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Haustier-Boom in Corona-Jahr - "Freund fürs Leben, nicht für den Lockdown"

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Im Shutdown sind einige auf den Hund gekommen - oder auf die Katze. Die Tierheime fürchten eine Abgabe-Welle mit dem Ende des Shutdowns. Zudem boomt der illegale Welpenhandel.

Junge Katze wid gestreichelt.
Zurzeit ist bei vielen Menschen der Wunsch nach einem Tier groß.
Quelle: dpa

"Wir haben doch gerade etwas Zeit…" - so beginnen gerade viele E-Mails, die das Tierheim Bergheim in Nordrhein-Westfalen erreichen. Tierheim-Leiterin Heike Bergmann merkt den Haustier-Trend in Corona-Zeiten: Für einen kleinen Kater hagelte es vor Kurzem über 50 Anfragen. Sowas würden sie normalerweise nur erreichen, wenn sie das Tier extra im Fernsehen bewerben würden.

Verantwortung für bis zu zwei Jahrzehnte

"Es fängt an bei der Farbmaus und geht bis zum Hund", erzählt Bergmann weiter - Hauptsache ein Tier. Die Gelegenheit scheint günstig: Homeoffice, Kurzarbeit, kaum Freizeitmöglichkeiten, viel Zeit. Im Moment. "Aber so ein Tier muss mit einem durch viele Lebenslagen gehen, im Fall von Hund oder Katze bedeutet das eine Verantwortung für ein bis zwei Jahrzehnte", sagt sie. Das war für das Tierheim Grund für eine Fotoaktion auf Instagram - der Post erreichte fast zwei Millionen Menschen.

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25 Prozent mehr Hunde sind vergangenes Jahr neu registriert worden, meldet die Tierschutzorganisation Tasso, die Europas größtes kostenloses Haustierregister betreibt. Aber woher kommen die vielen Hunde? Die Tierheime melden zwar einen Anstieg der Anfragen, aber keinen Anstieg bei den Vermittlungen, sagt Lea Schmitz, Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes.

"Die Tierheime schauen zurzeit besonders genau hin", sagt Schmitz. Rückgaben seien traumatisch für die Tiere. Es werde für jedes Tier ein Für-immer-Zuhause gesucht und die Lebenssituation der künftigen Halter*innen abgefragt. Dafür hätten sich in der Corona-Zeit Einzelgespräche etabliert, zu denen nur ernsthafte Interessenten eingeladen werden. Die "Laufkundschaft" müsse in der Pandemie ausbleiben.

Einige Tierarten im Mega-Zoo von Norbert Zajac wurden schon "leergekauft".

Beitragslänge:
7 min
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Illegaler Welpenhandel boomt

Bei den deutschen Hundezüchtern blieben die Zahlen auch im Corona-Jahr stabil, sagt Udo Kopernik, Sprecher des Verband des Deutschen Hundewesens (VDH). Zurzeit an einen Welpen zu kommen, sei schwierig.

Die Züchter kommen nicht nach - es gibt zwar viel mehr Anfragen, aber dadurch ja nicht mehr Hunde.
Udo Kopernik, Sprecher des Verband des Deutschen Hundewesens

Das lasse den illegalen Welpenhandel boomen. Er habe diesen Monat schon von mehreren Sicherstellungen gehört - teils mit über 30 Hundewelpen, so Kopernik. Mike Ruckelshaus, Leiter Tierschutz Inland bei Tasso, warnt: "Nachdem Mitte Juni die Grenzen wieder geöffnet wurden, können die meist aus Osteuropa stammenden Wühltischwelpen nun wieder nach Deutschland importiert und im Netz angeboten werden." Fast alle dieser Tiere seien krank, viel zu früh von der Mutter getrennt, ungeimpft und überleben häufig die ersten Lebensmonate nicht.

Beschlagnahmte Hundewelpen in einer Transportbox.
Beschlagnahmte Hundewelpen: Die aktuell hohe Nachfrage begüngstig den illegalen Tierhandel.
Quelle: dpa

Große Rückgabe-Welle erwartet

"Wir bekommen dann Anrufe von Leuten, die Hundewelpen für 3.000 Euro im Internet gekauft haben, die dann gestorben sind und jetzt wollen, dass wir was unternehmen", erzählt Schmitz. Aber ohne Vertrag und Adresse, könnten sie da auch nichts machen. "Die Leute fallen wohl darauf rein, weil aktuell der Wunsch so groß ist, dass die Leute da total blauäugig und naiv reingehen."

Die Tiere aus unkontrollierten Internetkäufen seien zudem häufig die, die die Tierheime an ihre Kapazitätsgrenzen bringen. Tierheime wie das in Bergheim erwarten eine große Rückgabe-Welle sobald der Shutdown vorbei ist.

Spendeneinnahmen weggebrochen

Und das würde die Tierheime in einer Zeit treffen, die ohnehin schwierig sei. Einnahmen von 60 Millionen Euro seien im vergangenen Jahr in den 550 Tierheimen des Deutschen Tierschutzbundes weggebrochen. "Es fehlen die Einnahmen aus Festen und die Spendengelder", sagt Lea Schmitz.

An Staatshilfen zu kommen sei schwierig, da Spendeneinnahmen nicht als Einbrüche im Wirtschaftsbetrieb gelten. "Wir können nur hoffen, dass der Großteil der Leute die Tiere langfristig behält und wenn, dann die Tiere peu á peu und nicht alle auf einmal abgegeben werden", sagt Schmitz. Eine größere Abgabewelle wäre auf jeden Fall "hoch problematisch" für den Tierschutz.

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