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Junge Menschen und Corona : Eine Generation in Klammern

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Corona ist für junge Menschen eine große Herausforderung. Wichtige Lebensentscheidungen müssen verschoben oder durch Alternativen ersetzt werden. Folgt eine Generation Corona?

Archiv: Eine Schülerin einer Gesamtschule in Münster sitzt mit Atemschutzmaske am Tisch und schreibt.
Junge Menschen stellen jetzt die Weichen für ihr weiteres Leben - eigentlich. Die Corona-Pandemie setzt auch ihren Alltag auf Stillstand. Was macht das mit ihnen?
Quelle: dpa

Die Corona-Pandemie bestimmt seit fast einem Jahr den Alltag der Erwachsenenwelt. Welche Bedeutung die veränderte Wirklichkeit für Jugendliche und junge Erwachsene hat, geht angesichts der vielen Herausforderungen durch die Lockdowns und das Social Distancing nahezu unter.

Doch gerade sie werden noch lange mit den Folgen für ihre Lebensplanung zu kämpfen haben: Macht es Sinn, die geplante Ausbildung zu machen? Wird das nächste Semester wieder im Hörsaal stattfinden können?

Zukunftssorgen: Corona verunsichert Jugendliche

Professor Michael Corsten sieht eine "Generation in Klammern" heranwachsen, die sich permanent umorientieren muss und für die die Zukunft auf Widerruf gesetzt ist.

Es ist nicht mehr sicher, wovon in nächster Zeit auszugehen ist. Die nächsten Schritte der mittelfristigen Lebensplanung in Bildung, Beruf und Familie sind schwer absehbar.
Prof. Michael Corsten, Soziologe

Das könne zu viel Frustration führen. In Schule und Studium verpasse sie einiges. Beim Berufseinstieg werde sie krisenbedingt wohl schlechter bezahlt, das lasse sich möglicherweise über das gesamte Erwerbsleben nicht ausgleichen. Und manche berufliche wie private Gelegenheiten - etwa ein Auslandsjahr - könne man vermutlich nicht nachholen.

Professor Michael Corsten, der an der Universität Hildesheim zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf junge Menschen forscht, hat den Begriff "Generation Corona" mitgeprägt.

Forscher: Junge Menschen stellen jetzt Weichen für die Zukunft

Der Sozialwissenschaftler Corsten gibt zu bedenken: "Die Folgen der Corona-Pandemie betreffen die junge Generation besonders, weil im Alter zwischen 18 und 30 Jahren viele die Weichen für ihr weiteres Leben stellen: Sie beenden die Schule, ziehen von Zuhause aus, beginnen zu studieren oder schließen eine Ausbildung ab, gründen vielleicht eine Familie." Doch gerade hier sind die nahen Zukunftsaussichten im Moment besonders schwer einzuschätzen.

Die junge Generation steht auf dem Wartegleis

Wichtige Entscheidungen werden entweder verschoben oder durch Zwischenlösungen ersetzt. Wenn es Kontaktbeschränkungen gibt, wo soll man Menschen kennenlernen, in die man sich verlieben kann? Es ist ungewiss, ob der Wunschberuf weiter in der bekannten Form besteht.

"Die junge Generation steht auf dem Wartegeleis. Sie muss sich auf Provisorien, aufs Warten und Geduld einlassen und ist verunsichert", unterstreicht auch Simon Schnetzer. Der selbstständige Jugendforscher ist überzeugt: "Zusätzlich zu einem Plan A muss auch Plan B und C mitgedacht werden."

Ein Corona-Stipendium als neue Perspektive

Für den selbstständigen Jugendforscher steht vor allem eines im Mittelpunkt: "Gerade jetzt müssen junge Menschen stärker in die Gestaltung der Zukunft eingebunden werden. Denn für sie geht es um die nächsten Jahrzehnte ihres Lebens." Der Autor der Studienreihe "Junge Deutsche" fordert, Corona-Investitionen stärker daran auszurichten, dass nachkommende Generationen, "die die Rechnung zahlen", auch etwas davon haben: "Zentrale gesellschaftliche Aufgabe ist es Angebote schaffen, um das Corona-Loch für junge Menschen im Übergang zu verhindern."

Jugendforscher: Pandemie kann Chance sein

Simon Schnetzer denkt dabei in erster Linie an ein Corona-Stipendium, um mit einer neuen Perspektive aus der Krise herauszukommen. Seine Idee: Anstelle einer coronabedingten Lücke im Lebenslauf soll ein Angebot stehen, das den jungen Menschen Sozialleistungen erspart und gleichzeitig ihr kreatives Denken nutzt.

Sie sollen vor dem Hintergrund des demographischen Wandels Politik, Unternehmen und Verbänden dabei helfen, Perspektiven für die Zukunft zu gestalten.
Simon Schnetzer, Jugendforscher

Für den Jugendforscher liegt in der Pandemie auch eine Chance für die "Generation in Klammern".

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