Sie sind hier:

Hepa-Filter - Wie rein ist die Luft in Flugzeugen wirklich?

Datum:

Fluggesellschaften behaupten immer wieder, die Luft in Flugzeugen sei in etwa so rein wie im Operationssaal. Doch stimmt das wirklich?

Archiv: HEPA-Filter Ingenieure ersetzen am 27. Juli 2020 in ihrem Hangar in Seoul einen HEPA-Filter (High-Efficiency Particle Air) eines Boeing 747-8i-Flugzeugs, um die Luftzirkulationssysteme und HEPA-Filter des Flugzeugs zu überprüfen.
Hepa-Filter in Flugzeugen können Virusübertragungen reduzieren.
Quelle: picture alliance/YONHAPNEWS AGENCY

Nichts scheint in diesen Tagen so wichtig, wie die Luft, die wir atmen. Dabei ist der Austausch von Luft in Innenräumen entscheidend, um das Ansteckungsrisiko durch Viren zu senken. Das kann durch regelmäßiges Lüften oder bestimmte Luftreinigungsfilter geschehen. [Unsere Tapstory zeigt, wie viele Partikel wir beim Atmen, Sprechen oder Singen ausstoßen.]

Besonders virenfrei soll die Luft angeblich dort sein, wo die meisten von uns derzeit nicht mehr sind - in Flugzeugen. Bestimmte Luftfilter, wie sie in OP-Sälen eingesetzt werden, gibt es auch in Flugzeugen. Es handelt sich dabei um sogenannte High-Efficiency Particulate Air (kurz Hepa) Filter, die Aerosole aus der Luft filtern.

Glaubt man Fluggesellschaften und Interessenverbänden, so würden sogenannte Hepa-Filter in Flugzeugen dafür sorgen, die Kabinenluft nahezu so steril machen, wie in OP-Sälen. Doch daran gibt es Zweifel.

Wie genau wird die Luft im Flugzeug gereinigt?

Klar ist: Viren verbreiten sich in schlecht belüfteten Räumen besonders gut über sogenannte Aerosole, winzige Partikel, die in der Luft schweben. Je höher die Menge an Aerosolen, desto höher ist das Ansteckungsrisiko.

Hepa-Filter können Aerosole herausfiltern. In Flugzeugen funktioniert das so: Verbrauchte Kabinenluft wird in Lüftungsschlitze zwischen dem Kabinenboden und den Wänden gesogen, gereinigt und anschließend mit Frischluft von draußen vermischt. Durch Düsen an der Decke strömt die vermischte Luft zurück in die Kabine. So soll ein senkrechter Luftstrom zwischen Düse an der Decke und den Abluftsystemen am Boden entstehen.

Doch Wissenschaftler widerlegten bereits, dass die Luft gradewegs aus der Lüftung nach unten zum Boden zieht und ihren Weg direkt in das Filtersystem zurückfindet. Bis die komplette Luft im Flugzeug ausgetauscht ist, dauert es zudem länger als wenige Minuten - und in der Zeit sitzen zahlreiche Menschen dicht an dicht. Demnach ist das Ansteckungsrisiko in Flugzeugen allemal höher als in einem OP-Saal.

Ansteckungsgefahr im Flugzeug gering, aber möglich

Mittlerweile sind mehrere Fälle bekannt, bei denen sich Menschen höchstwahrscheinlich in einem Flugzeug ansteckten. [Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus verfolgen Sie in unserem Liveblog.]

Dass dies möglich ist, zeigt auch eine Studie unter der Leitung des Universitätsklinikums Frankfurt. Dazu wurden Reisende einer Passagiermaschine, die Anfang März mit 102 Passagieren an Bord von Tel Aviv nach Frankfurt flog, befragt und getestet. Eine Maskenpflicht gab es damals noch nicht. 

Ciesek: Zusätzliche Schutzmaßnahmen im Flugzeug sinnvoll

Einige der Passagiere gehörten einer Reisegruppe an, die vor dem Abflug eine Risikobegegnung hatte. Nach der Landung wurde die Reisegruppe getestet. Sieben der insgesamt 24 Personen waren unmittelbar nach dem Flug Sars-CoV-2-positiv. Bei zwei Passagieren, die nicht zu der Reisegruppe gehörten, wurde zu einem späteren Zeitpunkt eine Infektion festgestellt. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist es im Flugzeug zu den Übertragungen gekommen, so das Ergebnis der Studie.

Passagiere in einem Flugzeug
Der Sicherheitsabstand von 1,5 Metern kann in Flugzeugen oft nicht gewahrt werden (Archivbild vom Juli 2020).
Quelle: ZDF/Tom Palluch

Eine Ansteckung im Flugzeug ist also grundsätzlich möglich. Die Übertragungen passierten laut Studie voraussichtlich im näheren Umfeld der bereits infizierten Personen. "Die Anzahl der Übertragungen ist niedriger, als wir bei sieben Ausgangspatienten angenommen hätten. Das spricht dafür, dass die Luftfilteranlagen im Flugzeug Übertragungen des Virus reduzieren können - aber eben nicht vollständig verhindern", so Sandra Ciesek, Letztautorin der Publikation und Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt.

Mit Blick auf diese Ergebnisse erscheinen zusätzliche Schutzmaßnahmen im Flugzeug - wie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes - sehr sinnvoll.
Sandra Ciesek

Hepa-Filter können Coronaviren in Innenräumen reduzieren

Wie effizient Hepa-Filter sind, hängt vor allem von der Raumgröße, der Anordnung der Filter, der Anzahl der Menschen sowie davon ab, ob diese ausreichend Abstand halten können.

In mehreren Studien wurde in den vergangenen Monaten geprüft, ob Hepa-Filter auch für andere Innenräume, etwa Klassenzimmer, geeignet sind. Sofern die Leistung der Geräte zur Raumgröße und Personenzahl passen, können sie die Zahl der Viren wirkungsvoll reduzieren. Allerdings können sie die Übertragungen im nahen Kontakt von unter 1,5 Metern laut Robert-Koch-Institut nicht verhindern. Somit können sie lediglich eine zusätzliche Maßnahme sein, um Aerosole zu reduzieren.

Das Schweizer-Käse-Modell zeigt: Eine Kombination aus den verschiedenen Corona-Maßnahmen minimiert das Infektionsrisiko.

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Intensivmediziner Professor Uwe Janssens.

Steigende Corona-Zahlen - So ergeht es den Intensivmedizinern 

Steigende Corona-Zahlen und immer mehr Covid-19-Patienten auf Intensivstationen können zur zusätzlichen Belastung werden. Intensivmediziner Uwe Janssens zur aktuellen Corona-Lage.

22.10.2021
Videolänge
3 min
Ein Abstrich für einen Coronatest. Symbolbild

Nachrichten | heute - Hohe Inzidenzen in Süd-Bayern  

Die Inzidenzzahlen schießen wieder in die Höhe. Vielerorts herrscht Ratlosigkeit über die genauen Gründe. Besonders betroffen ist Südost-Bayern.

22.10.2021
von P. Neubauer / S. Schuhen
Videolänge
1 min
Armin Laschet (l, CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Malu Dreyer (SPD) Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, und Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin, kommen zur Pressekonferenz nach der Ministerpräsidentenkonferenz.

Epidemische Notlage - Corona: Länder zeigen Spahn rote Karte 

Es sollte nach Corona-Normalität klingen: Minister Spahn will die epidemische Notlage auslaufen lassen. Die Länder zeigten ihm jetzt die rote Karte. Sie wollen eine Regelung.

von Kristina Hofmann
Videolänge
1 min
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.