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Coronavirus - Impfungen in Frankreich starten mit Skepsis

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Auch Frankreich hat am Wochenende mit den ersten Corona-Impfungen begonnen - jedoch mit weniger Aufsehen als andere Länder. Denn viele Franzosen sind skeptisch.

Am Wochenende fand in zahlreichen europäischen Ländern der Impfstart gegen Corona statt. Alle mit dem gleichen Impfstoff, aber mit unterschiedlicher Priorität, wer zuerst geimpft wird. Ein Blick nach Italien, Frankreich und Belgien.

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Mit viel Aufsehen starteten Länder in Europa am Wochenende ihre Coronavirus-Impfkampagnen, nicht aber Frankreich. Das Land ging deutlich zurückhaltender an die Sache heran, da etliche französische Bürgerinnen und Bürger Impfmitteln gegenüber skeptisch eingestellt sind.

Nach der Verabreichung der ersten Corona-Impfung am Sonntag bei der 78-jährigen Mauricette, rief Präsident Emmanuel Macron seine Landsleute auf:

Lasst uns Vertrauen in unsere Forscher und Ärzte haben. Wir sind die Nation der Aufklärung und von [Impfstoff-Vorreiter Louis] Pasteur. Vernunft und Wissenschaft sollten uns leiten.
Emmanuel Macron, Präsident Frankreichs

Viele Franzosen sorgen sich vor der Impfung

Viele Franzosen sind aber besorgt. Sie erinnern sich an Gesundheitsskandale aus den vergangenen Jahrzehnten, darunter welche, bei denen es um eine falsche Handhabung von Impfstoffen ging.

Sie sorgen sich, dass die Coronavirus-Impfstoffe zu schnell entwickelt worden seien, großen Pharmaunternehmen Profit bescheren sollten oder das Risiko von Langzeit-Nebenwirkungen hätten, von denen die Welt erst in mehreren Jahren erfahren werde.

Ältere und medizinische Angestellte werden zuerst geimpft

Rund ein Drittel der fast 63.000 Corona-Toten in Frankreich ist in Pflegeheimen gestorben. Daher lässt die Regierung zuerst die Älteren und einige gefährdete medizinische Angestellte impfen.

"Ich bin sehr gerührt", sagte Mauricette, als ihr gesagt wurde, dass sie als erste Person in Frankreich den Impfstoff erhalten wird. "Wir mussten sie nicht überzeugen", sagte der Chef für Dienste für ältere Menschen in Mauricettes Pflegeheim in Sevran, Samir Tine. "Sie sagte, 'ja, ich bin bereit für alles, um zu vermeiden, diese Krankheit zu bekommen'."

Es ist ein wichtiger Tag. Wir sind sehr darauf erpicht, eine neue Waffe zu unserer Verfügung zu haben, und wir sind sehr darauf erpicht, unsere normalen Leben wiederzuentdecken.
Samir Tine, Mitarbeiter in einem Pflegeheim

Frankreichs Regierung ist vorsichtig

Nachdem sie von einem Hepatitis-B-Impfstoff 2010 schwere Nebenwirkungen erlitt, braucht Justine Lardon zum Gehen eine Krücke. Sie zögert bei der Frage, ob sie sich gegen das Coronavirus impfen lassen soll.

Lardon sagte der regionalen Zeitung "Le Progrès", dass sie Impfungen unterstütze, sie habe aber Sorgen, dass Ärzte nicht genug auf individuelle gesundheitliche Probleme achteten. "Wenn [der Impfstoff] die Epidemie auslöschen kann, ist das wirklich großartig, aber ich will keinen Impfstoff, der eine Zeitbombe ist", sagte sie der Zeitung zufolge.

Die französische Regierung setzt auf eine vorsichtige Herangehensweise. Sie will nicht den Eindruck erwecken, als ob sie die Öffentlichkeit zur Impfung zwingt. Die Behörden überlassen es den Ärztinnen und Ärzten, Patienten davon zu überzeugen, dass der Impfstoff in deren Interesse sei. Macron bekräftigte am Sonntag, dass die Impfung kostenlos sein werde - und nicht vorgeschrieben.

Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran verwies in einem Interview der Zeitung "Journal du Dimanche" darauf, dass die Infektionen in Frankreich in einigen Regionen wieder zunehmen - insbesondere unter älteren Menschen in ländlichen Gebieten. Der Druck auf Krankenhäuser könnte wieder steigen, mahnte Véran. Die Regierung schließe einen dritten Lockdown nicht aus.

Im Januar dieses Jahres vermeldet Frankreich den ersten Corona-Fall in Europa. Mit voller Wucht überrollt das Virus das Land; trotz Lockdown wird es eine Dauerkrise. Und nun ist auch Präsident Macron infiziert.

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Aktuelles zur Coronavirus-Krise

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