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Gefahr durch Corona-Mutanten - Herdenimmunität? Experten zweifeln

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Im Frühling hieß es, dass bei einer Herdenimmunität von rund 70 Prozent die Pandemie praktisch überstanden sei. Doch die neuartigen Mutanten könnten dieses Szenario zerstören.

Menschen mit Masken am Bahnhof in Essen
Könnte die sogenannte Herdenimmunität eine Strategie im Kampf gegen das Coronavirus sein? Es gibt viele Gründe, die dagegen sprechen.
Quelle: ap

Impfungen sollen dafür sorgen, dass sich zeitnah Herdenimmunität in der Bevölkerung entwickelt. Dass genügend Menschen immun sind, um die Infektionsketten zu unterbrechen. Dass auch Personen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können, vor dem Coronavirus geschützt sind.

So sieht es aus, das Model, das sich aktuell alle herbeisehnen. Das aber durch die Mutationen des Coronavirus offenbar relativiert werden muss. Mahnende Stimmen kommen aus Politik und Wissenschaft.

Problem für die Herdenimmunität: Die "Nelly"-Mutation

Der SPD-Politiker Karl Lauterbach sagte ZDFheute:

Aktuell ist offen, ob wir Herdenimmunität überhaupt jemals erreichen können.

Grund dafür sei vor allem die sogenannte "Nelly"-Mutation.

"Dies ist eine spezielle Mutation des Coronavirus, bei der Antikörper schlechter am Virus anhaften können. Wir finden dieses Phänomen bei der südafrikanischen sowie der brasilianischen Mutante wieder", erklärt der Mediziner. 

Dr. Christoph Specht zu Impfstoff-Begrenzungen, Astrazeneca, unterschiedliche Wirkung der Impfstoffe und Wirksamkeit bei Mutationen.

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Lauterbach: Schutz vor südafrikanischer Mutante "oberste Priorität"

Problematisch sei zum einen, dass Personen, die bereits mit dem sogenannten "Wildtyp"- also dem seit mehreren Monaten zirkulierenden Virus - infiziert waren, sich mit der südafrikanischen Variante reinfizieren könnten.

Zum anderen bereitet Lauterbach eine kürzlich erschienene Studie des amerikanischen Impfstoff-Herstellers Novavax große Sorgen: "Die Studie weist daraufhin, dass dieser Impfstoff vor der südafrikanischen Variante gerade mal einen Schutz von 60 Prozent leistet", sagt er. Daher müsse es oberste Priorität haben, die Bevölkerung vor der südafrikanischen Variante B.1.351 zu schützen.

Was genau ist Herdenimmunität eigentlich?

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Impfstoff-Schutz vor Mutationen noch unklar

Höchst bedenklich sei zudem, so Lauterbach im ZDFheute-Interview, dass noch nicht klar sei, inwieweit die bereits in Europa zugelassenen Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer vor einer Infektion mit der südafrikanischen Virus-Variante schützen.

"Haben wir immer wieder Mutationen, vor denen Impfungen nicht ausreichend schützen, könnte das Worst-Case-Szenario eintreten. Sprich, wir werden niemals eine Herdenimmunität erreichen", so Lauterbach. 

Die Coronavirus-Mutation aus Südafrika breitet sich in Tirol in Österreich aus. Virologen warnen, den Lockdown zu lockern. Die österreichische Regierung plant, trotz hoher Infektionszahlen ab Montag wieder Geschäfte, Museen und Schulen öffnen.

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"Problem ist, dass sich das Virus immer wieder verändert"

Auch von Seiten der Wissenschaft kommt der Appell, sich nicht zu sehr an einer Herdenimmunität von 60 oder 70 Prozent festzuhalten, wie sie im Frühjahr propagiert wurde. Professor Hartmut Hengel, Ärztlicher Direktor des Instituts für Virologie der Uniklinik Freiburg, sagt: "Wir können aktuell noch keine genaue Prozentzahl nennen, ab der es in Deutschland Herdenimmunität geben wird. Geschweige denn, wann."

Das hänge maßgeblich von den Mutationen ab: "Das Problem ist, dass das Virus sich immer wieder verändert."

Gibt es Immunität gegen ein Virus, heißt das noch lange nicht, dass man gegen alle Varianten immun ist.
Hartmut Hengel

"Zudem ist im Moment noch unklar, wie lange die jeweilige Immunität anhält", fügt Hengel hinzu.

Brasilien: Viele Neuinfektionen trotz Herdenimmunität

Dass nach einer Infektion mit dem "Wildtyp" eine Reinfektion mit mutierten Viren möglich sein könnte, zeigt sich aktuell im brasilianischen Manaus. In der Stadt haben sich offenbar viele Personen trotz scheinbarer Herdenimmunität mit P1, der brasilianischen Variante des Coronavirus, infiziert.

In Manaus sind die Krankenhäuser am Limit: zu wenig Betten und kein Sauerstoff. Die Proteste gegen den Präsidenten werden wieder lauter.

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Allerdings warnt Lauterbach ebenso wie Christian Drosten in einem NDR-Podcast, dass die Lage dort schwer zu interpretieren sei. Es sei unter anderem unklar, ob dort wirklich eine Herdenimmunität vorhanden war oder die Auswahl der Stichproben das Ergebnis verzerrt hat. 

Herdenimmunität: Nicht nur auf Deutschland schauen

Professor Hengel warnt zudem, dass das Virus immer weiter mutieren wird, sofern es keine solide Grundimmunität in der Bevölkerung gibt: "Die Impfung erzeugt viel höhere Antikörperkonzentrationen als die Infektion. Dort, wo die Menschen nicht geimpft sind, hat das Virus daher die beste Chance, beständig zu wachsen und sich zu verändern."

Daher werde das Schicksal der Pandemie nicht in den westlichen Ländern, sondern in der sogenannten dritten Welt entschieden. Man müsse neben deutschlandweiten Impfkampagnen auch die Impfungen in anderen Ländern mehr vorantreiben.

Zudem fordert Hengel, wie auch Lauterbach, dass Impfstoffe immer wieder neu angepasst werden müssten. Aber selbst dann sei nicht planbar, wann es jemals Herdenimmunität in Deutschland gebe. 

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