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Nach mysteriösem Fall in Halle - Können Corona-Geimpfte andere anstecken?

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Doppelt geimpft, negativer Schnelltest - doch dann zeigt ein PCR-Test eine hohe Viruslast. Was hinter dem Fall steckt und was wir zur Virusübertragung bei Geimpften wissen.

Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara
Das Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara in Haale (Saale).
Quelle: Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara

Ein mysteriöser Fall aus Halle in Sachsen-Anhalt macht deutlich, wie tückisch das Coronavirus ist - und wirft gleichzeitig die Frage auf, wie ansteckend auch Geimpfte noch sein können. Was war passiert? Eine gegen Corona geimpfte Person wurde im Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara Halle routinemäßig auf Corona getestet. Die Klinik möchte keine Angaben machen, ob es sich in dem Fall um einen Mann oder eine Frau handelt, auch nicht, ob Patient oder Mitarbeiter.

Ein Schnelltest fiel negativ aus. Doch ein ebenfalls routinemäßig durchgeführter PCR-Test war positiv - mit einer hohen Viruslast.

Bernd Wiegand, der Oberbürgermeister der Stadt Halle, nahm den Fall zum Anlass, in einem Video zur aktuellen Corona-Lage alarmistisch zu warnen, die Person sei so "womöglich völlig unwissentlich zu einem Superspreader geworden". Allerdings ist bisher nach Aussagen eines Klinksprechers nicht klar, ob überhaupt andere infiziert wurden, wenn auch manche Medien genau das berichteten.

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Haben wir es hier mit einem völlig neuen, bisher unbekannten Virustyp zu tun, der nicht mehr auf Schnelltests anspringt und trotz Impfung übertragen werden kann? Vermutlich nicht - andere Erklärungen sind wesentlich plausibler.

Virus ist vermutlich die britische Mutante

Der Ärztlicher Direktor des Krankenhauses Hendrik Liedtke nimmt an, dass es sich in diesem Fall mit hoher Wahrscheinlichkeit um die britische Variante des Virus B.1.1.7 handelt: "B.1.1.7 ist das beherrschende Virus und wir gehen davon aus, dass die absolute Mehrzahl dieser Fälle, die wir hier im Krankenhaus haben, durch dieses Virus verursacht wurde", so Liedkte im Gespräch mit ZDFheute.

Hendrik Liedtke
Hendrik Liedtke, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses St. Elisabeth und St. Barbara in Halle (Saale)
Quelle: Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara / Marco Warmuth

Ein genaues Ergebnis werde man frühestens in einer Woche haben, weil die Sequenzierung des Virus so lange dauert - das habe aber "kaum noch praktische Relevanz."

Können Geimpfte andere anstecken?

Doch wie kann es sein, dass eine bereits vollständig geimpfte Person positiv auf das Coronavirus getestet wird? "Neu ist, dass wir jetzt feststellen müssen, dass offenbar geimpfte Personen auch positiv getestet werden können. Was wir noch nicht wissen ist, ob die auch dieses Virus weitergeben", so Liedke.

Klar ist: Die bisher zugelassenen Impfstoffe schützen zwar vor Covid-19 - man spricht von "klinischer Immunität". Dennoch ist nicht augeschlossen, dass Geimpfte das Virus übertragen können. Erst, wenn das Immunsystem in der Lage ist, Coronaviren sofort abzufangen, bevor sie in die Körperzellen eindringen und sich vermehren können, spricht man von "steriler Immunität". Nur dann kann man das Virus auch nicht mehr weitergeben.

Können Geimpfte noch Überträger des Coronavirus sein? Es deutet viel darauf hin, auch wenn es noch keine eindeutigen Ergebnisse gibt, erklärt der Infektiologe Leif Erik Sander im heute journal.

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Das Problem: Bisher ist wenig erforscht, inwieweit die Corona-Impfungen nicht nur vor Symptomen, sondern auch vor der Virenvermehrung im Körper schützen. Erste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Impfstoffe auch die Übertragung des Coronavirus verhindern können - wenn auch nicht mit 100-prozentiger Sicherheit.

Studie: Biontech/Pfizer verhindert Übertragung zu rund 90 Prozent

In einer noch unveröffentlichten Studie aus Israel mit dem Biontech-Impfstoff konnte nachgewiesen werden, dass rund 90 Prozent der Geimpften das Virus nicht mehr weitergeben. Sie waren demnach kaum mehr ansteckend.

Bei einer Studie in Großbritannien mit dem Impfstoff von Astrazeneca habe sich gezeigt, dass 50 bis 60 Prozent der geimpften Probanden später nicht mehr corona-positiv gewesen seien - und damit das Virus nicht mehr übertragen können, sagt der Infektiologe Leif Erik Sander im Interview mit dem heute journal. "Dieser Effekt wird bei den verschiedenen Impfstoffen zu sehen sein, die Frage ist, ob er bei allen gleich ausgeprägt ist", so Sander.

Schnelltests weniger zuverlässig als PCR-Tests  

Dass Impfungen keinen 100-prozentigen Schutz davor bieten, das Virus weiterzuverbreiten, ist offenbar vielen nicht bewusst.

Es beunruhigt mich, dass viele, die geimpft sind, sich durch die Impfung in Sicherheit wiegen. Sie tragen keinen Mund-Nasen-Schutz mehr, berufen Familienfeiern ein und werden laxer im Umgang mit den Hygieneregeln. Das gibt dem Virus die Chance, sich weiterzuverbreiten.
Hendrik Liedtke, Ärztlicher Direktor Krankenhauses St. Elisabeth und St. Barbara Halle

Doch warum fiel der Corona-Schnelltest negativ aus, obwohl der PCR-Test danach positiv war? "Es war von Anfang an allen klar, dass Schnelltests nicht das hohe Maß an Sicherheit bieten, den ein PCR-Test erlangen kann. Sie liefern eben auch falsch-negative Ergebnisse", sagt Liedke. Somit lag der Schnelltest offenbar falsch.

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Eine andere Möglichkeit wäre, dass der PCR-Test ein seltenes - aber mögliches - falsch-positives Ergebnis lieferte. In jedem Fall wäre der Fall in Halle weniger spektakulär als es zunächst klingt. Doch er zeigt einmal mehr, dass das Coronavirus nicht leicht zu besiegen ist.

Hendrik Liedke sagt: "Das Virus trickst uns aus. Das ist ja eine Erfahrung die wir seit zwölf Monaten machen. Immer, wenn wir geglaubt haben, wir haben den Stein der Weisen gefunden, kommt es um die Ecke und macht uns einen Strich durch die Rechnung."

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von Susanne Gindorf-Litz
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