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Altenpflege in der Corona-Krise - Daheim statt im Heim

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Seit einem Jahr gelten Alten- und Pflegeheime als Corona-Hotspots. In der Krise profitieren Anbieter von häuslicher Pflege. Eine Alternative zum Heim - aber nicht für jeden.

Eine Pflegerin mit einer älteren Dame in der Coronakrise
Häusliche Pflege wird während der Coronakrise beliebter. Die Kosten sind jedoch hoch. (Symbolbild)
Quelle: obs/toll betreuung und pflege gmbh & co. kg/adobe stock/yakobchuk olena

Zwei von drei Menschen, die in der zweiten Corona-Welle im Zusammenhang mit Covid-19 in Deutschland gestorben sind, waren Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen. Das Robert-Koch-Institut berichtete neulich von bislang insgesamt mehr als 900 Ausbrüchen in den Heimen.

Anbieter häuslicher Pflege: "Großer Anstieg der Anfragen"

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen seien die Gemeinschaftsunterkünfte für gebrechliche alte Menschen in der Pandemie noch immer "gefährliche Wohnorte", sagt die Pflegewissenschaftlerin Gabriele Meyer von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Von der Sorge um das Wohl der alten Menschen scheinen indes Anbieter von häuslicher Pflege zu profitieren. "Wir verzeichnen einen großen Anstieg der Anfragen bei den Pflegehelden seit der Corona-Krise", berichtet etwa Daniel Pochhammer, Geschäftsführer eines marktführenden Unternehmens, das Pflege in häuslichem Umfeld vermittelt.

Eine feste Kontaktperson, Corona-Schnelltests vorhanden

Mit Blick auf die Covid-19-Gefahren sei dies eine deutlich sicherere Alternative zum Heim, bekräftigt Pochhammer. Einfach, weil es nur eine Betreuerin pro Haushalt gebe und auch ausreichend Corona-Schnelltests verfügbar seien.

Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz geht davon aus, dass "die Infektionsgefahr zu Hause deutlich geringer ist" als in einem Pflegeheim.

"Keine ausgebildeten Pflegefachkräfte"

Die "Pflegehelden" vermitteln nach eigener Aussage an 66 Standorten "innerhalb einer Woche eine persönliche Pflegekraft an Pflegebedürftige für die Unterstützung im eigenen Heim". Im Gespräch mit ZDFheute räumt Pochhammer allerdings ein, dass die große Mehrheit der etwa 7.000 beschäftigten polnischen Arbeitskräfte "keine ausgebildeten Pflegefachkräfte" seien.

Der Service von Pflegeagenturen ist in der Regel sinnvoll, wenn Menschen nicht schwer pflegebedürftig sind, sondern wenn es darum geht, ihre Alltagsgestaltung zu unterstützen: die Einkäufe abzunehmen, etwas zu kochen, gemeinsam zu essen, spazieren zu gehen.
Gabriele Meyer, Pflegewissenschaftlerin

Um Corona-Ausbrüche zu verhindern, gilt in den Alten- und Pflegeheimen in Magdeburg eine strenge Schnelltest-Pflicht.

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2 min
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"Die Betreuerin wohnt im Haus mener Eltern"

Matthias Alraum nutzt den "Pflegehelden"-Service; der Angestellte kann seine 88-jährige Mutter und den 90-jährigen Vater im Alltag nicht in vollem Umfang betreuen und bei der Hausarbeit helfen. "Die Betreuerin wohnt im Haus meiner Eltern", berichtet Alraum und zeigt sich angetan: "Es läuft super, da ist ein gutes menschliches Miteinander zu spüren."

Auftraggeber wie Alraum kostet der Service im Durchschnitt 2.500 Euro monatlich. Die polnischen Arbeitskräfte verdienen dem Unternehmen zufolge im Schnitt 1.600 Euro netto im Monat - und somit in etwa das Dreifache des polnischen Mindestlohns.  

Verwandten-Besuche jederzeit möglich

Als einen der größten Vorteile der Betreuung daheim empfindet Alraum die Möglichkeit, Vater und Mutter jederzeit besuchen zu können.

Natürlich halten wir dabei die Corona-Schutzregeln ein, aber wir können uns trotzdem nahe sein, miteinander sprechen, uns sehen.
Michael Alraum

"In vielen Pflegeheimen gibt es da zurzeit ja viel strengere Regeln und Besuche sind nicht möglich", ergänzt Alraum.

Pflegewissenschaftlerin Gabriele Meyer unterstützt das Bestreben, alte Menschen am Ort ihrer Wahl zu pflegen. Meist seien das die eigenen vier Wände. Sie gibt aber zu bedenken: "Wenn es um fachlich qualifizierte Pflege geht, braucht es zusätzlich den ambulanten Pflegedienst."

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Dieses komplexere Arrangement sei aber nicht für jeden erschwinglich. "Das alles kostet nämlich rasch 3.000 Euro oder mehr im Monat." Meyer warnt gleichzeitig vor Dumpingangeboten: "Da bewegt man sich schnell im rechtlichen Graubereich und es geht zulasten der alten Menschen und der Betreuungspersonen aus Osteuropa, die sich möglicherweise in einer prekären Beschäftigungssituation befinden."

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