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Interview

Kassenärzte-Chef Gassen im ZDF - Impfungen in Arztpraxen wohl erst im Mai

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Impfen in der Praxis? Wohl erst im Mai, bremst der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung im ZDF. Dabei könnten dort, so Gassen, pro Woche fünf Millionen geimpft werden.

"Dafür bräuchten sie aber Impfstoff", sagt Andreas Gassen, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Er bezweifelt, dass Haus- und Fachärzte im April am Impfgeschehen beteiligt seien.

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ZDF: Wieso dauert das Impfen so lang – liegt es weiter am knappen Impfstoff?

Andreas Gassen: Die Impfstoffmenge steigt schon. Die Verzögerung ergibt sich jetzt daraus, dass die Länder ihren Impfzentren eine deutliche höhere Menge Impfstoff zukommen lassen. Es ist von 2,25 Millionen Impfstoffdosen in der Woche die Rede.

Damit könnten die Impfzentren theoretisch dann 325.000 Impfungen am Tag machen. Ob sie das schaffen, schauen wir uns dann in Ruhe an. Das wäre eine gute Verdopplung der aktuellen Leistung der Impf-Zentren.

ZDF: Was können die Arztpraxen beim Impfen leisten?

Gassen: Die Arztpraxen können das Impfen in hoher Frequenz und in großer Menge leisten – wenn sie denn Impfstoff bekommen. Das ist gestern offensichtlich zunächst mal anders entschieden worden.

Der Impfstoff geht jetzt prioritär weiter in die Impf-Zentren, so dass ich die Haus- und Fachärzte im April eher nicht im Impf-Geschehen sehe.

Weil sie schlicht und ergreifend nicht genug Impfstoff bekommen werden, so dass wir auf diese Ressourcen wohl dann erst im Mai zurückgreifen können und es bei dem bisherigen Impftempo bleiben dürfte.

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ZDF: Anfangs hieß es, ab Mitte April Impfungen in Arztpraxen. Warum jetzt erst im Mai?

Gassen: Von Mitte April war ja nicht die Rede: 18. April ist ja schon nicht mehr die Mitte. Und ich würde da im Moment sehr vorsichtig sein.

Wir waren eigentlich davon ausgegangen, dass die Haus- und Fachärzte sehr viel früher eingebunden werden, angesichts der Problematik, den Impfstoff überhaupt komplett zu verimpfen und der jetzt deutlich steigenden Mengen.

Außerdem muss man ja ehrlicherweise sagen: Wir sehen die Zahlen des Robert-Koch Instituts. Wir haben jetzt kein dramatisches Ansteigen der Werte, aber die Zahlen steigen kontinuierlich leicht an und das einzig wirksame Mittel ist tatsächlich eine zügige Impfung. Und von zügiger Impfung – Sie haben die Zahlen vorhin gezeigt - sind wir ja in Deutschland schon noch ein Stückchen weg.

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ZDF: Wenn die Arztpraxen impfen würden, wie viele Impfungen würden sie schaffen?

Gassen: Also wir haben ja sehr konservativ gesagt:

Fünf Millionen Impfungen in der Woche sind für die Haus- und Facharztpraxen ohne größere Anstrengungen darstellbar – vorausgesetzt sie bekommen diese Impfstoffmengen.

Dann wären 50.000 der 100.000 Arztpraxen in Deutschland im Impfrozess beteiligt.

Das können sogar mehr werden: Die Rückmeldung aus den Fachverbänden ist riesig. Die Kollegen stehen bereit und würden sofort impfen, aber sie brauchen halt Impfstoff. Jetzt wird man sehen, wann wir den bekommen, möglicherweise wenn die Länder etwas übrigbehalten: Warten wir es ab.

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ZDF: Impfreihenfolge in den Arztpraxen beibehalten oder ändern - was fordern Sie?

Gassen: Also in Zeiten des Mangels ist natürlich richtig und wichtig, eine Impfreihenfolge zügig und streng einzuhalten – völlig klar – weil wir natürlich die Alten und besonders vulnerablen Gruppen zunächst schützen wollen.

Je mehr Impfstoff da ist, umso mehr können und müssen Sie in die Breite gehen, wenn wir eine Herdenimmunität erreichen wollen.

Aber ich glaube, gerade in den Arztpraxen wäre es natürlich für unsere hochbetagten Mitbürger wesentlich einfacher, sich impfen zu lassen.

Die Impfzentren sind häufig sehr weit weg von den Orten, wo die Menschen leben und in den Praxen sind die Patienten bekannt. Das heißt, auch hier kann man sehr viel einfacher die wirklich Kranken herausfischen.

Und ich sag es noch einmal: Wenn wir größere Impftstoffmengen haben, müssen wir - um im Sommer wieder Land zu sehen - eine große Menge geimpft haben. Und da werden wir natürlich auch Gesunde impfen, was ja durchaus seinen Sinn hat, wenn sie viele Kontakte haben und viel umherreisen.

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Aber klar, wir werden zunächst die Alten und Kranken impfen und uns da im Wesentlichen auch an diesen Priorisierungen abarbeiten. Aber je schneller der Impfstoff in großer Menge da ist, umso eher ist die Priorisierung nicht mehr wichtig.

ZDF: Aktuell sollen drei bis vier Millionen Impf-Dosen einfach rumliegen – Welchen Eindruck haben Sie vom deutschen Impf-Management?

Gassen: Also ich würde schon sagen, wir haben noch Luft nach oben.

Es wird jetzt – befürchte ich – in der Art und Weise erstmal weitergehen.

Wir hoffen, dass die Impfzentren dann tatsächlich die doppelte Menge von dem verimpfen können, was sie bisher verimpfen konnten.

Aber ich kann verstehen, dass die Menschen so langsam mürbe sind: Wir sind jetzt im fünften Lockdown-Monat. Realistischerweise wird uns nur das Impfen mit Sicherheit und einem guten Gefühl aus dieser Pandemie rausbringen.

ZDF: Welche Note geben Sie Deutschland aktuell zum Impfen?

Gassen: Ich tu mich mit Schulnoten schwer. Das mag jeder selbst entscheiden, wenn man sich die Zahlen anguckt, dann ist eine Drei minus sicherlich schon ein freundlicher Wert.

Das Interview führte ZDF-Morgenmagazin-Moderatorin Dunja Hayali.

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