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Corona-Studie in Großbritannien - Wissenschaftler infizieren 90 Freiwillige

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Um das Coronavirus besser zu verstehen, planen britische Wissenschaftler eine "Human-Challenge"-Studie. Dabei werden Freiwillige mit dem Virus infiziert - ohne vorherige Impfung.

Ein Forscher arbeitet in einem Labor der Universität Oxford, aufgenommen am 30.12.2020
Für die Studie werden gesunde, junge Menschen gesucht.
Quelle: dpa

Für ein besseres Verständnis des Coronavirus will Großbritannien absichtlich Probanden mit dem Erreger infizieren. Es handele sich um die weltweit erste solche "Human Challenge"-Studie zu Sars-CoV-2, teilte das Wirtschaftsministerium in London am Mittwoch mit.

Bis zu 90 Freiwillige zwischen 18 und 30 Jahren würden in einer "sicheren und kontrollierten Umgebung" dem Virus ausgesetzt. Gesucht würden gesunde, junge Menschen. Die Probanden würden nicht zuvor geimpft, sagte eine Ministeriumssprecherin auf Anfrage.

Eine wichtige Studie zu Corona-Impfstoffen kam ebenfalls aus Großbritannien.

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Studie soll bei Impfstoff-Entwicklung helfen

Das Projekt soll in den kommenden Wochen starten. Man wolle unter anderem herausfinden, wie das Immunsystem auf das Virus reagiert und wie Infizierte Viruspartikel in die Umgebung abgeben, hieß es. Die Studie werde auch eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Impfstoffen spielen.

In Folgestudien könnten Probanden mit einem neuen Wirkstoff geimpft und dann dem Virus ausgesetzt werden, so das Ministerium. Dieses Vorgehen bei der Erprobung von Impfstoffen hat den Vorteil, dass die Wirksamkeit vergleichsweise effizient getestet werden kann. Das übliche Verfahren sieht hingegen vor, Zehntausende zu impfen und dann zu schauen, ob sich weniger Menschen auf natürliche Weise infizieren als in einer ungeimpften Kontrollgruppe.

Corona-Mutation wird nicht verwendet

Human Challenge Trials, bei denen gesunde Menschen einem Erreger ausgesetzt werden, kamen in der Vergangenheit zum Beispiel bei der Entwicklung von Grippe- oder Malaria-Impfstoffen zum Einsatz. Allerdings wurde den Probanden dabei - anders als bei der nun zunächst geplanten britischen Studie - zunächst ein potenzieller Wirkstoff verabreicht.

"Die Sicherheit der Freiwilligen hat Vorrang", betonte das Ministerium. Genutzt werde der Corona-Erreger, der seit März 2020 in Großbritannien auftritt und nicht die weitaus ansteckendere Variante B.1.1.7, die im Herbst in Südostengland erstmals aufgetreten war. Ärzte und Wissenschaftler würden die Probanden rund um die Uhr überwachen.

In Deutschland keine "Human-Challenge"-Studien geplant

Die Studien würden beim Verständnis helfen, wie sich das Coronavirus auf Menschen auswirkt, sagte Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng. Ziel sei, die besten und effektivsten Impfstoffe für die langfristige Anwendung zu finden. Partner sind das Londoner Imperial College sowie das Pharma-Forschungsinstitut hVivo, das bereits ähnliche Studien bei anderen Mitteln durchgeführt hat.

In Deutschland gelten "Human Challenge"-Studien als unwahrscheinlich. Der Verband der forschen Pharma-Unternehmen (vfa) hatte solche Tests im Herbst als unethisch abgelehnt. Zudem gebe es medizinische Vorbehalte: "Challenge-Studien zeigen vielleicht ein verfälschtes Bild, da Erkenntnisse, die nur mit jungen, gesunden Menschen gewonnen wurden, möglicherweise nicht auf Ältere und chronisch Kranke übertragbar sind. Aber diese Personengruppen sind durch Covid-19 am stärksten bedroht", betont der Verband auf seiner Internetseite.

Großbritannien versucht mit Massentests zu verhindern, dass sich die südafrikanischen Virus-Variante schnell in der Bevölkerung verbreitet.

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