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Seit Ende der Priorisierung - Mehr Anrufe, aber nicht mehr Impfstoff

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Seit knapp einer Woche gibt es keine Impfpriorisierung mehr. Doch für viele Arztpraxen hat sich die Lage alles andere als entspannt. Ein Blick nach Sachsen-Anhalt.

Impfung in Arztpraxis (Symbolbild)
Impfen in der Arztpraxis: Bei vielen steht das Telefon nicht mehr still
Quelle: Hannibal Hanschke/Reuters/Pool/dpa

Jeder, der möchte, kann sich um einen Termin bemühen - theoretisch. Seit Wochenbeginn ist die bundesweite Impfpriorisierung aufgehoben. Aber schon nach einigen Tagen zeigt sich: Nach wie vor ist der Andrang größer als die Kapazitäten.

Die Impfstoffmenge sei immer noch zu gering und gleichzeitig die Nachfrage sehr groß, kritisiert Jörg Böhme, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt. "Die Telefone in den Praxen stehen nicht mehr still."

Es fehlt an Planungssicherheit

So auch bei Julia Steinicke, Fachärztin für Allgemein- und Palliativmedizin in Magdeburg. Auch ihre Praxis impft gegen Covid-19. "Das Stresslevel ist schon recht hoch im Moment. Wir haben viele Anfragen von Patienten, die eine Impfung möchten, können diese aber nicht alle bedienen, weil wir nicht genügend Impfstoff haben", bestätigt Steinicke.

[Was Impfwillige tun können, wenn sie keinen Hausarzt haben, ist hier nachzulesen]

Mit dem, was sie an Impfstoff pro Woche bekommt, kann sie etwa 90 Menschen impfen. Rund 120 stehen auf ihrer Warteliste, die sich ständig erneuert. Problematisch für Steinicke und viele andere Praxen: Sie hätten keine wirkliche Planbarkeit, da sie nicht wissen, wie viel Impfstoff in der nächsten Woche zur Verfügung steht.

Ich würde mir wünschen, dass es eine bessere Planungssicherheit gibt und man wüsste, wie viele Impfdosen von welchem Impfstoff man bekommt pro Woche, nicht erst drei Tage vorher.
Julia Steinicke, Ärztin in Magdeburg

In Sachsen-Anhalt erhalten die Praxen niedergelassener Ärzte aktuell zwischen 50.000 und 70.000 Dosen pro Woche. Jörg Böhme vom Kassenärzteverband zweifelt daran, dass so alle Impfwilligen bis zum Sommerurlaub geimpft werden können. Steinicke resümiert: "Die Priorisierung wurde zwar aufgehoben, aber das heißt nicht, dass wir jetzt jeden impfen können."

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Aufhebung hat Schattenseiten

Eine der größten Herausforderungen für die Fachärztin: den Praxisbetrieb weiterhin aufrechtzuerhalten. "Die Akutpatienten sind ja trotzdem noch da und auch die Vorsorgeuntersuchungen, das muss alles weiterlaufen." Das Impfen sei für Hausarztpraxen sehr zeit- und personalaufwendig und somit teilweise nicht wirtschaftlich, berichtet Steinicke.

Vor allem für das mittlere medizinische Personal hätten sich die Vor- und Nacharbeiten deutlich erhöht, erklärt Böhmer. Es gebe deutlich mehr Telefonate, ungehaltene Patienten und Zweittermine die abgesagt würden. Das Personal leide darunter, dass sie teilweise noch unfreundlich behandelt würden.

Das ist unbefriedigend für den Praxisablauf, wenn zwei Mitarbeiterinnen den ganzen Tag nur mit telefonieren verbringen.
Jörg Böhme, Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt

Ärzte und Ärztinnen im Land hätten Sorge, dass durch das hohe Anrufaufkommen andere Patienten mit wirklichen medizinischen Problemen nicht mehr durchkämen, so Böhme.

In weiten Teilen Deutschlands ist heute die Impf-Priorisierung gefallen – dennoch fehlt es an genügend Impfstoff. Einige Bundesländer halten somit an der Priorisierung fest.

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Bis Ende Juli Erst-Termin für jeden Impfwilligen

Positiv an der Aufhebung der Priorisierung findet er, dass nun auch die Betriebsärztinnen und -ärzte miteinbezogen werden und auf diese Weise Mitarbeiter aller Altersgruppen geimpft werden können.

Auch Steinicke sieht einen positiven Aspekt: Sie müsse sich nun nicht mehr für die Impfreihenfolge rechtfertigen. Böhme ist zudem optimistisch, dass sich die Lage in ein paar Wochen entspannt haben wird und mittelfristig jeder, der möchte, bis Ende Juli einen Erst-Termin bekommen soll.

Nächste Hürde: Digitaler Impfpass

Aber die nächste Hürde steht schon bevor: Die Einführung des Digitalen Impfpasses in den Praxen. Die niedergelassenen Ärzte und Ärztinnen in Sachsen-Anhalt hätten keine Möglichkeit, den Impfpass vor Anfang Juli zu befüllen, da sie nicht über die entsprechende Software verfügten, erklärt Böhme. "Es wurde nichts zur Verfügung gestellt, womit wir dieses Impfzertifikat ausstellen können." So werden die Herausforderungen für Hausarztpraxen eher größer als weniger.

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Ärzte und Krankenschwestern am 22.04.2020 in einem Krankenhaus in Barcelona

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