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Influenza im Herbst - Wie heftig wird die kommende Grippe-Saison?

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Im letzten Jahr ist die Grippewelle nahezu komplett ausgeblieben. Einige Experten befürchten daher in dieser Saison sehr viel mehr Infektionen. Sicher ist das allerdings nicht.

ZDFheute live spricht mit Dr. Christoph Spinner über die Möglichkeit einer kommenden Grippewelle, welche Folgen sich daraus ergeben und wie man sich schützen kann.

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39 min
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Im vergangenen Jahr sind nur wenige Menschen an Grippe erkrankt. In Deutschland wurden in der Saison 2020/21 lediglich 564 Fälle von Influenza registriert. Zum Vergleich: 2019/20 waren es noch 186.919 Fälle, in der Saison 2017/18 sogar 333.567 Infektionen.

Hauptgrund für die ausgebliebene Grippewelle waren die umfassenden Corona-Hygieneregeln. Für diesen Winter rechnen Experten nun mit einer deutlich höheren Zahl an Grippe-Erkrankungen. Auch, weil sie letztes Jahr nahezu ausgeblieben sind. "Nach einer sehr schweren Grippewelle fällt die nächste Saison meist sehr viel milder aus, weil sehr viele Menschen schon mit den Viren in Berührung gekommen sind. Nun haben wir die gegenteilige Variante", sagte der Infektiologe Christoph Spinner bei ZDFheute live:

Dr. Christoph Spinner erklärt, warum gerade nach einer schwachen Grippewelle die Gefahr einer starken im folgenden Jahr besonders groß ist.

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Wieso könnte die Grippesaison diesen Winter heftiger werden?

Das sehen andere Experten ähnlich: "Es gibt zwei Faktoren, die nahelegen, dass die Grippe-Saison heftiger wird als in den letzten Jahren", erklärt der Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin Prof. Dr. Klaus Wahle gegenüber ZDFheute. Er ist Sprecher des Projekts Grippeschutz, einer Initiative von Infektionsschutz-Expert*innen mit dem Ziel, die Grippe-Immunisierung in Deutschland zu verbessern. Von 2004 bis 2011 war er Mitglied der Ständigen Impfkommission beim Robert-Koch-Institut. 

Zum einen könnte durch das Ausbleiben der Welle im letzten Winter eine sogenannte "Immunitätslücke" entstanden sein. Die Immunität gegen Influenza-Viren entsteht, wenn wir uns jährlich infizieren oder impfen. Da es 2020/21 kaum Infektionen gab, ist die Grundimmunität in der Bevölkerung möglicherweise geringer.

Zum anderen ist nicht sicher, ob die Grippe-Impfstoffe in dieser Saison ideal gegen die Viren wirken. In der Regel beobachtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Verbreitung von Influenzaviren im jeweils anderen Teil der Welt, um die Zusammensetzung des Impfstoffs zu planen. Für Europa wird also die Entwicklung in der südlichen Hemisphäre untersucht. Da die Grippe aber weltweit kaum ausgeprägt war, könnte es ein sogenanntes "missmatch" geben, das heißt, die Impfung schützt vor Virenstämmen, die gar nicht in allzu großer Zahl zirkulieren.

Die Wirksamkeit der Impfstoffe könnte sehr viel geringer sein. Aber: Ein bisschen Wirkung ist besser als keine.
Prof. Dr. Klaus Wahle

Hat die Grippe-Welle schon begonnen?

Für Deutschland ist das im Robert-Koch-Institut angesiedelte nationale Referenzzentrum für Influenzaviren das von der WHO anerkannte Labor zur Überwachung der Influenza-Situation. Insgesamt gibt es weltweit in 123 WHO-Mitgliedsstaaten solche Labore (rund 150 insgesamt). Dort werden Proben von Erkrankten untersucht, um die Virustypen zu bestimmen, die zur Infektion geführt haben. Aktuell werden weltweit noch sehr wenige Fälle von Grippe-Infektionen gefunden.

Weltweite Verbreizung von Influenza-Viren
Weltweite Verbreizung von Influenza-Viren in den Jahren 2018 -2021.
Quelle: WHO

Silke Buda ist eine der Influenza-Expert*innen des Robert-Koch-Instituts. Für sie ist es noch nicht klar absehbar, wie sich die Grippe-Saison entwickeln wird.

Die weltweite Zirkulation ist noch nicht wieder in Gang gekommen, auch nicht auf der Südhalbkugel. Unter anderem liegt das am geringeren Reiseverkehr und den Maßnahmen gegen Covid-19.
Silke Buda, Robert-Koch-Institut

Aktuell macht die Grippe nur 0,5 Prozent der beim RKI registrierten Atemwegserkrankuneg aus. Ob das so bleibt, werden die kommenden Wochen zeigen, so Buda:

Ganz verschwinden wird die Grippe sicher nicht. Man muss sich auf alles einstellen: Es kann sein, dass sie früher startet, dass sie heftiger wird oder weniger heftig ausfällt.
Silke Buda, Robert-Koch-Institut

Ähnlich sieht es auch Dr. Klaus Wahle: "Eins ist klar: die nächste Influenza kommt. Wir können aber aktuell nur vermuten, dass sie stärker wird." Mit Blick auf die Grippe-Impfung fügt er noch hinzu:

Vorbeugen ist besser als heilen.
Prof. Dr. Klaus Wahle

Wer sollte sich besonders gegen die Grippe schützen?

Für die meisten gesunden Menschen ist eine Grippeinfektion nicht lebensbedrohlich. Für ältere Menschen und Personen mit anderen Erkrankungen kann sie aber zur Gefahr werden. So starben in der besonders schweren Grippewelle 2017/18 geschätzt 25.100 Menschen in Deutschland durch Influenza. Eine Grippe-Impfung wird daher von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für folgende Gruppen empfohlen:

  • Für alle Personen ab 60 Jahren,
  • für alle Schwangeren ab dem 4. Monat der Schwangerschaft, bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens ab Beginn der Schwangerschaft,
  • für Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung durch etwa chronische Krankheiten der Atmungsorgane, Herz- oder Kreislaufkrankheiten, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes oder andere Stoffwechselkrankheiten,
  • für Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen sowie für
  • Personen, die als mögliche Infektionsquelle im selben Haushalt lebende oder von ihnen betreute Risikopersonen gefährden können.

Christoph Spinner meint:

Die Impfung macht für jeden Sinn. Insbesondere wird sie aber für ältere Menschen jenseits der 60 empfohlen, für Menschen mit chronischen Krankheiten und Menschen, die im Beruf viele Kontakte haben.
Christoph Spinner, Infektiologe

In der Geschichte suchten Seuchen meist ohne Vorwarnung die Menschheit heim - darunter Grippe, Pest und Cholera, Ebola und AIDS. ZDF-History erzählt die Geschichte der großen Seuchen.

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31 min
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Gibt es genug Grippe-Impfstoff?

Aktuell gibt es eine hohe Nachfrage nach Grippeschutz-Impfungen "Erste Arztpraxen melden, dass sie keine Grippe-Impfstoffe mehr haben", sagte Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein, der Zeitung "Rheinische Post". Das sei aber eigentlich ein gutes Zeichen:

die kurzfristigen Engpässe sind ein Zeichen für eine hohe Nachfrage nach Grippeimpfungen, und das ist grundsätzlich positiv.
Thomas Preis

Es bestehe keinen Grund zur Sorge. Der Verband gehe davon aus, dass die Produktionskapazitäten der Hersteller in dieser Saison vollkommen ausreichend sind.

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