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Corona im bayerischen Hof - Wie wird eine Problemregion zum Vorbild?

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In der dritten Corona-Welle waren Landkreis und Stadt Hof bundesweit trauriger Spitzenreiter. An Ostern betrug die Inzidenz bis zu 470. Heute liegt sie unter 50. Was ist geschehen?

Ein Ortsschild im bayerischen Hof. Symbolbild
Ein Ortsschild im bayerischen Hof. Symbolbild
Quelle: Nicolas Armer/dpa/Archivbild

Seit Monaten kann Andreas Pötzl erstmals wieder aufatmen. Der niedergelassene Internist aus dem bayerischen Hof hat "keine positiven Ergebnisse bei Corona-Tests" bei seinen PatientInnen feststellen können. Und das seit über einer Woche.

Hof scheint über dem Berg. Das Erfolgsrezept? Gibt es eines? "Ja! Eine umfassende Strategie zur Eindämmung des Virus mit Einhaltung der Schutzmaßnahmen, umfangreichen Testungen und impfen, impfen, impfen!", sagt Pötzl, der im letzten Jahr über 100 Covid-PatientInnen behandelte. "Und einen langen Atem", fügt er hinzu.

Infektionen schnell nachweisen und verfolgen

Tatsächlich hat die Region als eine der ersten in Deutschland Testzentren und Testmobile eingerichtet, es wurde umfangreich getestet, alleine Pötzl und sein Team haben über Zehntausend PCR- und Schnelltests durchgeführt. Das Gesundheitsamt stellte Betrieben kostenlos Tests zur Verfügung - ein weiterer Baustein der groß angelegten Kampagne.

Sinkende Corona-Zahlen machen es möglich: Vielerorts kann es wieder Lockerungen geben, etwa für Biergärten. ZDFheute live fragt: Kann das gutgehen?

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Die Folge: Immer mehr Infektionen wurden nachgewiesen und nachverfolgt. Zunächst gelangte die britische Virusmutante offenbar durch Pendler aus Tschechien in das grenznahe Hof und verbreitete sich quer durch sämtliche Arbeitsbereiche und Unternehmenssparten. Der Schwerpunkt der Corona-Infektionen lag jedoch im familiären und privaten Bereich, wo die hochansteckende Virusvariante ganze Familien bzw. Bekanntenkreise infizierte. Als Schutz-Maßnahme wurden Schulen und Kitas geschlossen.

So schnell und viel wie möglich impfen

Das Ziel: eine möglichst schnelle Immunisierung der Region durch Impfungen. Auch da schreitet Hof voran, während bundesweit noch diskutiert wurde, haben Hausärzte wie Pötzl längst geimpft. Nach der Impfung der vulnerablen Menschen wurde Schritt für Schritt die Priorisierung gelockert.

Sonderkontingente von Impfdosen durch die bayerische Staatsregierung ermöglichen den Erfolg: Aktuell liegt Hof mit einer Erst-Impfquote von über 55 Prozent und einer Zweitimpfquote von 19,3 Prozent deutlich über dem deutschlandweiten Durchschnitt.

Gegenbeispiel: Memmingen bundesweit höchste Inzidenz

Ganz anders als in Hof sieht es derzeit in Memmingen aus. Die Stadt hat momentan die höchste 7-Tage-Inzidenz in Deutschland. Doch die Suche nach den Ursachen für die hohen Fallzahlen gestaltet sich äußerst schwierig. Liegt es möglicherweise am Industriestandort mit den metallverarbeitenden Betrieben, die wenig Jobs in Home Office bereithalten?

Tatsache ist, dass das Infektionsgeschehen in Memmingen diffus ist, sich nicht eingrenzen lässt. Es gibt keine Corona-Hotspots in Unternehmen, vielmehr sind die Corona-Infizierten auf das ganze Stadtgebiet verteilt. Die Ansteckungen seien hauptsächlich auf private Kontakte von Familienmitgliedern zurückzuführen, teilt die Stadt Memmingen mit.

Stadt kontrolliert und impft verstärkt

Im Kampf gegen das Virus setzt die Stadt nun auf strengere Kontrollen in der Innenstadt, ob Schutzmaßnahmen wie Maskenpflicht und Alkoholverbot eingehalten werden. Darüber hinaus hat die Stadt im Allgäu jetzt zusätzliche Impfdosen erhalten, die in einer Sonderaktion gespritzt wurden. Denn die einzige Chance gegen das Coronavirus und seine Mutanten ist die schnelle Impfung.

"Wir sind schon in der dritte Welle" sagt der Münchner Infektiologe Clemens Wendtner im ZDF heute journal. Durch schnelles Impfen aber bestehe die Chance, die Gefahr durch Mutationen in den Griff zu bekommen. Wir bräuchten schnell den Impfturbo!

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Genesene infizieren sich neu mit Mutanten

Dieser Auffassung ist auch Andreas Pötzl. Der Arzt weiß, wovon er spricht. In seiner Praxis häuften sich Fälle, in denen bereits erkrankte Corona-Patienten sich erneut infizierten, mit einer Mutante des Virus. Die frühere Erkrankung schützte also nicht vor einer Re-Infektion. Wohl aber vor schlimmen Verläufen, so seine Beobachtungen. Denn keiner dieser Patienten zeigte schwere Symptome.

Wie schnell sich das Coronavirus verändert, damit haben sich der Erlanger Virologe Professor Walter Doerfler und sein Forschungsteam beschäftigt. Ihr Ergebnis ist ernüchternd. Von etwa zehn dominanten Mutationen im April 2020 sei ihre Anzahl bis zum Frühjahr 2021 "rasant angestiegen", wie es in einer Mitteilung der Friedrich-Alexander-Universität-Erlangen-Nürnberg heißt. Demnach seien heute etwa 100 Mutationen bekannt.

Umso wichtiger sei die schnelle Impfung.

Je länger wir die Impfung verzögern, umso schneller können sich neue Mutanten durchsetzen und den Impferfolg langfristig in Frage stellen.
Walter Doerfler, Virologe Universität Erlangen-Nürnberg

Und wie geht es Hof? Nach monatelangem Stillstand kehrt endlich wieder Leben in die Stadt zurück. Die Corona-Maßnahmen werden schrittweise gelockert, und Andreas Pötzl spricht sicherlich vielen Hofern aus der Seele, wenn er sagt: "Wir dürfen endlich wieder raus, und wenn das Wetter jetzt noch schön wird, dann bin ich wieder glücklich, nach so langer Zeit."

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