im Monat kaufen.
Johanna Orth

Sie rechnet damit, dass die Besucherzahlen bei einzelnen Konzerten deutlich niedriger sein werden als vor der Pandemie.

Branche fordert Gleichbehandlung

Während die Konzerte wie das von Olli Schulz schon bei einer Besucherzahl von 500 abgesagt werden, spielt die deutsche Nationalmannschaft bei der Fußballeuropameisterschaft im Münchener Stadion vor 14.000 Zuschauern. "Das ist schon sehr ernüchternd", sagt Arnd Landwehr von der Messe und Veranstaltungsgesellschaft Trier. Landwehr freue sich für den Fußball, vermisse jedoch eine Gleichbehandlung.

"Ich glaube, in Deutschland werden unter dem Begriff Kultur häufig nur subventionierte Theater verstanden. Nicht die privaten Veranstalter, die mit ihrem eigenen Geld ins Risiko gehen", meint Landwehr.

Wahrscheinlich ist Kultur in Deutschland immer noch ein Luxusgut und nicht so relevant wie Baumarkt-Schrauben.
Arnd Landwehr, Veranstalter aus Trier

Konzert wird gerettet

Landwehr konnte das Olli-Schulz-Konzert nach der Absage retten. Statt wie geplant vor der Porta Nigra in Trier soll es nun an anderer Stelle mit mehr Fläche nachgeholt werden - mit ausreichend Platz für alle 500 zahlenden Gäste. Auch andere abgesagte Konzerte wie das von Campino wird Landwehr nachholen können. Olli Schulz wird das die Laune aufhellen und Arnd Landwehr wichtige Einnahmen bringen in einem Sommer, der für die Veranstaltungsbranche wieder ein Überlebenskampf ist.

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.