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Großbritannien nach Freedom Day : Vorerkrankte verstecken sich vor Corona

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Im Juli fielen die Corona-Beschränkungen in Großbritannien. Doch es gibt einige, denen das Angst macht. Viele davon sind vorerkrankt: Sie verstecken sich, um sich zu schützen.

Eine Frau mit Schutzmaske in einem öffentlichen Transportmittel in London
Im Sommer verkündete Großbritannien den "Freedom Day".
Quelle: imago

Seit dem Freedom Day am 19. Juli gibt es in Großbritannien keine Corona-Beschränkungen mehr. Etliche Briten und Britinnen strömten auf die Straßen und feierten ihre wiedergewonnene Freiheit. Bei aller Euphorie wurden oft diejenigen vergessen, die sich schutzlos dem Virus ausgeliefert sehen: Vorerkrankte oder Menschen mit schwachem Immunsystem - so wie die 17-jährige Vanessa.

Teenie seit 20 Monaten isoliert

Vanessa verlässt das Haus nicht. Ihre Geschwister gehen wieder zur Schule, doch sie bleibt zu Hause - seit Beginn der Pandemie. Die 17-Jährige leidet an Sichelzellenanämie, einer seltenen Blutkrankheit. Sieben Schlaganfälle, eine Knochenmarktransplantation und nun auch zwanzig Monate Isolation liegen hinter ihr. Das Mädchen sei oft depressiv, erzählt ihre Mutter.

Der Vater hat den Job gekündigt, um seine Kontakte zu reduzieren und die Tochter nicht zusätzlich zu gefährden. Die Mutter arbeitet nur noch von zu Hause aus. Die kleinste Erkältung kann zu einer tödlichen Bedrohung für Vanessa werden. Die Folge: ein Leben hinter verschlossener Tür. Für eine Jugendliche mitten in der Pubertät besonders schwer.

Für meine Familie war es nicht leicht. Ich musste ständig Nein sagen. Und dann erklären, dass man seine Freunde nicht sehen kann.
Bukie Adebola-Ezeh, Mutter von Vanessa

Immer wieder dasselbe: "Nein, wir können keine Leute einladen. Nein, wir können nicht ins Kino gehen. Das war für meine Kinder überhaupt nicht einfach. Auch für mich als Erwachsene nicht."

Familie erkrankte an Corona

Die Geschwister gehen wieder in die Schule. Bevor sie das Haus betreten, müssen sie sich testen. Doch trotz aller Vorsichtsmaßnahmen infizierte sich die Familie im Sommer mit Corona - auch Vanessa, so erzählt es Mutter Bukie: "Ich sagte, du kannst deine Maske abnehmen und sie nahm sie ab. Sie drehte sich zu mir um: 'Habe ich Covid, Mama?' Ich sagte: 'Ja.' Dann weinte sie: 'Ich will nicht sterben!'"

Die Jugendliche wurde von einem schweren Verlauf verschont. Doch die Angst davor sitzt nach wie vor tief. Wie bei so vielen der 1,7 Millionen Briten und Britinnen, die der nationale Gesundheitsdienst NHS vergangenes Jahr angewiesen hatte, sich in Selbstisolation zu begeben. Sie sind vorerkrankt und galten als stark gefährdet.

Schon am Freedom Day war die Inzidenz in Großbritannien bereits wieder hoch und stieg aufgrund der Delta-Variante weiter.

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Johnson ignoriert Warnungen der Wissenschaft

Offiziell aber nur bis zum 19. Juli. Denn seit dem Freedom Day erklärt die Regierung, auch die Vorerkrankten hätten nichts mehr zu fürchten. Aaron Foulds sieht das anders. Er leidet an starkem Asthma, traut sich neben der Arbeit nur für Spaziergänge vor die Tür – trotz doppelter Impfung.

"Es war fast so, als ob die Regierung einfach aufgegeben hätte und so tut, als ob es Corona einfach nicht mehr gibt."

Aber es braucht nicht viel, um zu realisieren: Das Virus ist immer noch da draußen.
Aaron Foulds, Asthmatiker

Seit Wochen drängen bekannte Mediziner und Expertinnen des Landes: Zurück zur Maskenpflicht, zurück zum Home-Office und hin zu mehr Vorsicht, damit das Gesundheitssystem nicht wieder überlastet wird.

Premier Boris Johnson scheint diese Warnungen zu ignorieren. Die Wirtschaft erholt sich, Unternehmen atmen auf, reiten immer noch auf der Freedom Day-Welle. Aber für Menschen wie Vanessa bedeutet das alles andere als Freedom. Sie muss weiter eingesperrt leben.

Spaziergänger gehen am Südufer der Themse vor dem Hintergrund des Finanzviertels von London entlang

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