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Delta-Variante in Großbritannien : Tag der Freiheit oder nächste Welle?

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Von wegen "Freedom-Day" am 21. Juni: Die gefürchtete Delta-Variante des Virus lässt die Corona-Zahlen in ganz England wieder steigen - die Angst vor einer neuen Welle geht um.

Zwei Frauen mit Masken beim Shoppen. Symbolbild
Der "Freedom Day" fällt wohl eher aus - die Corona-Zahlen in England steigen wieder.
Quelle: Victoria Jones/PA Wire/dpa

Kein guter Beitrag fängt mit nackten Zahlen an. Und so verheißt auch dieser Beitrag nichts Gutes. Wochenlang war unklar: Wie ansteckend ist die zuerst in Indien nachgewiesene Delta-Variante? Führt sie zu mehr schweren Krankheitsverläufen? Hilft es, dass schon mehr als die Hälfte aller Erwachsenen zweifach geimpft ist, fast 80 Prozent einmal? Die Antworten der englischen Gesundheitsbehörde sind nichts für schwache Nerven.

Delta ist mit 91 Prozent aller Fälle in der vergangenen Woche in England zur dominanten Corona-Variante geworden. 30.000 Fälle, die Zunahme ist fast doppelt so stark wie bei Alpha, der britischen Variante, die sich im Winter erst auf der Insel und dann in ganz Europa wie ein Lauffeuer verbreitete.

Die meisten Fälle bei Ungeimpften

Geschätzt 64 Prozent ansteckender als Alpha, die ja schon 50 Prozent ansteckender war als das Ursprungsvirus. Die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs ist zweimal so hoch. Die weitaus meisten Fälle treten bei Ungeimpften auf, was erklärt, warum die 10- bis 19-Jährigen am stärksten betroffen sind.

Die Zahlen betreffen Einweisungen ins Krankenhaus, die Anzahl tödlicher Verläufe ist noch niedrig. Aber jeder dritte an Delta Verstorbene war komplett geimpft. Allerdings ist die Zahl der Fälle sehr gering. Zudem ist nichts über mögliche Vorerkrankungen und auch nicht über das Alter der Verstorbenen bekannt.

Mit 36 nachgewiesenen Fällen taucht eine weitere Mutation von Delta auf, die eine Veränderung aufweist, die man von der erstmals in Südafrika entdeckten Beta-Variante kennt. Und die in Verdacht steht, den Schutz durch Impfstoffe stark zu reduzieren.

Noch wirken die Impfstoffe

Wochenlang hatte man auf ein klareres Bild gewartet, nun ist es da. Professor Adam Finn von der britischen Impf-Kommission ist zwar besorgt, dass sich Delta schneller ausbreitet als gehofft - aber die Impfstoffe wirken noch.

Je größer die Zahl der Geimpften, desto kleiner wird diese Welle ausfallen.
Adam Finn, britische Impf-Kommission

Das große Aber: Es gibt noch Millionen, die nicht geschützt sind. Auch Erstgeimpfte, vor allem mit Astrazeneca, sind nur partiell sicher, so Impf-Minister Nadhim Zahawi. Der darauf hinweist, dass die Vakzine zumindest bislang helfen, dass aus einer Infektion viel seltener ein schwerer Verlauf werde, der noch seltener zum Tod führe.

Expertin: "Zu frühes Öffnen rächt sich"

Am 21. Juni sollen in Großbritannien die verbleibenden Corona-Beschränkungen fallen - die Briten freuen sich auf den "Freedom Day". Doch wird er kommen? Montag will die Regierung in London ihre Entscheidung bekanntgeben. Die schon gefallen zu sein scheint, meinen viele Beobachter: Es läuft auf eine Verschiebung um vier Wochen hinaus. Zu groß die Gefahr nach den jüngsten Zahlen, dass sich doch eine dritte Welle aufbaue, die das Gesundheitssystem überlasten könnte, erklärt Devi Sridhar, Professorin für öffentliche Gesundheit an der Universität Edinburgh.

Die Verlängerung soll Zeit bringen, um bei erhöhtem Impftempo noch mehr Menschen zweifach zu impfen. "Die Impfstoffe bringen uns in eine bessere Position", ergänzt Sridhar. Einen weiteren nationalen Lockdown sehe sie nicht. Dafür aber warnt sie. "Weiter impfen, nicht zu sehr freuen über die niedrigen Zahlen. Zu frühes Öffnen rächt sich sonst. Denn Delta ist auch in Deutschland"

21. Juni als Freiheitstag düfte ausfallen

Dass Delta überhaupt so schnell in England Fuß fassen konnte - es scheint wieder eine Fehlleistung der Regierung zu sein. Wochenlang warnten Wissenschaftler: Reisen von und nach Indien stoppen! Obwohl Nachbarländer wie Pakistan schon auf der roten Liste standen, passierte nichts. Angeblich sollten Gespräche über einen Handelsvertrag nicht durch ein Reiseverbot belastet werden.

Und so brachten Tausende, die noch fliegen durften, Delta in zu viele Gegenden, als dass man die Ausbreitung noch hätte stoppen können. Nun dürfte der 21. Juni, der Freiheitstag, erst mal ausfallen. Was für viele verschmerzbar ist, denn die Öffnungsschritte zuvor haben eine Menge Freiheiten zurückgebracht. Aber die Stornierung droht etwas anderes zu nehmen: die Zuversicht, dass die Pandemie bald vorbei ist.

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