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Interview

Impfstoff-Forscher Sander - Corona: "Würde meine Kinder impfen lassen"

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Der Impfstoff-Forscher der Berliner Charité, Leif Erik Sander, warnt vor einer ungebremsten Ausbreitung der Delta-Variante unter Kindern. Dann gäbe es auch schwere Corona-Verläufe.

Impfstoff-Forscher Leif Erik Sander im Interview mit ZDF-heute-journal-Moderatorin Marietta Slomka.

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ZDF: Wenn Sie diese Bilder sehen von proppenvollen Fußballstadien. Wie wirkt das auf Sie?

Leif Erik Sander: Ich sehe das schon auch mit einer gewissen Sorge. Ich verstehe das auf der einen Seite, dass es schön ist, dass jetzt Fußball wieder losgeht und dass es auch andere Dinge als Corona gibt.

Aber wir sind schon noch in einer Übergangsphase in dieser Pandemie, und wir sollten jetzt auch nicht zu leichtsinnig werden. Und sehr, sehr viele Menschenansammlungen und sehr viele Menschen auf einem Haufen birgt immer noch die Gefahr einer Virusübertragung - gerade jetzt, mit der neuen Delta-Variante.

ZDF: In einigen Ländern steigen jetzt die Zahlen auch wieder ganz ordentlich. Wie sehr besorgt Sie, dass Delta zu einer neuen pandemischen Situation führen könnte?

Sander: Das ist natürlich schon ungünstig, dass wir jetzt wieder eine Virusvariante haben, die nochmal ansteckender ist, die auch so eine gewisse Flucht-Mutation in sich trägt, also die Impfstoffe ein ganz bisschen schlechter wirken - aber nicht die Wirkung verlieren. Das heißt, es ist nochmal eine neue Herausforderung.

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Zunächst gingen die Zahlen schön runter durch den Impfeffekt, durch die ganzen Effekte der Maßnahmen, die ergriffen wurden. Und jetzt sieht man einfach mit dieser Variante steigt es darunter wieder. Deswegen ist das natürlich schon gewissermaßen besorgniserregend.

Auf der anderen Seite müssen wir eben auch ganz genau beobachten, inwiefern dann überhaupt beispielsweise auch die Krankenhaus-Einweisungen steigen und die Krankheits- und Todesfälle steigen.

Wir hoffen da auf eine gewisse Entkopplung, dass eben durch die hohe Impfrate viele der Menschen, die sehr empfänglich waren für Coronavirus-Infektionen, schon gewissen Schutz haben.

ZDF: Aber Herdenimmunität, dieses oft verwendete Wort, das soll ja auch bei dieser Variante nochmal deutlich schwieriger werden, zumal ja auch Kinder und Jugendliche zum Beispiel eben noch nicht geimpft werden - oder wenig.

Sander: Ja, ganz genau so ist es. Dadurch, dass die sich nochmal stärker überträgt, wäre dann die Zahl derer, die man impfen müsste, in der Bevölkerung noch höher, um auch diesen Herdenschutz zu erreichen. Diese Effekte haben wir schon gesehen, zum Beispiel in England und in Israel.

Und auch bei uns haben wir das gesehen in den Krankenhaus-Einweisungen und in den schweren Krankheitsfällen und Todesfällen, dass die Impfung schon einen Effekt hat. Aber um wirklich eine Herdenimmunität zu erreichen, müsste man mit so einer ansteckenderen Virusvariante nochmal mehr Menschen impfen.

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ZDF: Nun werden natürlich Eltern verständlicherweise nicht die Neigung haben zu sagen, ich impfe mein Kind für die Nation, für die Gesamtgesellschaft, sondern alle Eltern fragen sich: Ist das gut für mein Kind? Wie handhaben Sie das? Werden Sie Ihre Kinder impfen?

Sander: Jetzt ist es erstmal so, dass wir Impfstoffe haben, die zugelassen sind ab zwölf Jahren, und die Studien laufen weiter. Es wird auch eine Zulassung dann für jüngere Kinder geben, wenn die Studienergebnisse da sind. Und in den Studien hat sich gezeigt, dass die Impfung hervorragend wirkt und bislang - das sind Daten von der amerikanischen Behörde CDC - sieht das Sicherheitsprofil auch sehr gut aus.

Natürlich ist die Kosten-Nutzen-Rechnung bei Kindern eine andere, die erkranken wesentlich seltener schwer am Coronavirus.

Nichtsdestotrotz muss man sagen, wenn das vollkommen ungebremst durch die ganzen Kinder und Jugendlichen durchrauschen würde, dann würden wir auch dort schwere Krankheitsfälle sehen. Ich ganz persönlich würde meine Kinder beispielsweise auch impfen lassen.

ZDF: Dann gibt es noch ein anderes Thema, zu dem Sie uns als Impfstoffforscher etwas sagen können: Stichwort Astra. Das kam für viele dann recht überraschend, als die Stiko plötzlich sagte: "Besser als eine zweite Astra-Impfung jetzt direkt eine Biontech-Impfung." Das kommt für manche auch zu spät, die jetzt gerade erst womöglich ihre zweite Astra-Impfung bekommen haben. Wann können die denn dann auch einen mRNA-Impfstoff bekommen? Muss man da jetzt lange warten? Oder was raten Sie?

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Sander: Zunächst einmal muss man sagen, dass auch die Menschen, die zweimal mit Astrazeneca geimpft worden sind, einen jetzt sehr guten Schutz auch gegen die Delta-Variante haben. Das sieht man glücklicherweise schon in Großbritannien, wo ja schon sehr viel von der Delta-Variante zirkuliert. Und auch diese Menschen sind geschützt, beispielsweise vor einem schweren Krankheitsverlauf.

Und im Verlauf wird man ohnehin diskutieren, dass man ältere Menschen, Menschen mit einem schwächeren Immunsystem, im Herbst schon wieder auffrischt. Und ich glaube, eine dritte Impfung, dann auch für doppelt Astra-Geimpfte, wäre dann eine Möglichkeit, und da sehe ich eigentlich kein Problem, das auch im Herbst machen.

ZDF: Muss man sich keine Sorgen machen, dass man dann zu viel Impfstoff im Körper hat?

Sander: Nein, das ist eine Immunantwort. Die richtet sich gegen ein bestimmtes Antigen, nennen wir das - eine bestimmte Stelle im Virus, und auch das Immunsystem hat einen gewissen Sättigungsbereich. Und dass man jetzt zu viel davon bekommt, das ist Grunde genommen nicht möglich.

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