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Corona - Impf-Frust in den Hausarztpraxen

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Seit die Hausärzte mitimpfen, steigt die Zahl der verabreichten Dosen stark. Doch nach anfänglicher Freude über diesen Erfolg stellt sich in den Praxen der Frust ein.

Illustration: Ein Arzt bereitet Spritze mit COVID-19-Impfung für eine Patientin vor, aufgenommen am 16.02.2021
Auf Freude folgt Frust: Lieferengpässe dämpfen die Zuversicht bei Hausärzten.
Quelle: imago
Wir haben in viele glückliche Gesichter geschaut,
Holger Fischer, Hausärzteverband Sachsen-Anhalt

erinnert sich Holger Fischer, Hausarzt in Magdeburg und Vorstandsmitglied des Hausärzteverbandes Sachsen-Anhalt. In der letzten Woche habe er in seiner Praxis 24 Dosen Impfstoff von Biontech/Pfizer verimpft.

Damit haben er und viele andere Hausärztinnen und Hausärzte zu einer der wenigen guten Nachrichten der Impfkampagne beigetragen:

Vergangenen Mittwoch kann das Robert-Koch-Institut einen neuen Impf-Tagesrekord vermelden: Mehr als 650.000 Dosen wurden gespritzt. Bis dahin hatte der Tages-Rekord bei 366.566 gelegen. Am darauffolgenden Donnerstag sind es sogar mehr als 724.000 Dosen.

Hausärzte warnen, die Impfkampagne könnte ins Stocken geraten.

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Aus Freude wird Frust

Doch die Freude währt nicht lange. Schon eine Woche später überschattet Frust den anfänglichen Erfolg. Für diese Woche wurden Fischers Praxis weniger Dosen angekündigt - nur noch 18.

Für Fischer eine "homöopathische Dosis". Er fühlt sich ausgebremst. Sein Team habe sich der Herausforderung voller Elan gestellt, Patientinnen und Patienten nach Priorisierung ausgewählt, Aufklärungsbögen gedruckt und Termine vereinbart. All das neben dem bereits anspruchsvollen Praxisalltag während der Pandemie:

Hunderte Anrufe und Nachfragen in der Praxis zum Thema Corona-Impfung erreichen uns täglich!
Holger Fischer, Hausärzteverband Sachsen-Anhalt.

Hausärzte erhalten weniger Dosen als geplant

Ein Blick auf den Lieferplan des Bundesgesundheitsministeriums (Stand 12.4.2021) trübt die Aussichten weiter: In der kommenden Woche sollen 1.016.550 Dosen (462.150 Biontech-Dosen und 554.400 AstraZeneca-Dosen) an die Praxen gehen. Das ist etwas weniger, als vor einer Woche geplant war.

Durch die Hausärzte haben sich die täglichen Impfungen in Deutschland fast verdoppelt. Jetzt gibt es aber einen Lieferengpass bei Biontech/Pfizer.

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Schon einmal war die Menge für die Praxen gekürzt worden. Wie Business Insider berichtete, sollten ursprünglich 700.000 Dosen mehr an die Praxen gehen. Weil in den Impfzentren aber Lieferausfälle drohten, hatten die Länder gebeten, den Plan zu ändern - zugunsten der Impfzentren.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erklärte dazu vergangene Woche:

So ist die Vereinbarung zwischen Bund und Ländern, dass nämlich die Impfzentren plus minus 2,25 Millionen Dosen pro Woche für die Impfzentren als Grundlast bekommen.
Jens Spahn

Auch Hausärzte impfen, der Impfstoff bleibt aber knapp. In Mecklenburg-Vorpommern heißt es Schlange stehen für Astrazeneca.

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Spontane Lieferänderungen sorgen für Chaos in den Hausarztpraxen

"Es wäre schön, wenn wir auch das bekommen, was wir bestellen", sagt Manuela Neumann, Hausärztin in Magdeburg. Bei ihrer Impfstoff-Bestellung gibt es diese Woche Chaos.

50 Biontech/Pfizer-Dosen hatte Neumann bestellt, angekündigt wurden ihr 18 Dosen Biontech/Pfizer und 30 Dosen Astrazeneca - obwohl es Astrazeneca erst eine Woche später hätte geben sollen. Am Tag vor der Lieferung dann die Info: Es werden doch nur 30 Dosen Biontech geliefert.

Wir haben gestern innerhalb von ein paar Stunden drei Anrufe von der Apotheke bekommen, mit immer neuen Informationen über die Art und Menge des Impfstoffs, der geliefert werden soll - und jedes Mal sind wir von einer Ohnmacht in die nächste gefallen.
Manuela Neumann, Hausärztin

Jedes Mal haben ihre Mitarbeiterinnen zum Telefon gegriffen und die Patientinnen und Patienten informiert, die Änderungen erklären und neue Aufklärungsbögen verteilen müssen. Das kostet Zeit.

Man hat als Hausarzt das Gefühl, man bekommt die Reste, die das Impfzentrum nicht haben möchte, nicht gebrauchen kann.
Manuela Neumann, Hausärztin

Knapp 35.000 Hausärzte deutschlandweit impfen ihre Patienten gegen Covid-19. Die Praxen haben vorerst wenige Dosen erhalten.

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Warnungen vor Stocken der Impfkampagne

Unterdessen kritisiert der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), dass den Praxen in den kommenden Wochen weniger Biontech/Pfizer-Impfstoff geliefert werde. Zum Ausgleich sollen sie mehr Astrazeneca erhalten.

Trotzdem könne dadurch die Impfkampagne "massiv ins Stocken geraten", sagte Andreas Gassen der "Neuen Osnabrücker Zeitung." Denn Astrazeneca dürfe unter 60-Jährigen nicht gespritzt werden.

Hausärzte: Können mit mehr Impfstoff mehr schaffen

Bei all dem Frust über das Lieferchaos ist Manuela Neumann froh, dass sie mit ihrer Praxis Teil der Impfkampagne ist. Das Impfen selbst sei kein großer Aufwand, das erledigt sie parallel zur regulären Sprechstunde. Und sie könnte mehr schaffen als bisher - hätte sie mehr Impfstoff zur Verfügung.

Bundesweit hatten die Arztpraxen in der ersten Impf-Woche 1,46 Millionen Dosen bestellt - zur Verfügung standen jedoch nur eine Million Dosen. Auch die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt teilte mit:

Das zeigt deutlich: Der für die Praxen zur Verfügung gestellte Impfstoff reicht nicht aus, der Bedarf ist größer.
Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt

Ihre Bestellungen für nächste Woche haben Manuela Neumann und Holger Fischer schon abgeschickt. Ob sie diese so auch geliefert bekommen, erfahren sie in den nächsten Tagen. Laut Bundesgesundheitsministerium soll es dabei bleiben, dass pro Woche eine Million Dosen an die Praxen verteilte werden. Ab Mai sollen es mehr werden.

Luisa Houben ist Reporterin im ZDF-Studio Magdeburg. Der Autorin bei Twitter folgen: @frauhou.

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