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Bedeutung der Corona-Entwicklung - Das zeigt die vierte Welle in Großbritannien

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Im Vereinigten Königreich schnellen die Neuinfektionen wieder in die Höhe – trotzdem sollen alle Corona-Beschränkungen fallen. Was kann Deutschland aus dieser Entwicklung lernen?

Menschen warten mit und ohne Maske vor zwei englischen Telefonzellen
Menschen stehen mit Mund-Nasen-Schutz vor zwei Telefonzellen in Covent Garden. Am 19. Juli soll auch die Maskenpflicht in Großbritannien enden. (Archivbild)
Quelle: Dominic Lipinski/PA Wire/dpa

Keine Maskenpflicht und Abstandsregeln mehr – das plant die Regierung in England unter anderem ab dem 19. Juli. Damit würden die verbliebenen Corona-Beschränkungen fallen. Eine verbindliche Entscheidung soll am Montag getroffen werden.

Der Schritt kommt inmitten eines raschen Anstiegs der Corona-Neuinfektionen, nicht zuletzt wegen der hochansteckenden Delta-Variante im Land. Schon bald erwartet die Regierung 50.000 Neuinfektionen pro Tag – im Spätsommer sollen es 100.000 sein.

Corona-Entwicklung bislang anders als in vorherigen Wellen

Dennoch findet die Regierung Lockerungen gerechtfertigt. Vor allem wegen des Impffortschritts, der den Anstieg der Todesfälle und Hospitalisierungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus trotz hoher Infektionszahlen bislang weniger stark steigen lässt - ein wesentlicher Unterschied zu vorherigen Corona-Wellen.

Letzten Winter sah das noch anders aus, erläutert der Virologe Bodo Plachter von der Universitätsmedizin Mainz. Damals folgte nach einer steigenden Inzidenz von Neuinfektionen auch ein Anstieg von Krankenhausaufnahmen wegen Covid-19. "In dieser Situation ist jetzt natürlich die Impfung die wichtigste und effektivste Maßnahme", so der Virologe.

Bis Spätsommer rechnet die britische Regierung mit 100.000 Corona-Neuinfektionen täglich – trotzdem sollen alle Beschränkungen fallen. Was uns die dortige Entwicklung zeigt.

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Was kann das für Deutschland bedeuten?

Auch in Deutschland erwarten Expert*innen bis Herbst einen Anstieg der Neuinfektionen. Hierbei solle die Frage allerdings nicht lauten, wie hoch der Anstieg sein werde, sondern eher, wie stark sich dieser auf das Gesundheitswesen und das tägliche Leben auswirken wird, erklärt Plachter. In diesem Zusammenhang zeigt sich der Virologe optimistisch und findet, dass durch die Impfungen Vieles verhindert werden könne.

"Das heißt mit anderen Worten: Ganz klar, die Impfung ist jetzt das, was das Pandemiegeschehen ausbremsen wird", so der Virologe. Nichtsdestotrotz werde es Menschen geben, die sich nicht impfen lassen wollen oder können – und diese Menschen blieben je nach Risikolast gefährdet.

Das Entscheidende sei jetzt, dass einerseits genügend Impfstoff bereitgestellt und andererseits Aufklärungsarbeit geleistet werde, um zu zeigen, "dass die Impfung der Weg aus der Pandemie ist", erläutert Plachter. "Wenn man jetzt sieht, dass die Zahlen ansteigen, und wir sehen trotzdem keine Probleme im Gesundheitswesen, dann haben wir ja eigentlich das Ziel erreicht, das primär auch schon bei der Corona-Pandemie immer als wesentliches Ziel genannt wurde."

Nämlich die Menschen vor schwerer Erkrankung zu schützen und die medizinische Versorgung aller Patienten sicherzustellen.
Bodo Plachter, Virologe

RKI-Modellierung zeigt Impfziel bis Herbst

Das Robert-Koch-Institut (RKI) setzt auf eine hohe Impfquote bis Herbst. Eine Modellrechnung zeigt, wie viel Impfschutz bis dahin benötigt wird, um die Inzidenzen niedrig zu halten und eine ausgeprägte "vierte Welle" zu verhindern. Demnach bliebe die Inzidenz unter 100, wenn eine Impfquote von 85 Prozent bei den zwölf bis 59-Jährigen erreicht werde. Liege die Quote nur bei 65 Prozent, wäre die Inzidenz bei knapp unter 400 - so hoch wie noch nie in Deutschland.

Solch eine Modellrechnung müsse aber stets mit Vorsicht betrachtet werden, erklärt Plachter. Denn hier werde von verschiedenen Vorgaben ausgegangen, die zum Zeitpunkt der Bewertung auch anders eintreten können.

Das Institut zeigt sich optimistisch und schreibt, dass das Ziel erreichbar sei. Zusätzlich müsse die Bevölkerung aber die Basishygienemaßnahmen einhalten und bei einem möglichen Anstieg der Infektionen wieder Kontakte "zu einem gewissen Grad" reduzieren.

Corona: Hygieneregeln immer noch wichtig

Auch Plachter betont, dass es hilfreich sei, wenn sich Geimpfte nach wie vor schützen. So habe die Maske sehr gut geholfen. Vielleicht werde das in der Pandemie Gelernte fortgeführt, überlegt der Virologe mit Blick auf den asiatischen Raum, wo Masken auch unabhängig von Corona getragen werden.

Wenn da ein bisschen was übrig bleibt von dem, was wir gelernt haben, wie man sich schützen kann, dann wird das durchaus auch gegen andere Infektionen hilfreich sein.
Bodo Plachter, Virologe

Und dennoch bleibt stets Vorsicht geboten, denn das Ende der Pandemie ist längst noch nicht erreicht. Das sieht auch der britische Premierminister Boris Johnson ein:

Ich möchte nicht, dass die Leute das Gefühl haben, dass dies der Moment ist, an dem wir demobilisieren, dass dies das Ende von Covid ist. Wir sind noch sehr weit vom Ende entfernt.
Boris Johnson, britischer Premierminister

Auch die Weltgesundheitsorganisation ruft zu "extremer Vorsicht" auf und zeigt sich mit Blick auf Großbritannien besorgt. So bezeichnet WHO-Krisenmanager Mike Ryan es als "epidemiologische Dummheit", Menschen eher früher als später mit dem Virus zu infizieren.

Hinzu kommt, dass die Wirksamkeit der Impfstoffe gegen die Delta-Variante gerade von einigen Studien überprüft wird. Relativ sicher scheint nach aktuellem Wissensstand: Zwei Dosen schützen sehr gut gegen einen schweren Krankheitsverlauf.

Eine Studie aus Israel legte zuletzt allerdings nahe, dass der Schutz gegen eine Infektion reduziert sein kann. Mit großer Anspannung sind daher viele Blicke auf das Vereinigte Königreich gerichtet, das einen Weg aus der Pandemie finden will.

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von Julia Klaus

Mit Material von dpa

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