Sie sind hier:

Gedenken an Corona-Opfer - Wie man mit der Trauer zurechtkommen kann

Datum:

Deutschland gedenkt heute der Toten der Corona-Pandemie. Dennoch ist gemeinsames Trauern aktuell kaum möglich. "Das macht uns das Trauern sehr schwer", sagt eine Betroffene.

Deutschland gedenkt heute der Toten der Corona-Pandemie. Dennoch ist gemeinsames Trauern aktuell kaum möglich. "Das macht uns das Trauern sehr schwer", sagt eine Betroffene.

Beitragslänge:
6 min
Datum:

Die Krankenschwester Christin hat ihre Mutter an eine Covid-Erkrankung verloren. Seit dem Jahreswechsel hatte die 58-Jährige auf der Intensivstation gelegen, am 28. Februar entschied die Familie gemeinsam mit den Ärzten, die Behandlung einzustellen.

Gleichzeitig findet sie es schwierig zu trauern, weil das Thema Corona täglich präsent ist: "Man kommt nicht davon weg. Das ist noch mal belastend." Ihr fehlt der Kontakt zur Familie, Umarmungen und das Treffen mit Menschen, die etwas weiter entfernt wohnen: "Wir können nicht beieinander sitzen und gemeinsam trauern. Das macht uns das Trauern sehr schwer."

"Ein Gedenktag bringt die Menschen nicht zurück"

Von der Bundesregierung würde sie sich wünschen, dass sie es Hinterbliebenen ermöglicht, gemeinsam zu trauern, auch im Rahmen einer Trauerfeier. Wer gerade einen Menschen verloren hat, hat auch erfahren, wie riskant eine Ansteckung ist. Hier findet sie, könnte Trauernden mehr Eigenverantwortung zugestanden werden.

"Ein Gedenktag bringt die Menschen nicht zurück", sagt Christin. Ein solcher Tag hilft den Hinterbliebenen nicht beim Trauern. "Man sollte mehr über die Trauer reden", wünscht sie sich.

Inzwischen sind in Deutschland mehr als 80.000 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Geht man von jeweils 20 Hinterbliebenen aus, sprechen wir von etwa 1,6 Millionen Menschen, die jemanden verloren haben. All diese Menschen werden jeden Tag mit der Corona-Pandemie konfrontiert. Wie soll man da trauern können?

"Die ganze Weltbevölkerung muss in einen Trauerprozess gehen"

Trauerbegleiterin Anemone Zeim sagt: "Die Trauer ist eine emotionale Reise. Wir befinden uns aber noch mitten in der Pandemie." Was gerade passiere, könne nicht in wenigen Monaten aufgearbeitet sein. "Die ganze Weltbevölkerung muss in einen Trauerprozess gehen und sich von den Zukunftsplänen der Vergangenheit verabschieden."

Deutschland gedenkt heute der Toten der Corona-Pandemie. Dennoch ist gemeinsames Trauern aktuell kaum möglich. "Das macht uns das Trauern sehr schwer", sagt eine Betroffene.

Beitragslänge:
6 min
Datum:

Zeim bezieht dies auf die Trauer um verlorene Menschen, aber auch um das Leben vor der Pandemie:

Schwierig wird es, wenn wir nur an das Gestern denken, nur an das Verlorene. Trauer erfordert auch Pragmatismus. Man muss auf Ideen kommen.
Trauerbegleiterin Anemone Zeim

Handlungsanweisungen helfen gegen das Gefühl der Hilflosigkeit

Trauerbegleiterin Zeim rät dazu, am Gedenktag eine Verbindung zu schaffen. "Rituale sind wichtig in der Trauer. Wer trauert, weiß erst einmal nicht, was er tun soll. Rituale können da helfen, können Handlungsanweisungen sein."

Auf dem Foto ist die eine Hand zu sehen, sie legt eine weiße Rose auf einen Grabstein.

Nachrichten | Panorama - Tod und Trauer während Corona 

Gerade jetzt fielen aber die klassischen Rituale weg: Beerdigungsfeier, das gemeinsame Essen, tröstliche Umarmungen. "Das führt bei vielen Menschen zu einer empfundenen Hilflosigkeit." Zeim stellt bei Hinterbliebenen derzeit oft den Wunsch fest, neue Rituale zu entwickeln.

Gemeinsame Rituale können bei der Verarbeitung helfen

In einer Gemeinschaft können Rituale ein Gegengewicht zur Trauer schaffen: "Ein reiner Gedenktag ist gut, aber zu kurz gedacht. Menschen brauchen etwas, das sie aktiv tun können.“ Der Gedenktag könne dann Sinn schaffen, wenn eine Gemeinsamkeit entsteht. Gemeinsame Handlungen könnten zum Beispiel sein:

  • Worte zum Gedenken auf einen Stein schreiben, und Türme zu errichten
  • Ballons mit den Namen der geliebten Menschen aufsteigen zu lassen.
  • Dritte können Hinterbliebenen „Erinnerungen schenken“, also Geschichten erzählen, die diese vielleicht noch nicht kannten.

"Unsere Kultur ist geübt mit Ritualen", sagt Zeim. Durch die Veränderungen der Pandemie sei es aber Zeit, neue Rituale zu entwickeln. Sie geben Struktur und schaffen eine Verbindung zwischen den Menschen.

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.