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Lockdown in Frankreich - Wenn der Apéro nur digital möglich ist

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Der Apéro läutet für die Franzosen den entspannten Teil des Tages ein. Wegen der Ausgangssperre verabreden sie sich dafür jetzt am Bildschirm. Doch ist das wirklich das Gleiche?

Frau trinkt ein Weinglas vor dem Laptop
Lockdown: Ein virtuelles Santé
Quelle: imago

Am Abend vor der zweiten Ausgangssperre ab 30. Oktober drängten sich die Franzosen in die Cafés. Die Sonne schien kräftig an diesem späten Herbsttag. Es war die vorerst letzte Gelegenheit für ein soziales Ritual: der Apéro. Nach dem Arbeitstag und vor dem Abendessen bei einem gemeinsamen Glas Kir oder etwas anderem zusammensitzen, das hat in Frankreich Tradition. 

Diese Stunde birgt eine besondere Magie. Dann ist es Zeit, den Tag ausklingen zu lassen. Es ist die Stunde für den Apéro, bei dem sich die Franzosen gerne angeregt unterhalten. Über alles und nichts, aber immer lebhaft. Mit dieser Tradition wollten sie auch während der Ausgangssperre nicht brechen und lassen sich von einem japanischen Trend inspirieren: der Aperitif vor dem Bildschirm.

Da die Zahl der Neuinfektionen in Frankreich sinkt, sollen die harten Corona-Ausgangssperren gelockert werden. Cafés und Restaurants bleiben allerdings weiterhin geschlossen.

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Per Video-Plattform zum Corono-Apéro einladen

In Tokio heißt das dann On-Nomi, in Paris Aperó-Zoom oder auch Corono-Apéro. Hierbei lädt der Gastgeber auf einer Video-Plattform seine Gäste ein. Ob Zoom, Skype, Whatsapp oder Houseparty - die App ist egal, solange alle Teilnehmer Zugriff haben. Einige Apps bieten auch Gesellschaftsspiele wie Trivial Pursuit, Uno und Karaoke an. 

Die Idee kommt bei allen Generationen gut an. Danielle, eine Französin um die 70, erklärt auf  Youtube einer befreundeten Seniorin, wie es geht. Dabei geht sie die einzelnen Schritte durch und nimmt ihren Altersgenossen die Angst vor dem Schritt ins Digitale. "Warum nicht Zoom nutzen, um einen ruhigen Moment mit Freunden zu teilen?", fragt sie. "Versucht es einfach mal."

Gelöste Stimmung, aber nicht das Gleiche

Ob diese digitalen Treffen mehr als ein Lückenfüller während der Pandemie sind, probieren Yvon, geselliger Vater zweier Töchter, und sein Freund Frederik aus. Normalerweise sitzen sie freitagnachmittags im Café gegenüber der Grundschule ihrer Töchter bei einem Gläschen zusammen, während die Mädchen im Park Fangen spielen.

Die Stimmung bei ihrem Apéro-Zoom ist gelöst, aber es ist nicht das Gleiche. Das Gespräch darüber, was der andere trinkt, ist ungewöhnlich lang, da auf dem Bild-Ausschnitt die Getränke nicht zu sehen sind. Auch sind es die beiden Freunde gewohnt, beim angeregten Gespräch an einem Tisch den anderen auch mal zu unterbrechen.

Cafés und Restaurants sind in Marseille geschlossen, dadurch fallen viele Nebenjobs weg. Studenten, die nicht genug Einkommen haben, können in einem Solidaritätsladen einkaufen.

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Einen gemeinsamen akustischen Raum gibt es beim digitalen Austausch nicht, sondern Mikrofon und Lautsprecher. "Das hat das Gespräch ein bisschen gebremst. Weil jeder spricht, abwartet und dann eine Antwort kommt", sagt Frederik. Er findet das digitale Treffen mit Yvon trotzdem gut:

Es ist eine kleine Rebellion gegen die eigene Ohnmacht in dieser Zeit, ...
Frederik

... nach dem Motto: Wir wollen uns trotzdem sehen und an diesem Brauch festhalten."

Apéro-Zoom auch mit dem Theater-Regisseur

Als wohltuende Abwechslung ein oder zweimal in der Woche: So sehen die Franzosen den Apéro-Zoom. Gerade für diejenigen, die alleine leben.

Auch außerhalb des Privaten ist der Apéro-Zoom inzwischen ein Weg, in entspannter Atmosphäre im Gespräch zum bleiben. So sucht das Théâtre de Grasse an der Côte d’Azur die Nähe zu seinem Publikum und lädt dazu ein, bei einem Apéro-Zoom mit dem Regissuer Jean Flores das Programm der kommenden Saison zu diskutieren. Für die ausgehungerte Theater-Community sind solche digitale Treffen aktuell mehr als willkommen.

In Gesellschaft sein, wenn auch digital. Für eine französische Kunst-Stickerin ist das eine Gelegenheit, wieder am Leben da draußen teilzunehmen. Oder wie sie es unter dem Pseudonym @Citroncaviar auf Twitter ausdrückt: endlich wieder ein Grund, sich die Haare zu waschen. 

Orsini's Egg

Haute Cuisine zum Mitnehmen  -
Diskrete Revolution in Pariser Sterneküchen
 

Es ist nicht lange her, da galt in Paris der Coffee-to go als kulturlos. Doch die geschlossenen Restaurants sorgen für ein Umdenken. Einblick in eine kulinarische Revolution.

von Madeleine Nissen
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